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Leseprobe:

Glück für die Entwicklung

Trio con Brio Copenhagen

Von: Carsten Dürer

Als sich die beiden koreanischen Schwestern Soo-Jin Hong (Violine) und Soo-Kyung Hong (Cello) 1999 mit dem dänischen Pianisten Jens Elvejaer zum Klaviertrio Trio con Brio Copenhagen zusammengeschlossen haben, waren sie noch Studenten an der Hochschule für Musik in Wien. Keiner der drei ahnte zu diesem Zeitpunkt den Erfolg, den dieses Trio innerhalb von nur drei Jahren erreichen würde. Zwar hat das Trio erst eine CD bei einem kleinen dänischen Label mit den Mendelssohn-Trios vorgelegt, aber das liegt ganz einfach daran, dass dieses Ensemble zu beschäftigt mit Konzerten ist, um sich die Zeit für eine CD-Einspielung zu nehmen. Ein Glücksfall, aber auch das Resultat der Lust auf das Klaviertrio-Spiel. Wir trafen die drei sympathischen Musiker und sprachen mit ihnen über die Entwicklung und ihre Ansichten zum Triospiel.
Alle drei Mitglieder des Trios wirken entspannt. Zwar haben sie am Vorabend ein Konzert mit Werken von Haydn, Brahms’ c-Moll-Trio und Dvoráks „Dumky“-Trio gespielt, doch hatten sie die Möglichkeit, am Tag unseres Treffens auszuschlafen und ausgiebig zu frühstücken. Entsprechend locker ist die Atmosphäre. Schnell kommen wir auf ihre Ausbildung zu sprechen.

Die Anfänge

Ensemble: Sie haben sich ja 1999 zum Trio zusammengeschlossen, in Wien. Ich nehme an, dass dies im Rahmen Ihres Studiums war?

Soo-Jin Hong: Ja, allerdings hatten wir da schon acht Jahre Studium hinter uns …

Soo-Kyung Hong: Wir sind 1991 nach Wien gekommen und Jens 1993. Und obwohl Wien in Bezug auf das musikalische Leben eine recht kleine Stadt ist, habe ich Jens erst 1997 kennen gelernt. Und so haben wir zu Beginn erst sehr viel im Duo gespielt. Jens wollte aber immer schon gerne ein Klaviertrio gründen. Und so haben wir einfach mit Soo-Jin ernsthaft 1999 angefangen. Und schnell Erfolge bei Wettbewerben gehabt und Konzerte bekommen.

Ensemble: Aber Sie beide hatten als Schwestern schon Kammermusik zusammen gespielt, oder?

Soo-Jin Hong: Als wir noch sehr jung waren, haben wir mit unserer anderen Schwester sogar schon Klaviertrio gespielt. Überhaupt haben wir natürlich sehr viel Musik zu Hause gemacht.

Ensemble: Die Ausbildung in Wien war aber ein Solistenstudium?

Soo-Kyung Hong: Ja, bis wir das Trio gegründet haben.

Jens Elvejaer: Als wir beide, Soo-Kyung und ich uns kennen gelernt haben – heute sind wir ja verheiratet – spielten wir halt viel zusammen, aber dann war es eine sehr natürliche Entwicklung zum Klaviertrio mit Soo-Jin.

Ensemble: Haben Sie, Herr Elvejaer und Soo-Jin Hong, auch im Duo gespielt?

Jens Elvejaer: Ja, das ist ja auch das Natürliche gewesen. Und das ist ja auch das Natürliche innerhalb eines Ensembles, dass man flexibel spielen kann, nicht nur Duo-Sonaten, sondern auch Trio. Soo-Jin und Soo-Kyung spielen dann auch manches Mal das Martinu-Duo. Und das ist so spannend, dass es nicht nur die feste Ensemblestruktur gibt, da es in der Musik ja auch immer wechselhaft ist.

Ensemble: Mischen Sie denn auch Programme mit Duo-Sonaten und Trios?

