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Was machen mit den Jüngsten?
Betreff: Was machen mit den Jüngsten?
Sendungsdatum: 2013-07-15 15:31:58
Ausgabe #: 21
Inhalt:
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Liebe Kammermusikfreudinnen und -freunde,

 

Schon längst haben wir das vermutet, was vor kurzem das MIZ (Musikinformations-Zentrum) in Deutschland als statistische Zahlen veröffentlichte und dies auch noch positiv zu werten versuchte: in Deutschland studieren immer mehr junge Menschen Musik an den Musikhochschulen. Die Statistik zeigt, dass die Zahlen der Studierenden wieder einmal zum Vorjahr gestiegen sind. Und dabei sind nur die staatlichen Hochschulen erfasst, nicht aber die staatlich anerkannten Einrichtungen, die ebenfalls Studierenden die Chance geben, sich in Sachen Musik ausbilden zu lassen. Doch ein anderes alarmierendes Detail offenbarte die Statistik ebenfalls: Immer weniger der Studierenden sind daran interessiert, sich dem Lehrberuf im Fach Musik zuzuwenden. Gerade im Grundschulbereich ist dies schon seit langem ein Problem. Doch was machen wir, wenn wir immer mehr Musiker haben, die nach Auftrittsmöglichkeiten und einem festen Einkommen suchen, es aber an Publikum mangelt? Denn eines ist sicher: Wenn wir die Kleinsten nicht schon früh an die Musik heranführen, wird dies auch in späteren Jahren schwierig sein. Natürlich ist es hoch willkommen im internationalen Vergleich eine der besten Musikerausbildungen gerade in einer globalisierten Welt in Deutschland anbieten zu können. Darauf können die Deutschen stolz sein.
Aber auf der anderen Seite finden die Konzertveranstalter immer schwieriger ein Publikum, das sich gerne der klassischen Musik zuwendet. Und das gerade in der Kammermusik, zumindest, wenn es um die musikalischen Zentren in Deutschland geht. Das liegt aber vor allem auch daran, dass wir versäumen, den Kindern zu zeigen, wie viel Spaß klassische Musik machen kann. Natürlich ist das Elternhaus ebenso wichtig, wie die Schule … Aber wenn in der Grundschule – wie noch vor einigen Jahren im bevölkerungsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen – der Musikunterricht zu 95 Prozent fachfremd (das heißt von Lehrern, die keine pädagogisch-musikalischen Ausbildung haben) durchgeführt wird, wie sollen die Kinder dann erkennen, dass da etwas existiert, was sie vielleicht später einmal live im Konzertsaal erleben wollen.
Das ist durchaus alarmierend. Vor allem, wenn man sieht, dass das Berufsziel Lehramt im Bereich Musik so unattraktiv zu sein scheint, dass es niemand mehr studieren will. Immer mehr Lehrpläne setzen auch aufgrund von Lehrermangel den Musikunterricht in den Schulen aus. Das kann nicht die Lösung sein. Um ehrlich zu sein: Die Politik der Bundesländer ist gefragt, den Lehrberuf im Bereich Musik so attraktiv zu machen, dass er wieder Interesse bei jungen Musikern schürt, diesem Berufswunsch zu folgen – wenn es dafür nicht schon zu spät ist, denn auch wenn es jetzt eine Kehrtwende gäbe, dann würde es mindestens eine Generation dauern, bis man es in den Konzerthäusern spüren würde. Und was machen all die hochausgebildeten Musiker bis dahin?

 

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