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Leseprobe:

Das Afiara Quartet in Dänemark

Afiara Quartet

Von: Carsten Dürer

Manches Mal kommen Dinge in der Musikwelt zusammen, die ein Außenstehender nicht vermuten würde. Das kanadische Afiara String Quartet war im Januar dieses Jahres auf Tour durch Dänemark, mit insgesamt 23 Konzerten innerhalb von knapp dreieinhalb Wochen. Zudem haben sie ehemalige Schüler der „Orkester Efterskolen“, einer Spezial-Musikschule für Kinder im Alter von 15 bis 16 Jahren, in Holstebro auf Jütland unterrichtet. Grund genug für uns, dieses Quartett ein paar Tage lang in einem verschneiten Dänemark zu begleiten und uns mit ihm über Erfahrungen und Eindrücke sowie seine Gesamtentwicklung zu unterhalten.

Wahrscheinlich erinnert sich das deutsche Publikum vor allem an das Afiara String Quartet aus dem ARD-Musikwettbewerb von 2008. Damals erspielte sich das Quartett den 2. Platz – den es auch im selben Jahr im kanadischen Banff-Wettbewerb erringen konnte. Nun also Dänemark, nachdem das Ensemble vor allem in den USA und in Kanada Auftritte absolvierte. Zustande kam diese intensive Tour durch Oliver Quast, den Leiter des dänischen Ensemble Midtvest mit Sitz im neben Holstebro gelegenen Hering. Der Deutsche hatte vor etlichen Jahren beim Schleswig-Holstein Musikfestival den Bratscher David Samuel und den Cellisten Adrian Fung innerhalb der Orchesterakademie kennengelernt und den Kontakt gehalten. Da die beiden mit Valerie Li (1. Violine) und Yuri Cho (2. Violine) als Afiara String Quartet mittlerweile ein recht erfolgreiches Streichquartett betrieben, beschloss er, die Gelegenheit wahrzunehmen und das Quartett zu einer von ihm organisierten Tour nach Dänemark einzuladen. Bereits 2011 war das Quartett für ein paar Konzerte in Dänemark und hatte einen bleibenden Eindruck bei den Veranstaltern hinterlassen. Und so lief Quast offene Türen ein und konnte durch die Unterstützung unterschiedlicher Stiftungen auch die Finanzierung gewähren. Daneben dachte er, dass es eine durchaus gute Gelegenheit sei, ehemalige Schüler der Orkester Efterskolen in Holstebro einzuladen, die mittlerweile an staatlichen Konservatorien Kammermusikensembles gegründet haben, um von den Kanadiern unterrichtet zu werden. Ein großes Programm erwartete also das Afiara String Quartet...

Die Orkester Efterskolen

Ein bisschen muss man die besondere Einrichtung der „Efterskolen“ in Dänemark erklären. Nachdem bis zur achten Klasse alle Schüler denselben Unterricht genießen, kann man für zwei Jahre an eine einem Internat ähnliche Schule wechseln, die sich auf bestimmte Fachbereiche spezialisiert hat. Die „Orkester Efterskolen“ in Holstebro allerdings ist die einzige, die sich intensiv um eine Musikvermittlung bemüht. Bis zu 55 Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren leben hier zusammen, werden jeden Tag in Musik und allen anderen Fächern unterrichtet. Sie essen, spielen gemeinsam und lernen auch zur gleichen Zeit. Oftmals wechseln die Absolventen später dann in ein staatliches Konservatorium, um den Musikerberuf zu ergreifen. Andere gehen in andere Berufe, werden aber meist die Musik als Hobby oder bevorzugte Kunstform weiterhin pflegen. Auf dem Campus dieser besonderen Schule, die mittlerweile auch ein internationales Austauschprogramm für Schüler anbietet, so dass auch ausländische Schüler dort für ein oder zwei Jahre Unterricht erhalten können, war auch das Afiara Quartet untergebracht. Die Schulleiterin, Charlotte Borchorst Faurschou, hatte dann Kontakt mit ehemaligen Schülern aufgenommen, die sich zu Ensembles an den Konservatorien in Ahaus oder Copenhagen zusammengeschlossen hatten, um diesen die Möglichkeit zu geben, mehrere Tage Werke mit den Mitgliedern des Afiara Quartet zu erarbeiten. Zur selben Zeit hatte das Quartett selbst auch zu proben, da gleich mehrere Konzerte in den Orten der Umgebung anstanden. Im Gepäck hatten sie Beethovens Streichquartette A-Dur Op. 18 Nr. 5, sein F-Dur-Quartett Op. 59 Nr. 3 sowie das große letzte Op. 135. Daneben wurde Dvoráks Quartett G-Dur Op. 106, Dmitri Schostakowitschs Elegie und Polka, Carl Nielsens Streichquartett Nr. 4 und Jean Sibelius’ bekanntes „Voces intimae“ in Programme eingebunden, die sich immer wieder aus diesen Werken etwas anders zusammensetzten. Als modernstes Werk war dann noch das 2. Streichquartett des US-Amerikaners Brett Abigaña zu hören, das dieser für das Afiara Quartet komponiert hatte. Intensive Arbeitswochen standen dem Quartett also ins Haus. Doch die vier schienen dieser Aufgabe zum einen gewachsen, zum anderen machten sie in der Umgebung der Orkester Efterskolen einen eher entspannten Eindruck.