Jens Elvejaer: Ja, wenn wir ganze Serien spielen, in denen wir einen Komponisten oder eine Epoche beleuchten, dann mischen wir das schon.
Ensemble: Aber das kommt doch eher selten vor, dass man als Klaviertrio Serien spielen kann, oder?

Soo-Kyung Hong: Wir hatten das schon häufiger, als Artists in Residence. In Dänemark im Rundturm, wo wir fünf Konzerte in einer Saison spielten. Da war alles gemischt, vom Solospiel bis zum Klavierquartett mit einem Bratscher zusammen.

Jens Elvejaer: Auch in Festivals kommt das vor.

Soo-Jin Hong: Wenn wir auf Tour sind, dann spielen wir aber nur im Trio.

Ensemble: Dann sind Sie alle drei nach Köln gegangen?

Soo-Kyung Hong: Nun, das war so, dass ich eigentlich nach Köln gegangen bin, um bei Frans Helmersson Konzertexamen zu machen. Dann kam Soo-Jin, um ebenfalls in Köln ihr Konzertexamen abzulegen. Dann wollten wir als Ensemble beim Alban Berg Quartett ein Aufbaustudium in Kammermusik machen. Und so haben wir es dann auch gemacht. Und das war einfach fantastisch, wir haben fast vier Jahre bei ihnen studiert.

Jens Elvejaer: Ich hatte da mein Studium allerdings schon abgeschlossen, in Wien bei Leonid Brumberg und in Salzburg bei Karlheinz Kämmerling.

Ensemble: Das bedeutet, dass Sie Ihre eigentliche Kammermusikausbildung in Köln hatten.

Soo-Kyung Hong: Wir hatten schon in Wien sehr viel Kammermusikunterricht, beispielsweise beim Altenberg Trio. Allerdings waren wir dort meist als Duo. Und auch in Köln gab es so viele Kammermusik-Lehrmöglichkeiten bei anderen Professoren, was wir natürlich ausgenutzt haben.

Jens Elvejaer: Für mich gab es ein ganz besonderes Erlebnis viel früher. Als ich noch in Dänemark war, ging ich mit einem Klaviertrio aus Dänemark zu einem Kammermusikkurs in Jerusalem. Das war ein fantastisches Erlebnis. Es war ein Kurs mit Isaac Stern, Emanuel Ax, Yefim Bronfman, Pamela Franck und Yo-Yo Ma sowie dem Kalichstein-Laredo-Robinson-Trio. Und es ging nur um Beethovens Kammermusik. Wir haben als Klaviertrio zwar nicht weitergespielt, aber dadurch ist der Wunsch bei mir entstanden, dass ich unbedingt im Klaviertrio und überhaupt Kammermusik spielen möchte. Da man wirklich so tief in die Musik abtauchen kann.

Ensemble: Dort entstand also die Affinität zum gemeinsamen Musizieren?

Jens Elvejaer: Ja, das war etwas Besonderes. Und gerade, dass man ausschließlich mit Beethovens Kammermusik diese Erfahrung machen kann, hat mich überzeugt. Das ist ja auch heute noch der Fall, dass man im Trio-Repertoire unterschiedliche Hüte aufsetzen und andere Rollen spielen kann. Das ist so faszinierend, man hat die Chance, alles als Ensemble zu machen. So wie in Ravels Trio, was fast wie ein Orchester klingt, oder dann Beethovens Erzherzog-Trio, das mit einem Solo des Klaviers beginnt. Die Vielfalt in dieser Besetzung ist das Grandiose.

Dänemark als Heimat

Ensemble: Warum haben Sie eigentlich – nachdem Sie in Wien waren und in Köln – Dänemark, bzw. Kopenhagen, als Heimatort gewählt?

Soo-Jin Hong: Wir haben nach unserem Studium 2002 den Kammermusikwettbewerb des Dänischen Rundfunks in Kopenhagen gewonnen und erhielten dann zahllose Konzerte in Dänemark. Als wir dann mit dem Studium abgeschlossen hatten, wollten wir auch dort wohnen, wo wenigstens einer von uns Familie hat. Es bedeutet sehr viel, dass man sich irgendwo zu Hause fühlen kann. Das war eigentlich der Grund. Zudem ist es auch sehr praktisch, von dort aus in alle Welt zu reisen.

