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Ganzheitlichkeit
Betreff: Ganzheitlichkeit
Sendungsdatum: 2013-11-29 12:15:06
Ausgabe #: 25
Inhalt:

Liebe Kammermusikfreundinnen und -freunde,

das Wort dieses Newsletters ist fast in allen Bereichen des täglichen Lebens vollkommen üblich geworden, ja ist geradezu zu einem positiven Markenzeichen für viele Bereiche geworden. Warum eigentlich nicht in der Musikausbildung? Aber ist es da nicht auch schon längst üblich?, werden einige nun zu Recht fragen. Nein, ist es nicht, ganz und gar nicht. Die Internationale Musikakademie im Fürstentum Liechtenstein, eine private Ausbildungseinrichtung für junge Musiker, hat vor kurzem ein Symposium für die Studenten durchgeführt, bei dem sie von Referenten aus unterschiedlichsten Bereichen sensibilisiert wurden, welche Bereiche sie heute noch bedenken müssen, wenn sie nach einem Studium überhaupt eine Chance haben wollen, sich im Musikmarkt zu tummeln. Nach zwei Tagen der Bombardierung mit Informationen, die nichts mit dem Instrument und der Interpretation zu tun hatten, war das Ergebnis Verunsicherung. Immerhin so stark, dass einige gar aggressive Reaktionen kamen und Ablehnung des Gehörten, und dass man sich doch allein auf die Musik und das Instrument stützen wolle. Diese Studenten – die meisten Anfang bis Mitte 20 – waren erstaunt, welche Bereiche sie bedenken sollten, was sie an Informationen haben müssten und mit welchen Themen sie sich neben der Musik beschäftigen müssen, wollen sie aus der Masse der heute in der Regel hervorragend ausgebildeten Musikstudenten herausstechen. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Musiker, auch solche, die sich auf die Kammermusik allein stürzen, nur mehr mit ihrem Können leicht vorwärts kommen. Alle möglichen Dinge müssen mit einfließen: Videos, Fotos, geschickte Repertoirewahl und Programmgestaltungen, Auftreten, Umgangsformen etc. Doch leider ist es vielfach so, dass die heutigen Studenten von großartigen Künstlern unterrichtet werden, die zu anderen Zeiten Karriere machten, die aber nicht erkennen wollen, dass sie selbst eine große Masse an Studenten in das reale Leben entlassen, die vielleicht keine Chancen im Markt erhalten, nur weil die Lehrer sie hervorragend am Instrument ausgebildet haben – sie vielleicht darüber hinaus hervorragende Allround-Musiker sind. Was muss passieren, damit die Hochschulen, die von der öffentlichen Hand getragen werden, erkennen, dass hier ein Nachholbedürfnis besteht, das nicht beiseite gekehrt werden darf. Denn ansonsten wird das geschehen, was sich bereits heute in Ansätzen immer wieder zeigt: Dass vielleicht nicht die besten Musiker sich auf den Bühnen der Welt etablieren können, sondern die, die am besten die Mechanismen der so wichtigen „Nebengebiete“ zu nutzen verstehen … Das sollte nicht geschehen!Man muss zurückkehren zu einer ganzheitlichen Ausbildung im Sinne des „Studium generale“, das heute aber nicht nur alle humanistischen Felder, sondern alle diejenigen beinhalten sollte, die nötig sind, um sich in der Welt außerhalb des Studiums zurechtzufinden. Dabei kann man helfen, die Studenten zu unterstützen: Immer mehr private Einrichtungen, die allerdings nicht von der öffentlichen Hand getragen werden, integrieren gerade auch diese Dinge in ihre Ausbildung (wie das Beispiel in Liechtenstein zeigt). Genau diese Institutionen benötigen Unterstützung in Form von Spenden …

Ihr ENSEMBLE-Team 

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