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Leseprobe:

Beständige Veränderungen

Meta4

Von: Carsten Dürer

Als ich das finnische Streichquartett Meta4 2005 in Hannover bei einer der ersten Sessionen der ECMA (European Chamber Music Academy) hörte, erkannte ich gleich, dass sich da ein wirklich interessantes Streichquartett entwickelt. Noch klang alles etwas unausgegoren, aber mit viel Feuer und großer Lust am Spiel von Kammermusik. Ein Jahr später hatte sich dieses Streichquartett schon immens weiterentwickelt und ließ auf eine spannende junge Formation für die Zukunft hoffen und so ergab der Name damals schon Sinn, der sich eindeutig auf die Metamorphose bezieht. Seither hat sich dieses Streichquartett weiter etabliert, spielte mittlerweile in fast allen wichtigen Sälen der Welt. Es ist etwas Besonderes geblieben, dieses Meta4 Quartett. Und es ist wohl das erste feste Streichquartett aus Finnland, das international Karriere macht. Wir trafen die vier jungen Streicher (Antti Tikkanen, Violine, Minna Pensola, Violine, Atte Kilpelainen, Viola, Tomas Djupsjöbacka, Cello) nach einem Konzert im Zeughaus Neuss, wo sie Haydns Streichquartett Op. 76 Nr. 3, Henri Dutilleux’ Quartett „Ainsi la nuit“ und Beethovens letzte Komposition, das Streichquartett Op. 135, präsentieren.
Ensemble: Sie alle vier studierten ja in Helsinki, an der renommierten Sibelius Akademie. Aber Sie waren damals noch kein Streichquartett, richtig?

Antti Tikkanen: Nein, an der Sibelius Akademie haben wir nicht einmal Quartett gespielt, wir haben uns alle um unsere eigenen Studien gekümmert. Wir kannten uns allerdings schon.

Minna Pensola: Und wir haben auch schon teilweise miteinander gespielt. Allerdings nicht in dieser heutigen Formation, in einem Klaviertrio oder Duo.

Antti Tikkanen: Erst nachdem wir Hatto Beyerle getroffen hatten, begannen wir Streichquartett zu spielen.

Ensemble: Wo war das, wo haben Sie Hatto Beyerle getroffen?

Antti Tikkanen: In Italien, in der Academia Fiesola bei einem Meisterkurs.

Ensemble: Aber Sie gingen als Quartett dorthin, richtig?

Minna Pensola: Nun, wir wurden dorthin geschickt, um es genauer zu sagen. Es gab einen Professor an der Sibelius Akademie, der ein Festival hat. Er wollte, dass ein italienisches Streichquartett, das Quartetto die Cremona, in seinem Festival spielt. Aufgrund bestimmter Kontakte ergab es sich, dass, wenn er das junge italienische Streichquartett dorthin holen würde, er dann auch ein finnisches Streichquartett nach Italien senden könnte.

Ensemble: So waren Sie ein Teil eines Geschäftes?

Tomas Djupsjöbacka: Irgendwie ja, ohne es zu wissen.

Minna Pensola: Man sagte uns, dass es dort diesen Kurs gäbe, der großartig sei, und wir dachten, nun gut, warum nicht.

Tomas Djupsjöbacka: Wir lebten zu dieser Zeit alle außerhalb Finnlands, so dass es für uns eh nicht so weit war.

Minna Pensola: Ja, wir lebten in der Schweiz und in Deutschland, so war es für uns keine große Sache, dorthin zu reisen.

Ensemble: So hat dieser Professor Sie also ausgewählt und letztendlich zu einem Streichquartett formiert?

Tomas Djupsjöbacka: Nein, wir hatten schon einige Konzerte gespielt. Wir hatten allerdings nie als ein Streichquartett studiert.

Antti Tikkanen: Wir hatten zwei Konzerte gespielt, als ein Festivalensemble sozusagen. Wir wurden gefragt, ob wir in einem Festival ein Konzert spielen würden, und ein Jahr später fragte man uns wieder.

Minna Pensola: Aber offiziell startete die Quartettarbeit mit Hatto Beyerle.

Ensemble: War Kammermusik zu spielen denn im Studium obligatorisch?