Immerhin war das Konzert in Holstebro ein großartiges Erlebnis. Nicht nur, dass alle Schüler der Orkester Efterskolen kamen, um das Quartett auf der Bühne zu erleben, auch ansonsten war der Saal des „Knudsens“ gut gefüllt. Und das zu Recht, denn mit den Streichquartetten Nr. 5 und Nr. 9 von Beethoven und dem ihnen gewidmeten modernen Werk von Abigaña lieferten die vier einen Beweis ihrer mittlerweile über die Jahre gewachsenen Klangkultur ab. Mit Emphase wurde hier musiziert, spannungsgeladen und voller Frische. Allein die Ecksätze des Quartetts Op. 59, 3 von Beethoven waren mit solch einem Tempo perfekte Beispiele für brillante Quartett-Kunst.
Wir setzten uns zwischendurch mit den vier Mitgliedern zusammen, um mehr über ihr Denken und ihre Entwicklung zu erfahren.

Das Quartett

Ensemble: Ihr Name stammt ja von dem spanischen Wort „fiar“ ab, was so viel wie „Vertrauen“ bedeutet. Aber in welcher Richtung soll dieses Vertrauen gegeben sein, in Sie selbst oder soll das Publikum Ihnen vertrauen?

Adrian Fung: Ich denke, es ist alles ein bisschen. Wir müssen uns selbst natürlich vertrauen, wenn wir proben, um Kritik aufzunehmen. Wir müssen demjenigen, der spricht, vertrauen können, dass er die besten Absichten hat, wenn er etwas vorschlägt. Es ist ja so leicht, Dinge persönlich zu nehmen, aber mit dem Vertrauen gibt es das nicht. Auch auf der Bühne müssen wir einander vertrauen, damit alles sofort übereinstimmt, wenn etwas anders läuft als in der Probe. Vertrauen ist ein wichtiger Faktor in allem, was wir tun, wenn wir reisen, wenn wir Verträge abschließen. Und wir vertrauen einander sehr. Und natürlich muss das Publikum uns vertrauen, wenn wir es auf eine musikalische Reise mitnehmen. Und schon in den ersten vier Takten spüre ich, ob das Publikum mit einem mitgeht oder nicht. Wir sind da wie eine Familie, in der die Mitglieder einander vertrauen.

Ensemble: Also haben Sie den Namen nicht gewählt, da er mit einem A anfängt?
Adrian Fung: Es war so: Ich lud ein paar Freunde zu mir ein zu einem Barbecue. Und um es wirklich schick aussehen zu lassen, sagte ich, dass es eine „Grande Affair“ ist. Und so kam „A Fiara“ als Tippfehler heraus. Und da wir gerade nach einem Namen suchten und es in Spanisch „Vertrauen“ bedeuten kann, haben wir diesen Namen gewählt.

Ensemble: Das Quartett wurde von Ihnen 2006 gegründet. Aber es gab ja sicherlich Wurzeln für die Kammermusik bei jedem von Ihnen, da man ja normalerweise erst einmal am Instrument solistisch ausgebildet wird. Wo liegen die Wurzeln bei Ihnen für Kammermusik? Und warum ausgerechnet Streichquartett, denn es gibt ja auch andere Ensemble-Formen?

