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Das improvisatorische Element
Betreff: Das improvisatorische Element
Sendungsdatum: 2013-10-20 05:59:12
Ausgabe #: 23
Inhalt:
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Liebe Kammermusikfreunde,

Vor kurzem erlebte ich einen Kammermusiklehrer aus England, der Kammermusikensembles mittels der Improvisation zum freien Spiel und Umgang mit großen Standard-Kammermusikwerken verleitete. Das war spannend und neu, denn seit der Entstehung der wichtigsten kammermusikalischen Gattungen in den Ländern der Länder Westeuropas waren die Komponisten mehr und mehr daran interessiert, den Notentext immer genauer aufzuzeichnen, damit ihre musikalischen Ideen so genau als möglich von den Spielern wiedergegeben werden. Natürlich ging dieses Phänomen mit der Tatsache der stärkeren Verbreitung der Werke durch Verleger und die damit zusammenhängende Trennung von Schöpfer (Komponist) und Spieler (Interpret). Doch der Zugang über das improvisatorische Element bei dem unterrichteten Schülerstreichquartett und der Effekt nach kürzester Zeit auf den Zugang zu Phrasierungen waren bemerkenswert. Das Lösen vom Lesen des Notentexts, die intensivere Notwendigkeit miteinander zu kommunizieren wurde offensichtlich.

Wieder war da etwas Neues in der Kammermusikausbildung, was ich lernte und über dessen Erfolg ich skeptisch nachdachte, bevor ich den Unterricht selbst erlebte. Aber letztendlich musste ich erkennen, die selbst bei mir – als einen in alle Richtungen offenen Menschen – schon eingefahrenen Gedanken und das Voreingenommene sollte doch immer wieder hinterfragt werden. Letztendlich heilig der Effekt die Mittel. Und so sollten wir bei aller Liebe zu Traditionen, die es Wert sind erhalten zu werden – gerade in der Kammermusik – einige Konventionen immer wieder einmal über Bord werfen, um unserem eigenen Konservativismus gegenüber kritisch zu bleiben.

Und sind wir einmal ehrlich: Gerade im Feld der Kammermusik herrscht ein großes Maß an konservativem Denken – zu Recht und oftmals auch zu Unrecht.

Ihr

Carsten Dürer

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