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Nationalstile?
Betreff: Nationalstile?
Sendungsdatum: 2013-04-03 15:12:47
Ausgabe #: 19
Inhalt:
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1 Nationalstile?

Liebe Freundinne und Freunde der Kammermusik,

vor kurzem saß ich zusammen mit einem Professor, der fest und sehr selbstüberzeugt behauptete, dass natürlich Russen die russische Musik besser spielen könnten, da sie mit all dem Hintergrund, den diese Musik verkörpert aufgewachsen wären. Ich behauptete, dass in der heutigen, auch in der Ausbildung globalisierten Welt kaum mehr Unterschiede wahrzunehmen wären, da viele schon im Kindesalter ihre Heimat verlassen hätten, um im Ausland zu studieren – und das nicht einmal zwingend bei Lehrern, die aus dem entsprechenden Land stammen. Entsprechend hätte auch im Klang und in dem Zugang zur Musik längst eine positive Globalisierung stattgefunden. Er aber war überzeugt, dass Franzosen französische Musik besser, Österreicher österreichische Musik am besser spielen könnten. Und wie sieht es mit den Chinesen aus?, fragte ich. Er sagt, dass die offen für alles seien. Nun, wenn dem so ist, dann gibt es doch wohl keine nationalen Unterschide mehr, oder?
Ich denke, dass absolute Kammermusik, solche von Beethoven, von Brahms oder anderen beispielsweise international von allen auf dieselbe gute Art gespielt werden kann. Dies liegt an der Absolutheit dieser Musik. Allerdings: Wenn Komponisten sich stark von Sprache beeinflussen ließen, so wie Schumann oder auch Schostakowitsch zum Teil (und vielen anderen), dann allerdings sollte man diese Sprache nicht nur kennen, sondern auch wirklich verstehen. Denn ansonsten wird die Interpretation auf einer Oberfläche verblieben, die nach gelernt klingt. Ebenso, als würde man die Idee eines Lehrers nur nachahmen. Das reicht nicht, wenn man einen bestimmten Sprachduktus innerhalb der Musik erkennen und verstehen will
Nationalstile? Nein, die gibt es schon lange nicht mehr in der absoluten Art. Dagegen sprechen zu viele Ensembles mit ihrem Ausbildungsweg und ihren Interpretationen.

 

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