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Das Schöne und das Wichtige
Betreff: Das Schöne und das Wichtige
Sendungsdatum: 2014-06-05 09:24:29
Ausgabe #: 27
Inhalt:

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Liebe Kammermusikfreundinnen und -freunde,

 

es ist zwar wahr, dass große Kammermusik sich leicht von der unterscheiden lässt, die man weniger wahrnimmt, da sie auch entsprechend wenig gespielt wird. Aber ist diese Art von Kammermusik deswegen weniger groß?

Seien wir ehrlich: oftmals lechzen wir geradezu nach Werken von Beethoven, Haydn, Mozart und den Romantikern Schumann, Schubert oder Brahms … Aber letztendlich wird unser Hunger nach dieser Musik auch oftmals in den Konzerten und auf den CD-Veröffentlichungen gestillt. Immerhin so oft, dass es schon fast wahnwitzige Ausmaße annimmt, wie oft die Sonaten für Klavier und Violine von Beethoven eingespielt und aufgeführt werden, oder die berühmtesten Streichquartette von Haydn und Mozart. Und das ist gut so, denn an diesen Kompositionen müssen sich natürlich letztendlich die anderen Meister aus allen Zeiten auch messen. Aber was ist mit all den unbekannteren oder zumindest in der Geschichte fast vergessenen Meistern? Was mit den vielen Franzosen der späten Romantik, die im Schatten von Komponisten wie Debussy, Ravel oder Fauré standen. Immer wieder machen sich Ensembles daran, die Musik, die abseits der Pfade liegt, auf die Bühnen zu bringen oder aber auf Tonträger zu bannen. Die Ausmaße gerade in der Kammermusik sind kaum überschaubar, da es ja nicht allein die Genres Streichquartett, Klaviertrio oder die bekanntesten Duo-Besetzungen mit Klavier gibt. Doch wollen wir das wirklich hören, oder tendieren wir schändlicher Weise doch eher zu dem bekannten, dem geliebten Repertoire?

Sicherlich sollten wir beides tun, neugierig bleiben auf das Unbekannte wie die Streichquartette von Franz Xaver Richter, die soeben vom casalQuartett entdeckt und erstmals auf CD eingespielt wurden. Oder die soeben zum 300. Geburtstag wiederentdeckte reiche Kammermusik von Carl Philipp Emanuel Bach. Und über solchen Geburtstagen sollte man nicht vergessen, dass Johann Sebastian Bach auch andere Söhne hatte, die fleißig Kammermusik schrieben. Wann haben Sie zuletzt Werke von Louise Farrenc, Georges Onslow oder Dora Pejacevic gehört. All dies ist großartige Kammermusik …

Wir lassen uns viel zu leicht leiten von den Veranstaltern, die sich sicher sein wollen, dass Publikum kommt, wenn man nur Mozart oder Haydn spielen lässt, lassen uns verführen von den Werbungen, die uns wieder und wieder eine Einspielung desgleichen Repertoires schmackhaft macht. Wir sind in dieser Hinsicht doch recht bequem. Und dabei gibt es all diese Dinge zu hören, im Konzert und auf CD. Allerdings müssen wir selbst aktiv sein, uns darum bemühen, dass gerade diese Musik bei uns Gehör findet, dass die Labels und die Veranstalter erkennen, dass wir – auch – an anderer Musik interessiert sind. Nur auf diese Weise wird sich etwas ändern, wenn wir aktiv sind und diese Aktivität und das Interesse an anderem als dem Standard-Repertoire kundtun.

In diesem Sinne achten sie einmal auf die „anderen“ Programme – auch die mit zeitgenössischer Kammermusik, die wahnwitzig großartige Musik zu bieten hat – und kaufen Sie auch einmal ein Ticket für ein Festival, in dem gerade diese anderen Werke im Mittelpunkt stehen.

 

Beste Grüße von Ihrem ENSEMBLE-Team

 

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