Valerie Li: Nun, ich habe schon immer Kammermusik geliebt. Das erste Ensemble, in dem ich spielte, war ein Klaviertrio. Da dachte ich schon: Wow, ist das großartig. Ich denke, das war auch der Grund, warum meine Eltern entschieden, dass ich ein Streichinstrument lernen sollte, um mit anderen zu musizieren. Mein Bruder spielte das Cello. Es war einfach Spaß, mit anderen zu spielen, als man erst 11 Jahre alt war. Und natürlich übt man während der Schulzeit für sich, seine Skalen und die Technik. Aber der Spaßfaktor war immer die Kammermusik. Zudem gab es viele Schüler, die dann für das Mitspiel in einem Orchester vorspielten. Auch ich ging in ein Orchester, was für eine Weile ebenfalls Spaß machte. Aber ich kannte die anderen drei ja schon. Adrian und David kannten einander zuerst, da sie in einem Jugendorchester zusammen spielten. Beide stammen aus der Gegend von Toronto. David und ich trafen uns dann auch in einem Jugendorchester während eines Sommerkurses. Als ich dann die Schule beendete, stellte ich fest, dass ich eigentlich immer die Kammermusik liebte. Und da wir damals alle in San Francisco lebten, dachten wir, wir sollten es ausprobieren. Und wir beschlossen sehr früh, dass wir das als Vollzeit-Job machen sollten, was uns sehr half. Das bedeutete: jeden Tag proben und das Streichquartett in den Vordergrund vor allen anderen Tätigkeiten zu stellen.

Ensemble: Und Sie alle machten ähnliche Erfahrungen?

David Samuel: Als Bratscher kann man natürlich nicht gut genug werden, indem man die Bratschen-Stimmen eines Mozart-Quartetts übt. Natürlich lernt man erst einmal anhand des Solorepertoires das Instrument selbst. Dann spielt man in der Schule immer wieder im Orchester, man spielt aber auch Kammermusik. Und an einem bestimmten Punkt erkennt man, dass man sich in einem Orchester nur bis zu einem bestimmten Grad einbringen kann, da die Gruppe von fast 100 Leuten funktionieren muss. Und es gibt einen, der vor all den Leuten steht und immer das letzte Wort hat. Natürlich ist das Repertoire für Orchester großartig und ich liebe es und habe es genossen, im Orchester zu spielen. Aber was ich vermisst habe, ist die stärker individuelle Rolle, die eigene Stimme. Ein Quartett besteht dagegen aus vier Individuen und es ist nicht so, dass alle vier nur ein Teil von etwas Großem sind.

Ensemble: Haben Sie das Bratschenspiel sehr früh angefangen, denn normalerweise beginnt man ja mit dem Violinspiel und wechselt erst später?
David Samuel: Ja, ich habe mit dem Violinspiel mit vier Jahren begonnen und habe dann meine erste Bratschenstunde mit 12 Jahren erhalten. Zuerst versuchte ich beide Instrumente weiterzuspielen, aber dann habe ich das Violinspiel aufgegeben.

Ensemble: Es gab also unterschiedliche Punkte in der Entwicklung des Streichquartetts, denn das Quartett wurde ja in San Francisco gegründet. Fühlen Sie sich mehr als amerikanisches oder als kanadisches Streichquartett?

Alle: Kanadisch.

Adrian Fung: Aber meine Ausbildung ist eher US-amerikanisch geprägt …

Ensemble: Die Ausbildung des gesamten Streichquartetts ist US-amerikanisch, richtig?
Adrian Fung: Ja, aber irgendwie sind Kanada und die USA in diesem Punkt ähnlich.

Ensemble: Wie waren nun genau die Stationen? Sie gründeten Ihr Quartett in San Francisco, richtig?

Adrian Fung: David, Yuri und ich waren auf dem San Francisco Conservatory. Dann luden wir Valerie ein, zu uns zu kommen, und wir starteten das Afiara String Quartet.

David Samuel: Wir drei haben das Streichquartett schon am Conservatory gegründet, aber die richtige erste Geige zu finden, war schwierig. Zudem wussten wir zu dieser Zeit noch nicht, ob wir ausschließlich Streichquartett spielen wollen.

Valerie Li: Dann gingen wir an das State University of San Francisco, um dort beim Alexander String Quartet zu studieren.

Yuri Cho: Die State University hat ein Programm spezifisch für Streichquartett, daher wechselten wir dorthin.

Ensemble: Das bedeutet, dass Sie wirklich aus eigenem Antrieb entschieden haben, Streichquartett zu spielen, und nicht aufgrund einer Außeneinwirkung, wo ein Lehrer sagte, dass Sie es einmal versuchen sollten, wie dies bei vielen anderen Streichquartetten der Fall war, richtig?

David Samuel: Das ist richtig.

Ensemble: Wie war das: als Studenten mussten Sie aber doch sicherlich auch die Abschlüsse in Ihrer solistischen Instrumentalklasse machen, oder?

Das gesamte Interview lesen Sie in der Ausgabe 3-2013 von ENSEMBLE.

 
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