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Leseprobe:

Beständiger Entwicklungsprozess

Amaryllis Quartett

Von: Carsten Dürer

Gehört hatte ich das Amaryllis Quartett 2008 erstmals im ARD-Musikwettbewerb, als sie noch in der Semifinal-Runde ausschieden. Seither habe ich das Quartett vielfach – allerdings immer im Wettbewerbs-Rahmen gehört, da es an fast allen wichtigen Wettbewerben für Streichquartett teilgenommen hat. Seitdem sie 2011 Finalisten Im Premio Borciani in Reggio Emilia waren und kurz darauf den Streichquartett-Wettbewerb im australischen Melbourne gewannen, hat ein breiteres Publikum dieses Streichquartett wahrgenommen. Geholfen haben sicherlich auch die CD-Produktionen „White“ und die aktuelle „Red“, auf denen es jeweils ein Werk der Wiener Klassik mit einem der 2. Wiener Schule koppelt. Wir trafen Gustav Frielinghaus (1. Violine), Lena Wirth (2. Violine), Lena Eckels (Viola) und Yves Sandoz (Cello) bei einer Probesitzung in Köln.

In Köln-Ehrenfeld haben Lena Wirth und Yves Sandoz mittlerweile ihre Heimat gefunden, in einem Haus, das über ihrer Wohnung einen wunderschönen Proberaum bereithält. Deckenbalken und ein weiter Blick über die Dächer von Köln machen diesen Raum zu einem Kleinod für das Streichquartett, das hier ungestört proben kann, da unter diesem Raum zwei der Mitglieder des Quartetts selbst leben, sie also mit ihrem Spiel keinen anderen Mieter stören. Das war nicht immer so, erzählen sie, als ich eintreffe. Bis vor kurzem haben sie in einer Garage geprobt, einer ohne Fenster und ohne Heizung. „Es war immer sehr kalt“, sagt Lena Wirth und Lena Eckels erinnert sich, dass es immer eine Weile dauerte, bis man im Winter mit den transportablen Heizkörpern eine gewisse Wärme hinbekommen hat. Dennoch hat das Quartett dort fleißig geprobt. Es scheint insgesamt so, dass das Amaryllis Quartett durch einige Jahre wichtiger Erfahrungen gegangen ist, nicht nur beim Proben und Unterricht, sondern auch bei Wettbewerben. In einem der vielen schönen Cafés in diesem Stadtteil setzen wir uns zu einem Gespräch zusammen...
Ensemble: Wir haben uns das erste Mal 2008 beim ARD-Wettbewerb getroffen. Danach haben Sie fast an jedem wichtigen großen Wettbewerb für Streichquartett teilgenommen, haben immer wieder Preise gewonnen, doch erst 2011 dann die richtigen Erfolge als Finalisten im Premio-Borciani-Wettbewerb in Reggio Emilia und beim Wettbewerb in Melbourne mit dem 1. Preis gehabt. Waren die Wettbewerbe zuvor wichtig, um Erfahrungen zu sammeln?

Lena Eckels: Auf jeden Fall, da man lernt, wie man mit einer Wettbewerbssituation umgeht und so zu spielen, als wären es mehrere Konzerte hintereinander. Man lernt damit umzugehen, dass auch eine Jury im Saal sitzt und nicht nur das Publikum.

Yves Sandoz: Aber es ist nicht nur so, dass man lernt damit umzugehen, sondern auch erkennen, dass sehr viele Geschmackssachen eine Rolle spielen. Es kommt immer darauf an, wer gerade in der Jury sitzt, und man weiß dann irgendwann, dass viele unterschiedliche Faktoren in einem Wettbewerb mitspielen, dass man irgendwann sagen konnte: Wir probieren es und wenn es nicht klappt, dann ist es auch gut.

Ensemble: Man nimmt also die ganze Situation lockerer hin?

Gustav Frielinghaus: Ja, man nimmt das Ganze nicht mehr ganz so ernst, man fühlt sich nicht mehr so unter Druck. Man muss letztendlich selbst als Ensemble wissen, wohin man weitergehen will, was man verbessern kann. Wir haben gelernt uns selbst nach dem Vorspiel zu analysieren und da es von außen die unterschiedlichsten Meinungen gibt, kann man nur seinen eigenen Weg weiterverfolgen und das tun, wovon man überzeugt ist.

Ensemble: War es denn auch so, dass durch die vielen Wettbewerbe – und immerhin haben Sie ja fast auch immer einen Preis gewonnen – viele Kontakte entstanden sind, die Ihnen weitergeholfen haben?
Lena Wirth: Natürlich, durch Wettbewerbe entstehen ja immer Kontakte. Es gibt eine Anzahl von interessierten Leuten, die man auch bei fast jedem Wettbewerb wieder trifft. Es gibt auch Veranstalter, seltener Agenten, die zu Wettbewerben reisen und auch selbstständig genug urteilen, um sich ihre eigene Meinung zu bilden, wen sie einladen und mit wem sie arbeiten möchten.

Ensemble: Gab es auch Privatpersonen, die etwas für getan haben, die Einladungen zu Hauskonzerten oder zu Konzerten in einer der vielen Vereins-Konzertreihen folgen ließen?

