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Faszination Streichquartett-Wettbewerbe
Betreff: Faszination Streichquartett-Wettbewerbe
Sendungsdatum: 2012-09-16 17:14:24
Ausgabe #: 14
Inhalt:
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Liebe Kammermusikfreunde,

 

nachdem ich in den vergangenen 25 Jahren wirklich viele Wettbewerbe besucht habe, gibt es Unterschiede, die man immer mehr feststellt. Natürlich gibt es gerade auch bei Klavierwettbewerben eine Art von Fans, die versuchen, alle Klavierwettbewerbe mitzuerleben, die gehört werden können. Doch es ist anders als bei Kammermusikwettbewerben, speziell denen für Streichquartett. Warum? Nun, das ist einfach. Während Klavierwettbewerbe in der Regel ein Publikum haben, das einen oder zwei bestimmte Wettbewerbe immer und immer wieder besucht, gibt es bei den Streichquartett-Wettbewerben eine Art von Pilgertum. Gleichgültig wo auf der Welt, trifft man in den internationalen Wettbewerben tatsächlich immer wieder Gesichter, die man zuerst nicht einordnen kann, bis einem bewusst wird, dass man diese Menschen schon ganz woanders getroffen hat – nur halt auch im Umfeld eines Streichquartett-Wettbewerbs.

Wenn man sich fragt, woran dies liegen mag, gibt es natürlich unterschiedliche Facetten, um dieses Phänomen zu beleuchten. Da sind zum einen die Personen, die eines der teilnehmenden Quartette kennen und es sich nicht nehmen lassen, dabei zu sein, wenn es eine Chance für sie gibt bis ins Finale vorzudringen. Dann gibt es solche, die eine von der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen Institutionen leiten (mögen es kleine Stiftungen, kleine Kammermusikreihen, oder andere Dinge sein) und sich nicht scheuen, weltweit die jungen Talente im Bereich Streichquartette anzuhören.

Doch es gibt da anscheinend auch noch eine andere Gruppe von Menschen: die, die sich tatsächlich für die Welt der jungen und talentierten Streichquartett-Ensembles interessieren. Da trifft man auf Menschen, die sich die Quartette mit Lust und Freude anhören und sich diese Wettbewerbe als eine Art von Urlaubsziel aussuchen. Mit Eifer, Wissen und Hingabe lauschen sie jeder Note, diskutieren nach jedem Vorspiel über die Qualität, sind allen gewogen. Allein: die gemäßigte Moderne im Repertoire hat es immer noch etwas schwer, die Zuhörer zu überzeugen. Gerade Werke von Schulhoff, Ullmann, Schönberg oder Hindemith werden nur schwer anerkannt. Leichter scheint dem Publikum es zu fallen, die jüngeren Werke von Dutilleux, Xenakis oder Rihm zu verdauen. Eine Tatsache, die entweder mit dem in diesen Werken integrierten rhythmischen und unruhigen Zeitgeist zu erklären ist, oder aber mit dem Effekt, den diese Werke meist auf einen Zuhörer ausüben.

Dennoch ist es bemerkenswert, dass immer mehr Menschen sich für das Genre Streichquartett zu begeistern scheinen. Noch vor Jahren waren die Wettbewerbe eher karg besucht, mittlerweile muss man sich beeilen, um in den Vortragsälen einen guten Platz zu ergattern, wie jüngst beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München, wo die knapp 400 Plätze im Studio 1 des Bayrischen Rundfunks immer voll besetzt waren.

Dieser Trend, von dem die Streichquartett-Wettbewerbe eigentlich nur ein Abbild sind, scheint sich immer noch zu verstärken. So werden in bekannten Sälen immer mehr Streichquartette in die Kammermusik-Serien eingebaut, wird ein immer größeres Publikum für diese so intensiv-emotionale Musik gefunden … Ein Trend, der vielleicht auch dadurch geschürt wird, dass es immer mehr sehr junge und hervorragende Streichquartette gibt.

 

Schön wäre es, wenn dieser Trend sich nicht allein auf die Streichquartette, sondern auf alle Kammermusik-Genres ausweiten würde, denn auch da hätten es die Ensembles und die Werke verdient. Aber das kommt sicherlich auch noch.

 

Ihr ENSEMBLE-Team

 

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