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Leseprobe:

Die Sache mit dem Bogen

Alexander String Quartet spielt Carbon-Bögen


Von: Carsten Dürer

Es ist nicht neu, dass es in der so traditionellen Welt der Streichinstrumente immer noch Weiterentwicklungen gibt. Vor allem was das Material angeht, das möglicherweise das Holz ersetzen kann, hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder viel getan. Bei der Bogenproduktion ist das Material Carbon mittlerweile nicht nur eine Alternative geworden, sondern ein ernst genommener Stoff, mit dem man ebenso qualitativ hochwertige Bögen herstellen kann wie mit Holz. Und schon nach dieser Aussage werden die Meinungen auseinandergehen. Wir trafen uns mit Sandy Wilson, einem der Gründer des Alexander String Quartet, das seit vielen Jahren in San Francisco angesiedelt ist, um uns mit ihm über das Quartettspiel im Allgemeinen und über Carbon-Bögen im Besonderen zu unterhalten.

Seit 25 Jahren spielt das Alexander String Quartet nun unter diesem Namen. Und genau einen Tag bevor wir uns mit dem Cellisten Sandy Wilson treffen, fand vor genau 25 Jahren das Gründungskonzert dieses Quartetts statt. Das ging über das Vierteljahrhundert natürlich nicht ohne personelle Wechsel vonstatten: „Ich denke, dass es kein Quartett gibt, das schon so lange zusammen spielt, das ohne Personalwechsel ausgekommen ist. Außer natürlich dem Guarneri Quartett, das fast 45 Jahre ohne Wechsel ausgekommen ist“, sagt Sandy Wilson. In der momentanen Besetzung mit Zakarias Grafilo und Frederick Lifsitz (Violinen), Paul Yarbrough (Viola) und Sandy Wilson (Cello) spielen die vier Streicher nun seit 5 Jahren zusammen. Geholfen bei der Karriere hat dem Quartett sehr viel das Tokyo String Quartet, hat sie immer wieder angetrieben, damit sie weiterspielen sollten. Ursprünglich formierte sich das Alexander String Quartet in New York City und nur ganz besondere Umstände brachten es nach Kalifornien. Diese Umstände sind aber in jedem Fall so besonders, dass man ein Kammermusikensemble wahnsinnig betitelt hätte, hätten die vier dieses Angebot ausgeschlagen. „Wir unterrichten an der San Francisco State University. Dort leiten wir nun schon seit 17 Jahren das Morrison Chamber Music Center. Dieses Center ist sehr wichtig in den USA und konnte gerade sein 50-jähriges Bestehen feiern. Und vor 17 Jahren hat man erstmalig ein Streichquartett als Vollzeitkraft dort eingeladen zu unterrichten. Und das war auch für uns der Grund, dass wir New York verlassen haben und nach San Francisco gingen“, erklärt Sandy Wilson. Dort unterrichten die vier Streicher in erster Linie Kammermusik, unabhängig vom Instrument: „Es ist ein Degree in Chamber Music Performance, also der Aufführung von Kammermusik. Wir haben also ungefähr 12 Ensembles, die in dieses Programm integriert sind, insgesamt also um die 60 Studenten aller Alterskategorien. Aber man muss sich nun das Ganze nicht als Spezialhochschule vorstellen. Viele unserer Studenten sind hochtalentierte Highschool-Schüler, oder aber einige sind nicht einmal mit dem Hauptfach Musik eingeschrieben.“ Wichtig in diesem Zusammenhang ist es, dass der gesamte Unterricht auf Video festgehalten wird. „Dadurch können wir erkennen, was wie auf der Bühne wirkt, wie es klingt, wie es rüberkommt auf den Zuhörer.“ Immerhin geht es um die Aufführung von Kammermusik in erster Linie, einem nicht unwichtigen Feld. Denn was hilft die klanglich beste Aufführung, wenn die Musiker auf der Bühne nicht mitzureißen verstehen? „Es geht aber nicht nur darum, wie wir mit der Außenwelt kommunizieren, sondern auch darum, wie wir miteinander kommunizieren, wie respektvoll und aufmerksam wir miteinander umgehen.“ Zudem erklärt Sandy Wilson, dass ein wichtiger Faktor der Ausbildung das Erarbeiten von modernen Werken ist. „Die Ensembles erarbeiten dabei Werke von Kompositionsstudenten unserer Universität. Und Sie glauben nicht, wie viel alle dabei lernen.“

