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Vom Solisten zum Kammermusik-Allrounder
Betreff: Vom Solisten zum Kammermusik-Allrounder
Sendungsdatum: 2014-02-21 13:12:08
Ausgabe #: 26
Inhalt:
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1 Liebe Kammermusikfreunde und -freundinnen,

heutzutage scheint es fast so, als würde kein junger Musiker mehr eine Karriere mit seinem Instrument machen können, ohne auch Kammermusik zu spielen. Die Zeiten, in denen Solisten auf einem Streichinstrument oder einem Blasinstrument eine solistische Karriere hinlegen konnten, die fast ausschließlich auf das Konzertrepertoire des jeweiligen Instruments abzielte, sind vorbei. Sei dies auf der Geige wie ein Heifetz, Menuhin oder zahllose andere, sei es auf dem Cello ein Casals, ein Rostropowitsch oder andere. Sei es auf der Flöte ein Pierre Rampal, ein Maurice André auf der Trompete oder viele andere. Allein beim Klavier sieht es noch anders aus, da gibt es immer noch die zahlreichen Einzelkämpfer, die vielleicht noch niemals in ihrem Leben kammermusikalisch gearbeitet haben – aber auch auf diesem Instrument werden es immer weniger Künstler, die die Kammermusik beiseite schieben können.
Auf der einen Seite ist dies gut, denn die Kammermusik bringt nicht nur in Bezug auf das Repertoire viele Kenntnisse, sondern sie vermittelt allen Instrumentalisten auch Ideen, wie man sein eigenes Spiel klanglich so in Richtung der anderen Instrumentenklänge variieren kann, dass man seine Interpretationen ausweitet. Die Frage bleibt: Woran liegt dieser Wandel?
Nun, zum einen sicherlich daran, dass immer mehr gut ausgebildete Musiker in schon jungen Jahren auf die Bühnen drängen und damit eine Aufteilung der möglichen Konzert-Orchester-Auftritte als Solist auf viele Musiker eintritt. Auf der anderen Seite aber auch durch die immer stärker werdende Integration der Kammermusik in die Ausbildung. Und zu guter letzt auch durch die zahllosen Festivals, die oftmals Solisten einladen, diese aber zu Kammermusik-Formationen zusammenfügen.
Ist das heute erreichte Ergebnis wünschenswert? Nun, auf der einen Seite werden dadurch die Musiker immer weniger profiliert in ihrem Tun, hat man weniger Einzel-Persönlichkeiten, die weltweites Aufsehen erregen und die sich ein vielleicht älteres Publikum zurückwünscht, da man sich leichter mit Einzelpersonen identifizieren kann. Denn eines der wirklichen Probleme in der Kammermusik liegen ja nicht darin, dass es zu wenige gute Musiker gibt, die auf sich aufmerksam machen können. Vielmehr fehlt es an der klaren Profilierung von Menschen, mit denen sich das Publikum identifizieren kann – und daher dann auch in Konzerte geht. (Das funktioniert aber beispielsweise bei Pianisten nach wie vor.) Auf der anderen Seite aber ist es auch ein Segen, dass es so gekommen ist, denn in diesem Moment geht es noch einmal mehr um die Musik selbst und nicht um den Künstler allein. Darauf sollte man immer achten.

Ihr ENSEMBLE-Team

 

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