Home
Eine besondere Art von Wahrheit
Betreff: Eine besondere Art von Wahrheit
Sendungsdatum: 2012-01-20 11:42:55
Ausgabe #: 7
Inhalt:
newsletter_bg.jpg
 
1

Liebe Kammermusikfreundinnen und -freunde,

 

ist es wirklich so, wie viele immer behaupten, dass die Publikumszahlen gerade im bereich der Kammermusik zurückgehen? Die Statistiken, die existieren, berücksichtigen in der Regel die Zahlen aus großen Städten. Daneben gibt es aber doch weit mehr Konzerte, als dies in den Reihen größerer Städte der Fall ist. Zum einen können die Statistiken vermelden, dass die Konzerte wieder besser besucht sind – also auch in den größeren Städten. Zum anderen kann man – als aufmerksamer Konzertgänger – durchaus beobachten, dass die Konzerte in kleineren Städten und Gemeinden durchaus hervorragend frequentiert werden – zum Teil von einem extrem kenntnisreichen Publikum.

Wo also kommt das Gefühl her, dass es immer weniger Zuhörer werden? Nun, wahrscheinlich liegt dies meist in der Maschinerie der Musikindustrie, die aus früheren Zeiten vollkommen andere Zahlen gewohnt waren, als aufgrund von weniger Angebot und Konkurrenz die Konzerte sich sozusagen selbst verkauften. Aber die Zeiten hatten sich bald geändert, immer mehr Enthusiasten erkannten, dass auch sie Konzerte veranstalten könnten. So pilgerten die Menschen nicht mehr in die Ballungszentren, sondern konnten auch ein Angebot vor ihrer eigenen Haustür wahrnehmen. Dadurch stieg aber nicht die Gesamtbesucherzahl, sondern wurde nur entzerrt.

Lange Jahre gingen aufgrund des immer stärkeren Angebots in den Einzelkonzerten auch die Zahlen zurück, ja. Zudem kamen immer mehr Sommerfestivals hinzu, die sich speziell der Kammermusik widmen (zum Teil auch aufgrund der Größe der vorhandenen Säle). Aber in den letzten Monaten kann man wieder einen Anstieg spüren, so ist meine eigene Beobachtung: Selbst wenn ungewöhnliche Werke auf dem Programm stehen, sind viele Zuhörer im Saal. Woran das liegen mag? Nun, vielleicht erkennen die Menschen wieder verstärkt an, dass da – zum Teil ja junge – Künstler sich aufopfern, um ihnen etwas zu geben, was sie woanders nicht bekommen- eine ganz eigene Wahrheit. Und aufgrund dieser Tatsache fühlt man sich im Konzert wieder zu Hause, wird nicht verunsichert durch Lügen und vordergründige Aussagen, die bei genauerem Hinsehen nicht der Wahrheit entsprechen. Und hier bezeihe ich mich auf die Politik der Verunsicherung sowie auf die immer stärker dem Marketing und der Werbung verpflichteten Industrie. Gut so, denn dann erhält die Musik – und vielleicht gerade die Kammermusik – wieder einen Stellenwert, den sie schon früher einmal hatte. Nur dass es heute dann letztendlich auch mehr Menschen sind, die die Konzerte besuchen.

Die Musik bietet eine Art von Wahrheit, die man heute fast nirgendwo im Leben auf diese direkte Weise mehr erhält. In diesem Sinne: Holen wir sie uns, genießen wir diese Wahrheit und gehen weiterhin in Konzerte.

 

Ihr Ensemble-Team


 

Your Subscription:

 

1