3 / 2012 PDF Drucken E-Mail

Image Ausgabe 3 / 2012

  Inhalt

 

bestellen  


ePaper

 

 

Leseprobe:

Nachdenklich mit Beethoven

Elias String Quartet

Von: Carsten Dürer

Es gab eine Zeit vor dem heute bekannten Namen Elias String Quartet für dieses aus England stammende Ensemble. Bereits 1998 schlossen sich vier Studenten des Royal Northern College of Music in Manchester zusammen, um Streichquartett zu spielen. Nach mehreren Wechseln sind die zwei Schwestern Sara und Marie Bitlloch (Violine und Cello) und die zwei Streicher Donald Grant (Violine) und Martin Saving (Viola) seit 2003 nun als Elias String Quartet unterwegs, um den Menschen ihre Kunst näherzubringen. Anfang des Jahres konzertierten sie in den Niederlanden, wo wir das Quartett vor einem Konzert in Eindhoven trafen.
Alle vier sind noch ein wenig erschlagen von den Strapazen des vorangegangenen Reisetags. Wieder einmal waren aufgrund von Kälte und Schnee – wie schon 2011 – zahlreiche Flüge von London abgesagt worden und so mussten die vier Streicher kurzerhand umsatteln und mit dem Eurostar nach Brüssel und von dort aus nach Rotterdam, um schließlich spät in Eindhoven einzutreffen. Sie sind jünger, als man denkt, wenn man die Fotos sieht und die Wegstrecke bedenkt, die diese vier schon zusammen gegangen sind.

Anfänge

Aber wie war das eigentlich am Anfang im Jahr 1998, als sich vier Studenten unter dem Namen Johnston String Quartet zusammenschlossen, um am Royal Northern College Kammermusik zu machen? Wer war damals schon dabei? „Donald und ich waren damals dabei, mit zwei anderen“, erklärt Cellistin Marie Bitlloch. Immerhin vier Jahre hatte man sich unter dem damaligen Abteilungsleiter für Kammermusik, Christopher Rowland, mit der Streichquartett-Literatur beschäftigt. „Er war es auch, der uns überhaupt an diese Besetzung Streichquartett herangeführt hat. Allerdings hatte dieses College auch eine große Tradition, dass die Studenten Kammermusik spielten.“ Donald Grant war speziell aufgrund der starken Kammermusik-Abteilung gezielt nach Manchester an diese Ausbildungseinrichtung gegangen, sagt er. „Ich habe es erst vor Ort erfahren, dass alle Studenten dort Kammermusik spielten“, meint Marie Bitlloch, „eigentlich war ich wegen Ralph Kirshbaum nach Manchester gekommen.“ Doch schnell war auch ihre Liebe für das Streichquartettspiel entbrannt. Warum hatte man sich zuerst Johnston String Quartet genannt? „Das war einfach nach dem ersten Geiger geschehen, also keine große, sondern eine einfache Entscheidung“, lächelt Donald Grant.
Christopher Rowland war es dann auch, der die Ursprungsmitglieder überzeugen konnte, den Weg eines professionellen Streichquartetts zu gehen. „Zu dieser Zeit kamen dann Martin und Sara zu uns“, sagt Marie Bitlloch. Wie sahen die Erfahrungen der beiden neuen Mitglieder im Bereich Streichquartett aus? Immerhin stießen sie auf zwei andere Musiker, die schon eine Menge Erfahrung erarbeitet hatten. „Ich hatte bereits für zwei Jahre in einem professionellen Quartett in Paris gespielt“, sagt Sara Bitlloch, „aber dort war ich nicht so glücklich … Als mich die beiden dann fragten, war ich sofort bereit zu wechseln. Aber es war schon eine große Erfahrung, diese zwei Jahre in Paris, da ich immer schon Quartett spielen wollte.“ Martin Saving kommt von einem anderen Hintergrund: „Ich habe in einer auf Kammermusik spezialisierten Schule in Schweden studiert, so haben wir sehr viel Kammermusik und kaum Orchestermusik gespielt. Ich hatte damals ein Streichtrio und nur einige Erfahrung mit dem Streichquartettspiel.“
Zu diesem Zeitpunkt, als die anderen zwei Mitglieder zum Quartett hinzustießen, entschied man sich auch, den Namen auf Elias String Quartet zu ändern: „Es war früh genug, da wir ja gerade erst als richtiges Streichquartett zu arbeiten begannen“, meint Donald Grant. Aber warum „Elias“, wegen des Propheten aus der Bibel, oder wegen Mendelssohns großartigem Oratorium auf diesen Propheten? Sie lächeln und Marie Bitlloch sagt: „Es hat mehr mit Mendelssohn zu tun.“ Zudem hatte man sich nicht für den englischsprachigen Namen „Elija“ entschieden, da man dachte, dass die Schreibweise „Elias“ internationaler wirkt.

