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Leseprobe:

Bedingungslos emotional

Nightingale String Quartet

Von: Burkhard Schäfer

Das junge Nightingale String Quartet (Josefine Dalsgaard und Gunvor Sihm, Violine; Marie Louise Broholt Jensen, Viola; Louisa Schwab, Cello) sorgt mit seiner packenden, unmittelbar emotionalen Spielweise und seinem erfrischend unkonventionellen Auftreten nicht nur in seinem Heimatland Dänemark für Furore. Dabei sind die vier jungen Musikerinnen alles andere als „wild“ oder gar „rebellisch“. Nichts liegt den Damen ferner, als die Klassikszene „aufmischen“ zu wollen – trotzdem machen sie vieles anders als andere etablierte Ensembles, und das kommt offensichtlich sehr gut an – nicht nur beim Publikum, sondern auch bei Veranstaltern und Musikkritikern. Ihre kürzlich beim dänischen Label Dacapo-Records erschienene Debüt-CD haben sie ihrem Landsmann Rued Langgaard gewidmet, einem (faszinierenden!) Komponisten, der hierzulande noch kaum rezipiert wird. Auch sonst bekennt sich das Ensemble zu seiner Heimat, in der es sich „hörbar“ zuhause fühlt. Wir trafen das junge Nightingale String Quartet in Kopenhagen ...

Ensemble: Sie haben 2011 die öffentliche Bühne mit einem düster-spektakulären Musikvideo betreten, gedreht zu Schostakowitschs drittem Streichquartett. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Gunvor Sihm: Schostakowitschs drittes Streichquartett ist eines der schönsten und berührendsten Stücke überhaupt. Deshalb haben wir gerade dieses Werk ausgesucht. Wir wollten einen anderen, unkonventionellen Weg einzuschlagen, um neue Zuhörer an die klassische Musik zu bringen. Diese Unternehmung war eine sehr große Herausforderung für uns. Es gibt viele Leute, die bisher noch gar keinen Bezug zur klassischen Musik haben und die erst ein emotionales Erlebnis damit haben müssen. Darum wollten wir mit dem Musikvideo etwas ganz Spezielles erschaffen, kein Klischee-Video. Wir haben dann den Regisseur kennengelernt und er hat wirklich fantastische Arbeit geleistet, denn sein Stil hat sehr gut zu unserer Vision gepasst. Wir wollten es nicht zu eindimensional haben, da das Stück für uns mehrere mystische Lagen enthält. Es ist sehr tiefgehend und man kann sagen, wir haben der Musik einfach emotional nachgespürt und das mit dem Regisseur in Bilder umgesetzt.

Ensemble: Das Video ist in seiner Bildästhetik sehr dunkel, mit Anklängen an die „Schwarze Romantik“ …

Marie Louise Broholt Jensen: Es ist tatsächlich manchmal geradezu beängstigend, was natürlich auch mit der Musik zu tun hat. Ein Satz wird auch „Gedenken an die Toten“ genannt, schließlich ist das Quartett 1946, also nach Kriegsende entstanden und spiegelt die dement-sprechende Stimmung wider. Das Streichquartett  besitzt viele tiefere Ebenen und hat mit Abstraktion zu tun. Auch der Regisseur hat selbstverständlich seine Gedanken, die ihm bei dieser Musik in den Sinn gekommen sind, visuell umgesetzt. Als wir uns mit ihm darüber in der Planungsphase unterhielten, waren wir davon überzeugt, dass seine Vorstellungen zu unseren passen würden. Wir merkten, dass er stark für diese Musik empfindet, und so war es sehr interessant für uns, zu sehen, zu welchen Bildern ihn diese Musik inspiriert.

Ensemble: Ihr Video hat in den dänischen Medien für Furore gesorgt. Was ist überhaupt das Spezielle an der dänischen Musikszene?
Gunvor Sihm: Dänemark ist ein sehr kleines Land und so kennt jeder jeden. Man geht freundlich miteinander um. Auch wenn wir in Wettbewerben untereinander konkurrieren, ist es nie ein feindliches Gegeneinander. Wir sind stolz und freuen uns, wenn andere dänische Ensembles es weiterschaffen. Man kann sagen, wir unterstützen uns gegenseitig. Ich denke, woanders ist es etwas feindseliger. Das ist wirklich ein Punkt, der in den kleineren Staaten anders ist, und das empfinden wir als großes Glück.

Ensemble: Wie wichtig sind für junge Kammermusiker wie Sie solche Kommunikationsmittel wie das Internet und soziale Plattformen wie Facebook und Twitter?

Louisa Schwab: Ich denke, diese Dinge werden immer wichtiger. Wobei deren Bedeutung auch davon abhängt, wo das Konzert stattfindet. Manchmal werden wir in kleine Städte, zum Beispiel auf Jütland, eingeladen, und dort nützt das überwiegend ältere Publikum Facebook nicht so sehr. Aber wenn wir in Kopenhagen, Aarhus oder Odense spielen, dann ist es sehr wichtig, soziale Netzwerke zu nutzen und sich mit den jungen Leuten zu vernetzen.

Ensemble: Halten Sie Erklärungen während, vor oder nach Konzerten für eine neue wichtige Form in der Kammermusik?
Gunvor Sihm: Wir führen normalerweise in alle Stücke, die wir auf der Bühne spielen, explizit ein. Besonders bei dem dänischen Komponisten Rued Langgaard gibt es viele Geschichten zu erzählen, denn man kann in der Regel davon ausgehen, dass die Zuhörer Langgaard, sein Leben und sein Werk nicht kennen. Wir haben gemerkt, dass wir den Zuhörern dann zum Einstieg in seine Kompositionen helfen müssen. Der Kontakt zum Publikum von Anfang an verbreitet zudem eine ganz andere Aura auf der Bühne. Man wird im Konservatorium nur dafür trainiert, oben auf der Bühne zu spielen und etwas über die Komponisten zu wissen, aber man muss Eigeninitiative ergreifen, sich überwinden und auch zum Publikum sprechen.

Ensemble: Wann und unter welchen Umständen haben Sie sich zum gemeinsamen Quartett zusammengefunden?

Josefine Dalsgaard: Wir sind jetzt seit fünf Jahren zusammen und haben uns damals am Konservatorium in Kopenhagen kennengelernt. Dort fingen wir dann damit an, als Studentenquartett zu spielen. Sehr schnell haben wir bemerkt, dass wir das ernsthaft weiterbetreiben wollen, und so beschlossen wir, bei einem Kammermusikwettbewerb in Dänemark mitzumachen. Das ist nun drei Jahre her und war für uns eine sehr ernsthafte Angelegenheit. Wir haben von diesem Zeitpunkt an viele Konzerte gespielt und das Ganze wurde für uns zur Passion. Es hat sich natürlich entwickelt, dass wir sehr gerne miteinander spielen und dass gemeinsames Kammermusikmachen viel Spaß macht. Dann kam der Gewinn des holländischen Charles-Hennen-Wettbewerbs und von da ab gesellten sich verschiedene Preise und Auszeichnungen hinzu. Diese Preise haben uns sehr geholfen, auch außerhalb Dänemarks unsere Karriere voranzubringen.

Ensemble: Wie kommt es zu dem schönen Namen „Nightingale Quartet“?


Das vollständige Interview lesen Sie in Ausgabe 1-2013 von ENSEMBLE.

 
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