Antti Tikkanen: Ja, es wurde auch sehr stark empfohlen, Kammermusik zu spielen.

Atte Kilpelainen: Aber es war egal, welche Besetzung, es hätte alles sein können.

Minna Pensola: Ja, also es waren auch Duo oder Trios mit einer Prüfung, was bedeutete, dass man etwas einstudierte und ein Professor dann sagte: Das ist wirklich gut. [sie grinst]

Antti Tikkanen: Ich hatte sogar ein Trio mit Akkordeon und Cello und wir haben sogar einen Wettbewerb gewonnen. [er lächelt]

Ensemble: In welcher Kategorie …
Atte Kilpelainen: … In der Kategorie „Freak Show“. [alle lachen]

Ensemble: Wie stellte sich die Kammermusikszene insgesamt in Finnland dar, als Sie noch studierten?

Antti Tikkanen: Ich denke, es gab einen großen Aufschwung von Mitte der 90er Jahre bis zum Anfang des neuen Jahrtausends. Und dann gab es natürlich immer die vielen Festivals für Kammermusik, die in Finnland die größte Bedeutung für Kammermusik haben.

Minna Pensola: Ich denke, dass die Kammermusikszene absolut einzigartig ist in Finnland, vor allem im Vergleich mit anderen Ländern in Europa. Man kann nicht sagen, dass es dort keine gibt, denn es gibt 150 Festivals, von denen sich 80 mit klassischer Musik beschäftigen und die meisten Kammermusik pflegen. Aber im Winter gibt es fast nichts, da die Festivals alle im Sommer stattfinden. Es gibt aber nur ein oder zwei Kammermusik-Serien, die während der Wintermonate die Kammermusik aufrecht-erhalten. Aber die Kammermusikszene ist instabil. Auch während der Studienzeit. Man spielt für ein Konzert mit einem Akkordeon, in der kommenden Woche eines mit einer Flöte. Es wird also insgesamt schon stark unterstützt, Kammermusik zu spielen, aber es gibt einfach keine Kultur für feste Ensembles. Vielleicht da es niemals eine Kammermusikgruppe gab, die allein von der Kammermusik leben konnte.
Wir sind eigentlich die Ersten, die in einer festen Formation spielen und davon leben. Das klingt etwas lächerlich, da wir ja noch wirklich am Anfang stehen.

Ensemble: Hat dieses Fehlen von festen Ensembles auch etwas damit zu tun, dass es keine wirklich starken Lehrer für Kammermusik gibt?

Tomas Djupsjöbacka: Ja, in jedem Fall. Es gibt eine starke Tradition für das Unterrichten, aber nicht speziell für Streichquartett-Unterricht …

Antti Tikkanen: … da es halt keine professionellen oder festen Streichquartette gibt …

Minna Pensola: … da es keine Lehrer gibt. Es ist ein sich gegenseitig bedingendes Problem. Daher wollen wir wirklich herausstellen, dass für uns alles mit Hatto Beyerle begann. Es war etwas komplett anderes, was wir da erfuhren. Wir hatten niemals daran gedacht, Streichquartett so zu sehen und so zu spielen, wie er es uns präsentierte.

Ensemble: Hatto Beyerle war also derjenige, der Sie motivierte, als Streichquartett zusammenzubleiben?

Antti Tikkanen: Ja, er sagte uns, dass er zwar genug zu tun hätte, aber dass wir zu ihm nach Basel kommen könnten, wenn wir wollten. Und um dann zu sehen, was passiert, wenn wir wirklich intensiv miteinander arbeiten.

Minna Pensola: Es lag nicht nur daran, dass er ein großartiger Lehrer ist, sondern auch daran, dass er unsere Augen für die internationale Geschichte und Hintergründe dieser Kunstform Streichquartett öffnete. Das war für uns das Wichtigste, denn wenn wir nur unsere finnische Sichtweise behalten hätten, wäre es niemals möglich gewesen, da wir ja nicht daran geglaubt hätten, dass es überhaupt möglich ist, als Streichquartett zu überleben.

Ensemble: Bis zur Gründung des Quartetts: Wie dachten Sie, dass Ihre Weiterentwicklung verlaufen sollte, welche Art von Beruf Sie ergreifen könnten?