Große Schritte vorwärts

2003 war dann eine weitere Wendung in Richtung Professionalität, denn das Elias String Quartet nahm an einigen Wettbewerben teil. „Es waren drei Jahre, zwischen 2003 und 2005, die wir an Wettbewerben teilnahmen, einige funktionierten, andere nicht“, lächelt Marie Bitlloch. Allerdings hat das Quartett niemals einen der ganz großen internationalen Wettbewerbe gewonnen. Wie also funktionierte es zu Beginn, überhaupt Konzerte zu bekommen? Sara Bitlloch: „Wir hatten sehr viel Glück, dass wir eine Residency in Sheffield [Süd-Yorkshire, Anm. der Redaktion] erhielten. 2005 wurden wir dorthin eingeladen, was bedeutete, dass wir etliche Konzerte dort spielen konnten. Nicht nur als Quartett, sondern es war eine ganze Gruppe von Musikern, auch Bläser und Pianisten. Es war in vielerlei Hinsicht wunderbar, da wir unterschiedlichste Erfahrungen sammeln konnten und die gesamte Zeit an einem Ort zusammen waren. Warum wir überhaupt Sheffield verließen, war, dass wir nicht genug Zeit hatten, uns nur auf das Quartett zu konzentrieren.“ Donald Grant fügt hinzu: „Wir sammelten einfach auch wahnsinnig viel Konzerterfahrungen, da wir leicht mehr als 100 Konzerte im Jahr spielten.“ Zudem kam man über diese Residency auch an einen Agenten, der das Quartett zu vertreten begann. Das hilft natürlich. Vier Jahre dauerte diese Erfahrungszeit.
Während das Elias String Quartet bei Christopher Rowland studierte, welches Repertoire erarbeitete man dort? Alles, vom Anfang bis in die Moderne? „Nein, modernes Repertoire ist eigentlich erst recht neu für das Quartett“, erklärt Martin Saving, „also das Repertoire des 20. Jahrhunderts.“ „Es hat auch viel mit den Orten zu tun, an denen man spielt“, meint Marie Bitlloch, „wenn man in kleineren Orten in England spielt, dann will man da keine moderne Musik hören. Ich erinnere mich, als wir einmal Dutilleux spielten, mussten wir richtig beim Veranstalter dafür kämpfen, da man befürchtete, dass keine Zuhörer kommen würden.“ Das Quartett spielt allerdings mittlerweile in bekannteren und größeren Veranstaltungsorten, wo auch neues Repertoire kein Problem ist: „Wir haben sogar einige Auftragswerke uraufgeführt“, sagt Marie Bitlloch. „Aber auch mit Bartók hatten wir die Probleme, als wir ihn das erste Mal programmieren wollten“, fügt sie hinzu.
Die Einspielung der Mendelssohn-Quartette war dann im Jahr 2006 ein weiterer wichtiger Schritt für das Quartett, da die Einspielung viele gute Kritiken erhielt. Konnte man das spüren, auch an der Anzahl der Konzerte? Hat es geholfen? Alle vier denken nach … „Ich denke, es hat uns schon geholfen“, meint Donald Grant. Marie Bitlloch ist sich nicht sicher: „Unser Agent wüsste es wohl besser, da er weiß, wie viel besser er uns verkaufen konnte“, sagt sie lächelnd. „Was uns wirklich geholfen hat, war der BBC Radio 3-New Generation Artists-Award“, sagt klar und deutlich Sara Bitlloch. „Wir begannen da regelmäßig im Radio zu spielen.“ „Ich denke, es waren mehrere Dinge gleichzeitig. Neben dem BBC-Music Award erhielten wir den Borletti Buitoni Trust-Award … alles kam zusammen“, meint Donald Grant in der Rückschau. „Und es war zeitgleich, dass wir die Residency in Sheffield aufgaben, so dass wir alle Zeit nur auf das Streichquartett konzentrieren konnten. Alles passierte zum richtigen Zeitpunkt.“ Der BBC-Music-Award ist sicherlich wichtig, aber vor allem für die Karriere in Großbritannien, richtig? „Ja, aber das New-Generation-Programm dahinter brachte uns zwei Jahre lang ins Radio“, meint Sara Bittloch überzeugt von dem Karrieresprung. Natürlich, aber letztendlich dennoch nur für Großbritannien, während der Borletti Buitoni Trust-Award ja ein frei verfügbarer Preis ist, mit dem man Projekte durchführen kann, die einen auch international voranbringen können.