Doch damit ist die Arbeit in der Gesellschaft noch nicht getan, das Alexander String Quartet geht auch in zahlreiche weiterführende Schulen, um dort die Instrumentalprogramme zu intensivieren, um die Schüler, die vielleicht noch niemals von klassischer Kammermusik gehört haben, erstmals mit dieser Musik in Kontakt zu bringen. Ein weiteres Standbein seit 20 Jahren ist das Unterrichten an der City State University von New York, einer Business-School. Eine interessante Aufgabe auf allen Ebenen. Und das, obwohl das Quartett extrem viel reist. „Wir sind in der Regel bis zu fünfeinhalb Monaten von zu Hause weg“, erklärt Wilson die intensive Konzerttätigkeit des Streichquartetts. „Und das, obwohl wir gemeinsam insgesamt sechs Kinder haben“, lacht er und meint es aber ernst, wenn er fortfährt: „Und wir müssen ja auch an unsere Familien denken.“ Dass das Quartett komplette Zyklen schätzt, kann man an mehreren Dingen ablesen. In diesem Jahr wird das Alexander String Quartet gleich drei Mal sämtliche Streichquartette von Dmitri Schostakowitsch zyklisch aufführen – selbstredend aus Anlass des 100. Geburtstages dieses Komponisten. In Deutschland hat vor allem die Gesamteinspielung aller Beethoven-Streichquartette vor einigen Jahren bei Arte Nova Furore gemacht.

Die Bogenwahl

Vor einiger Zeit inserierte das Unternehmen Arcus damit, dass das Alexander String Quartet Carbon-Bögen von Arcus spielt. Das klang nach abgesprochener Unterstützung, nach einem geschäftlichen Deal.

Physische Probleme hatte Sandy Wilson niemals, auch seine Kollegen nicht – und er gibt zu, dass man darüber sehr glücklich sein könne. Dies also war in keinem Fall der Grund, warum man auf Arcus-Bögen aufmerksam wurde oder umgestiegen ist. „Und das, obwohl wir sehr intensiv proben und spielen, jeden Tag. Aber wir überdosieren es halt nicht.“ Das Ganze stellt sich als recht einfach heraus: „Vor vier Jahren besuchte ich unseren Geigenbauer hier in San Francisco. Wir standen gerade davor, Aufnahmen zu machen. Und ich wollte meinen Bogen richten lassen. Also nahm ich einen Arcus-Bogen mit über das Wochenende. Er wusste genau, dass ich bereits für etliche Jahre einen synthetischen Bogen benutzt hatte. Einen aus amerikanischer Herstellung. Und ich überlegte mir, ob ich einen weiteren von diesem Michael Duff, einem Australier, kaufen sollte. Und mein Geigenbauer sagte mir, ich solle doch einmal den Bogen von Arcus ausprobieren.“ Gesagt, getan. Und Wilson war recht begeistert, ging zurück zu dem Geigenbauer und sagte: „Es wäre doch toll, wenn wir auch weitere Bögen und andere zur Auswahl für meine Kollegen bekommen könnten. Denn ich war begeistert, da ich niemals etwas Vergleichbares gespielt hatte: Der Bogen ist sehr leicht, spricht enorm schnell und leicht an, aber überträgt auch die Kraft sehr gut auf die Saiten. Der Klang wird dadurch rund und kraftvoll, das mochte ich.“ Das verblüffende Ergebnis: Der Geigenbauer nahm Kontakt zu dem amerikanischen Importeur auf und fragte nach einer Auswahl von Bögen für das Quartett. Genau zu dieser Zeit nahm das Alexander String Quartet im brandneuen Mondavi Arts Centre, in der Jackson Hall, Werke von Ravel und Bartók auf. „Und genau zu diesem Zeitpunkt, als wir eigentlich mit den Aufnahmen fertig waren, traf eine Auswahl von 18 unterschiedlichen Arcus-Bögen ein. Es war wie Disney-Land. Wir hatten immer noch das Setup mit allem Aufnahme-Equipment stehen. Und so begannen wir zu experimentieren, wie die Bögen im Spiel und im Vergleich mit unseren Holzbögen klingen. Und schon sehr bald waren wir überzeugt, dass dieses Spiel mit den Arcus-Carbonbögen etwas ist, was wir intensiver ausprobieren sollten. Ich war sehr bald komplett überzeugt. Mein Bratschen-Kollege war der Nächste. Und die Geiger. Nun, die sagten: Ach weißt du, ich liebe meinen französischen Bogen. Gib noch einmal her, das klingt irgendwie sehr gut mit dem Bogen. Und so ging es hin und her, bis wir uns alle entschlossen, einen Arcus-Bogen zu kaufen. Und ich erwähne es deutlich: Wir haben alle einen Bogen gekauft und nicht geschenkt bekommen, weil wir Endorser sind.“ Und mittlerweile spielen auch etliche Studenten von Wilson einen Arcus-Bogen. Warum? Nun, nicht weil er sie zum Kauf ermutigt. Aber sie fragen, was er für einen Bogen spiele und nachdem sie ihn ausprobiert haben, sind sie überzeugt.

