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Kammermusik: Stilrichtung mit Problemen?
Betreff: Kammermusik: Stilrichtung mit Problemen?
Sendungsdatum: 2011-11-14 16:34:15
Ausgabe #: 6
Inhalt:
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Liebe Kammermusikliebhaber,

 

In allen Ländern der Welt klagen Veranstalter, Musiker und Enthusiasten darüber, dass die Kammermusik es schwer hat. Aber was genau meint man eigentlich damit? Hatte es die Kammermusik nicht immer schon schwer? Waren selbst in Zeiten der Werke des Barock nicht die Opernaufführungen im Fokus der breiten Masse von Musikinteressierten? Wurde die Kammermusik nicht auch damals schon in intimem Rahmen an den fürstlichen Höfen gespielt? Waren in der Klassik nicht die großen „Akademien“ (stundenlange Konzerte) die publikumswirksamen Musikveranstaltungen? Ist die Kammermusik nicht zu dieser Zeit vor allem an den Höfen in geschlossenen Kreisen musiziert worden? Wurde die Kammermusik nicht immer schon für ein kleines Publikum geschrieben?

Diese Fragen beantworten sich alle von selbst mit: Ja! Dann aber kommt das große „Aber“, da die Zeiten sich geändert haben, da viele andere Einflüsse für den Musikgenuss hinzugekommen sind. Aber auch hier stellen sich dieselben Fragen seit Jahrzehnten. Da waren erst die Grammophone, die die Musikverbreitung in den heimischen vier Wänden vorantrieben, dann das Radio, dann die Schallplatte und dann die CD. Heute sind es Internet und Fernsehen, die hinzugekommen sind, neben den Zeitvertreiben Reisen, Restaurantbesuche, Sport etc. Die Kammermusik hat es aktuell nicht wirklich schwerer als früher, die Nebenaktivitäten haben nur zugenommen, die Konkurrenz also. Und natürlich ist Musik auch heutzutage – man will es nur selten wahrhaben – professionalisiertes Geschäft geworden. Man muss also mit Musik verdienen. Das macht es für die Kammermusik so schwer, da die Veranstalter kaum Geld mit einem kleinen Publikum verdienen können.

Was kann man machen, um die Kammermusik gegen die Konkurrenz so populär zu machen, dass sie mehr Platz in den Konzertkalendern erhält, dass sie häufiger stattfindet, auch in großen Städten, nicht nur in den engagierten kleinen Reihen der zahllosen privaten Veranstalter? Nun, man muss über sie sprechen, muss sie weitertragen, muss sie in den Fokus setzen. Wie sonst kann ein Saal wie die Wigmore Hall bis zu 800 Kammerkonzerte im Jahr erfolgreich verkaufen? Man spricht darüber, man promotet die Aktivitäten. Aber was viel wichtiger ist: Man muss sie ins Bewusstsein derjenigen bringen, die privatwirtschaftlich die Möglichkeit haben, die Kammermusik zu fördern, finanziell zu unterstützen – und halt nicht nur die großen publikumswirksamen Veranstaltungen. Firmen wie BASF und Bayer Leverkusen gehen da mit guten Beispielen voran. Doch was ist mit den Banken, den Automobilfirmen, den anderen Chemieunternehmen und und und. Nur die können in Zukunft für eine lebendige Kammermusikbewegung sorgen. Und sie – finden wir – sind eigentlich dazu verpflichtet, denn sie partizipieren an der kulturellen Entwicklung der Jahrhunderte, aus der sie ihre hochqualifizierten Mitarbeiter rekrutieren.

Dort muss etwas geschehen, vor allem in Zeiten, in denen die öffentlichen Haushalte sich in angespannteren Situationen befinden, als noch vor vielen Jahren …

 

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