Das Beethoven-Projekt

Mit diesem Borletti Buitoni Trust-Award ist das Elias String Quartet nun ein ganz bestimmtes Projekt angegangen: die zyklische Aufführung aller Beethoven-Streichquartette. Unter dem Namen „The Beethoven-Project“ wird man alle Quartette des Wiener Meisters hören. Wann geht es los? „Wir spielen natürlich schon immer viel Beethoven-Quartett, aber der gesamte Zyklus beginnt im November dieses Jahres“, konstatiert Donald Grant. Wie viele Konzerte sind es und wie ist dieses Beethoven-Projekt aufgebaut? „Wir spielen sechs Programme, also sechs Konzerte“, erklärt Sara Bitlloch, „wir haben zudem mehrere Formate, aber die meisten dauern über zwei Jahre, so dass es wirklich weit auseinander liegt. Das heißt aber auch, dass wir jedes Programm sechs oder sieben Mal an unterschiedlichen Orten spielen können. Zudem kommt noch das Festival in Brighton hinzu, wo der Zyklus über zwei Festivals andauern wird, so dass wir dort jeweils drei Konzerte in zwei Monaten spielen werden. Momentan ist es jedenfalls nicht geplant, dass wir alle Beethoven-Quartette am Stück in unterschiedlichen Konzerten spielen“, lacht sie und fügt zwinkernd hinzu: „Vielleicht in der nächsten Runde mit einem Zyklus dieser Quartette in der Zukunft.“ Natürlich, so Donald Grant, erklärt das Quartett jedem, der es hören möchte, wie glücklich man sich schätzt, dass man den ersten Beethoven-Zyklus spielen kann: „Ich denke, es ist ein Traum der meisten Streichquartette, diese Chance zu haben und vor allem den Zyklus so zu gestalten, wie man es sich selbst wünscht. Wir können also die Veranstalter ansprechen und ihnen sagen: Das ist, was wir euch anbieten können, wollt ihr es haben? Andersherum wäre es natürlich auch möglich, und sicherlich hätten wir nicht nein gesagt, wenn jemand uns vorgeschlagen hätte, alle Beethoven-Quartette in 10 Tagen zu spielen – das wäre zu verführerisch gewesen. Aber auf diese Art haben wir genügend Zeit für jedes einzelne Werk, es einzustudieren, es eine Weile liegen zu lassen, um dann zu ihm zurückzukehren.“ Haben die vier bereits alle Quartette einstudiert? Sie verneinen, es sind immer noch sechs, die man einstudieren müsse.

Das gesamte Gespräch lesen Sie in Ausgabe 3-2012 von ENSEMBLE.
 
< zurück   weiter >