Minna Pensola: Wir waren ja noch in unserem Studium, so dass jeder von uns nur daran dachte, instrumentenspezifisch besser zu werden.

Ensemble: Aber das Haupttätigkeitsfeld wäre ein Orchester für Sie gewesen?

Minna Pensola: Das weiß man nicht, da wir keine wirklichen Planer unserer Karrieren sind. [sie lächelt und alle nicken]

Atte Kilpelainen: Ich bin in einem Orchester gelandet. Ich war auch nicht Teil der Geschichte, die die anderen gerade beschrieben haben, da ich erst 2006 zum Quartett hinzukam.

Antti Tikkanen: Ich denke, dass Sie uns noch in der alten Besetzung gehört haben, als Sie uns 2005 in Hannover hörten, da spielte noch Erika die Bratsche.

Ensemble: Und wie haben Sie dann Atte Kilpelainen gefunden?

Tomas Djupsjöbacka: Wir kannten einander schon.

Antti Tikkanen: Wir beide hatten während des Studiums schon miteinander gespielt. Es gab zu diesem Zeitpunkt im Sommer eine große Dringlichkeit, eine Entscheidung zu treffen. Wir riefen ihn also an und fragten, ob er mitmachen wollte. Er beendete seinen Urlaub für uns eher und ließ sich darauf ein, zu sehen, ob es mit uns eine Zukunft gäbe.

Ensemble: Gab es denn wirklich einen Zeitpunkt, als Sie für sich selbst entschieden, dass Sie als Streichquartett zusammenbleiben wollen?

Atte Kilpelainen: Die anderen mussten genau durch diesen Entscheidungsprozess gehen, bevor ich kam.

Antti Tikkanen: Nun, als du kamst, mussten wir anderen drei sicher sein, dass wir weitermachen wollen, da wir niemanden in die Gruppe holen wollten, ohne sicher zu sein, wirklich weiter als Quartett zu spielen.

Atte Kilpelainen: Für mich war das natürlich wichtig. Ich hatte gerade erst für eine Saison meine neue Stelle im Orchester angetreten und sollte nun fragen, ob ich ein Jahr Pause machen könnte. Es musste also einen wichtigen und seriösen Grund geben.
Antti Tikkanen: Zu diesem Zeitpunkt mussten wir diese Entscheidung treffen, auch da wir einige wichtige Konzerte in wichtigen internationalen Sälen zu spielen hatten.

Ensemble: Kamen diese internationalen Kontakte auch durch die ECMA zustande?

Antti Tikkanen: Einige schon, andere nicht. So wurden wir beispielsweise von anderer Seite für die Wigmore Hall empfohlen.

Ensemble: War die zweijährige ECMA-Phase ein wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung?

Tomas Djupsjöbacka: In Bezug auf den Lernprozess in jedem Fall.

Antti Tikkanen: Und dann konnten wir unsere ECMA-Phase ja noch um ein Jahr verlängern, da wir mit Atte ein neues Mitglied erhalten hatten.

Ensemble: In Ihrer Biografie erwähnen Sie von der ECMA neben Hatto Beyerle vor allem auch Johannes Meissl. Was ist mit all den anderen Lehrern?

Tomas Djupsjöbacka: Die anderen waren auch wichtig, aber waren in Bezug auf die beiden genannten so etwas wie Gewürze in einem Essen. Mit Beyerle und Meissl arbeiteten wir einfach auch in Bezug auf die Quantität weitaus mehr als mit allen anderen.

Minna Pensola: Zudem haben wir zu diesen beiden eine auch persönlich viel engere Beziehung entwickelt, so etwas wie eine Freundschaft. Auch auf dieser Tour jetzt werden wir Hatto Beyerle besuchen.

Ensemble: Ist es nicht so, dass Sie erst jetzt, in einer Zeit, in der Sie regelmäßig auftreten, die Dinge, die Sie bei der ECMA lernten, überhaupt erst verarbeiten können?

Das vollständige Interview lesen Sie in der Ausgabe 6-2011 von ENSEMBLE.

www.meta4.fi
 
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