Lena Eckels: Die am meisten für uns getan hat, ist Irene Steels-Wilsing, die beim Premio-Borciani-Wettbewerb 2008 einen Spezial-Preis gestiftet und uns gegeben hat, da sie der Meinung war, dass das Niveau so hoch war, dass die ersten drei Preise nicht ausreichten. Daraus ist ein recht regelmäßiger Kontakt entstanden.

Yves Sandoz: Aber es ist bei einem Wettbewerb auch einfach wichtig, nicht nur Privatpersonen auf sich aufmerksam zu machen, sondern insgesamt im Gespräch zu bleiben. Um Präsenz zu zeigen. Wir haben gemerkt, dass man immer wieder angesprochen wurde und dass die Leute einen schon kennen.

Lena Wirth: Bei all diesen Vorteilen muss man aber auch einmal klarstellen, dass Wettbewerbe nicht wirklich etwas Schönes sind und keine Gruppe zu einem Wettbewerb fährt, da sie Spaß an Wettbewerben hat. Es ist einfach etwas, wo man durch muss, da die vielen Veranstalter irgendein objektives Kriterium brauchen, um zu entscheiden, wen sie einladen sollen. Wettbewerbe sind eine zweischneidige Sache. Und ich denke, dass wir das ganz gut hinbekommen haben, uns nicht zu sehr beeinflussen zu lassen von den Meinungen, die man von allen Seiten hört, also was man anders machen sollte und so weiter.

Lena Eckels: Das wirklich einzig Schöne bei Wettbewerben ist allerdings, dass man immer wieder auf sehr nette andere Quartette trifft.

Ensemble: Da man ja für diese Wettbewerbe immer auch ein bestimmtes Repertoire vorbereiten muss, würde ich gerne wissen, ob Sie Ihre Repertoireauswahl zu Beginn vor allem nach diesen Wettbewerbsanforderungen getroffen haben?

Lena Wirth: So kann man das nicht sagen. Die großen Wettbewerbe haben recht weit gefasste Repertoireanforderungen, also einen Beethoven, einen Schubert, etwas Romantisches und so weiter. Natürlich spiegelt das auch unser Repertoire wider, aber wir haben es nicht wegen der Wettbewerbe erlernt, sondern haben diese Werke schon in unserem Repertoire selbstständig erarbeitet.

Gustav Frielinghaus: In Melbourne beispielsweise war man in der letzten Runde vollkommen frei in der Repertoireauswahl. So konnte man ein Recital-Programm von einer Stunde selbst zusammenstellen.

Yves Sandoz: Bis auf die neuen Stücke, die von den Wettbewerben in Auftrag gegeben wurden, haben wir kein Stück extra für einen Wettbewerb erarbeitet.

Ensemble: Sie haben ja auch eine kompositorische Entdeckung gemacht und damit Ihre erste CD als Weltersteinspielung bestückt, den Komponisten Géza Frid. Haben Sie dieses Werk auch bei einem Wettbewerb einmal wieder spielen können?

Lena Eckels: Das war leider nie möglich. Beim Tromp-Wettbewerb dachten wir, dass es sinnvoll gewesen wäre, da es eine Runde gab, bei der man Stücke aus dem vergangenen Jahrhundert von Komponisten aus den Niederlanden spielen sollte. Allerdings stand Frid da nicht auf der Liste.

Ensemble: Aber Sie haben Frid viel in Konzerten gespielt?

Lena Wirth: Wir spielen seit Jahren Frid mit Begeisterung in vielen Konzerten!

Die Entwicklung

Ensemble: Gehen wir einmal zurück zu den Anfängen. Wann wurde das Quartett eigentlich gegründet und wo?

Lena Eckels: Das Quartett gibt es in dieser Besetzung seit 2006.

Gustav Frielinghaus: Ja, Lena Eckels ist als Letzte in dieser Besetzung 2006 hinzugekommen. Ich habe im Jahr 2000 mit dem Quartett begonnen, allerdings mit anderen Mitspielern. Aber von damals ist von dem Quartett natürlich nichts mehr übrig geblieben. Von dem Quartett bin nur noch ich übrig. Daher ist es schlecht zu sagen, wann die Gründung stattgefunden hat. Daher sagen wir einfach, dass wir in dieser Besetzung seit 2006 zusammen spielen.

Ensemble: Und wo fand das statt?

Lena Eckels: Wir wohnten damals in unterschiedlichen Städten und haben auch unsere Studien in unserer solis-tischen Ausbildung fortgesetzt. Als Quartett studierten wir allerdings bei Walter Levin in Basel. Als wir dann beschlossen haben zum Alban Berg Quartett nach Köln zu wechseln, zogen wir alle nach Köln.

Ensemble: Sie, Herr Frielinghaus, wohnen aber nicht mehr in Köln?

Gustav Frielinghaus: Nein, ich lebe in Stuttgart. Aber von Köln aus sind wir ja erst noch drei Jahre nach Madrid gegangen, um dort bei Günther Pichler weiterzustudieren.

Das ganze Interview lesen Sie in der Ausgabe ENSEMBLE 2-2013.
 
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