Soo-Kyung Hong: Zudem war auch das dänische Publikum uns sehr zugetan. Allein im Jahre 2003, als Anschluss an den Wettbewerbsgewinn haben wir 80 Konzerte nur in Dänemark gespielt – und Dänemark ist kein so großes Land [alle lachen]. Wir konnten also alles ausprobieren und haben wahnsinnig viel Erfahrung sammeln können. Und auch nach 10 Jahren haben wir immer noch ein Stammpublikum in Dänemark, wo wir so etwas wie bekannte musikalische Größen sind.

Jens Elvejaer: Zudem haben die beiden anderen so schnell Dänisch zu sprechen gelernt … Ernsthaft gesagt, ist es einfach schön, wenn man sich entscheidet, einen festen Wohnort zu haben. Nach Wien und Köln wollten wir ein Zuhause haben.

Soo-Kyung Hong: … und Seoul war einfach zu weit weg … [sie lacht]

Jens Elvejaer: Wir haben auch dadurch, dass wir in Dänemark so richtig angefangen haben, ein Image, dass wir als dänisches Ensemble auch die Moderne des Landes im Ausland vertreten. Ein globalisiertes Ensemble sind wir eh. Das dokumentieren wir ja auch mit unserem Namen, zu dem das „Copenhagen“ gehört.

Ensemble: Das sind also auch die Gründe, warum Sie solch eine intensive Nähe zur dänischen Moderne haben. Denn es hätte ja auch – bei der reichen Komponistenlandschaft – sein können, dass Sie einmal Ausschau nach koreanischen Werken halten.

Soo-Kyung Hong: Wir haben einige gefragt, aber die meisten waren ausgebucht. Da wir aber schon so lange in Dänemark wohnen, haben wir zu den dortigen Komponisten einen viel engeren Kontakt. Und so haben wir zahlreiche Uraufführungen gespielt und Werke in Auftrag geben können.

Jens Elvejaer: Wir wollten beispielsweise Isang Yuns Musik mal spielen, aber wir sind noch nicht dazu gekommen.

Soo-Kyung Hong: Auch wenn wir Yuns Musik in einem Programm angeboten haben, wollte das meist kein Veranstalter nehmen.

Jens Elvejaer: Wenn man uns hören möchte, in Europa und in den USA ebenso, dann sind es auch die dänischen Komponisten, die man gerne nimmt. Und meistens die, die für uns geschrieben haben.

Soo-Jin Hong: Das liegt einfach auch daran, dass wir als dänisches Ensemble gesehen werden.

Wettbewerbe und Entwicklung

Ensemble: Warum geht man eigentlich zu weiteren Wettbewerben, nachdem man schon renommierte Wettbewerbe gewonnen hat, so wie Sie 2002 den Dänischen Rundfunkwettbewerb und den ARD-Wettbewerb? Ist das nicht riskant?

Jens Elvejaer: Anderthalb Jahre nachdem wir diese Wettbewerbe gewonnen hatten, haben wir auch entschieden, keine Wettbewerbe mehr zu spielen. Wir hatten überlegt, an den Wettbewerben in Osaka und Melbourne teilzunehmen. Aber dann kam ein Angebot, als wir nach Melbourne hätten gehen müssen, um am Wettbewerb teilzunehmen: Wir konnten zyklisch alle Klaviertrios von Beethoven im Tivoli in Kopenhagen spielen. Und diese Chance wollten wir uns nicht entgehen lassen. Zudem hat uns auch Günter Pichler vom Alban Berg Quartett damals gesagt, dass wir die nächste Ebene angehen und dieses Konzertprojekt annehmen sollten. Das war ein guter Ratschlag. Und so entschlossen wir, keine Wettbewerbe mehr zu spielen, sondern unsere eigene Aussage zu finden und nur noch Konzerte zu spielen.

Das ganze Interview können Sie in Ausgabe 4-2012 lesen.
 
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