„Eines muss ich noch sagen: Wir sind recht bekannt dafür, sehr lange und große Programme zu spielen“, erklärt Wilson. „Und mit den Arcus-Bögen hat man auch nach einem gesamten Abend mit drei oder vier Beethoven-Quartetten das Gefühl, als habe man erst die Hälfte des Programms gespielt.“ Dem stimmen alle anderen drei Mitglieder absolut zu. Es ist schon sehr speziell, dass alle vier Mitglieder eines Quartetts sich von den Produkten einer Firma überzeugen ließen, oder nicht? „Deshalb habe ich so hervorgehoben, dass wir alle vier die Bögen gekauft haben“, lacht Wilson. „Ich war selbst überrascht, dass alle sagten: Ja, du hast Recht. Wissen Sie, wenn Sie ein wenig über Streichquartette wissen, dann ist es das: Man gibt nur ungern zu, dass der andere die Idee zu etwas hatte, von dem man dann selbst irgendwann überzeugt ist.“ Wilson meint dies wohl zum einen wirklich ernst, muss aber selbst grinsen, da dies wohl zu einer der Binsenweisheiten gehört, die man sich über das Zusammenleben im Streichquartett erzählt.

Dass die Vibrationen des Bogens, laut Aussage von Arcus, anders sind als bei Holzbögen und daher auch die Anregung und Entzündung bzw. Ermüdung von Armen und Gelenken eine geringere ist, hat Wilson erst vor kurzem erfahren. Er hat damit keinerlei Erfahrungen, sagt aber: „Die Verletzungsgefahr bei einem Beruf, den man so intensiv betreibt wie den unseren, ist sehr groß. Und zum anderen hängt vieles auch von falschen Gewohnheiten ab, denn vieles, was wir tun, ist niemals richtig gelehrt worden.“ Und hier kommt dann auch die pädagogische Bedeutung wieder zum Zuge: „Ich sehe eine der wichtigsten pädagogischen Aufgaben darin, eine falsche Körperhaltung oder eine falsche Gewohnheit, die zu Problemen führen könnte, sofort zu korrigieren“, sagt Sandy Wilson, „und vielleicht ist es wahr, dass die Bögen von Arcus das Risiko in vielerlei Hinsicht verringern. Aber bei uns hat es wirklich etwas mit dem Klang und der Art und Weise, wie sich die Bögen spielen lassen, zu tun.“

Er weist darauf hin, dass keines der Quartettmitglieder seine Holzbögen verkauft hat, aber jeder fast ausschließlich den Arcus-Bogen spielt. „Und die meisten von uns denken daran, einen weiteren Bogen von Arcus zu kaufen, da es nun schon wieder neue interessante Modelle gibt.“ Das Einzige, was er zugibt, ist, dass trotz der recht großen Anzahl an guten Geigenbauern und Bogenmachern im Umkreis von San Francisco, Arcus selbst am besten die Bögen mit neuen Haaren versieht. „Und es macht einen immens großen Unterschied, wie der Bogen sich beim Spiel verhält“, sagt Wilson. Bei aller Begeisterung für die Arcus-Bögen und für die intensive Arbeit von Firmenmitinhaber Bernd Müsing weist der Cellist des Alexander String Quartet nochmals darauf hin, dass man vielleicht gar nicht so viel über die Bögen und ihre Vorteile räsonieren sollte: „Ich denke, die Bögen sprechen für sich selbst“, sagt er deutlich. Aber wie kann man andere Musiker von der Qualität überzeugen, wenn diese die neue Technologie grundsätzlich ablehnen? „Diese Musiker sind halt sehr konventionell“, sagt Wilson, weiß aber auch gleich ein Beispiel für die richtige Art der Heranführung: „Letzten Sommer hatten wir hier in Kalifornien ein Programm, zu dem wir unter anderem das Stamitz Quartett aus Prag eingeladen hatten, um mit uns gemeinsam Studenten zu unterrichten. Ich hatte für den Cellisten ein Cello zum Spiel arrangiert und auch einen Bogen, einen Arcus-Bogen. Und er sagte sofort: Oh, was ist das für ein Bogen, der ist vollkommen anders – lass ihn mich noch einmal probieren. Und alle im Quartett waren plötzlich sehr interessiert an diesen Bögen. Ich weiß nicht, ob sie sie schon haben, aber immerhin haben sie sich sehr interessiert gezeigt.“ Dennoch macht er nochmals deutlich, dass er nicht der Promoter dieser Bögen sein will, sondern dass er einfach der Meinung ist, dass diese Bögen eine wunderbare Entwicklung innerhalb der Instrumentenhistorie darstellen. Und er weist noch auf etwas ganz anderes hin: „Wissen Sie, am Ende des Tages zählt auch – und gerade in der Kammermusik – das ökonomische Element. Und da sind diese Bögen natürlich auch sehr interessant.“

www.asq4.com

www.arcus-bow.de

 
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