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Leseprobe:

Wechselhafte Überzeugungskraft

ARD-Musikwettbewerb 2O13 für Klaviertrios

Von: Carsten Dürer

Es war 2007, als das letzte Mal die Kategorie Klaviertrio im Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München anstand. Das Tecchler Trio gewann diesen Wettbewerb und zeigte, dass es spannend sein kann, sich als junges Trio zusammenzuschließen und als feste Besetzung eine Musikerlaufbahn anzustreben. Vorbilder sind das eine, was die Kammermusikszene seitens gut ausgebildeter junger Ensembles beständig anwachsen lässt. Daneben ist es natürlich auch das grandiose Repertoire, was auf Entdeckung wartet. Aber bei einem Klaviertrio ist vieles anders als beispielsweise in der Besetzung Streichquartett. Drei gute Solisten können durchaus nach einiger Zeit ein gutes Trio formen. Doch kann man nur selten mit dem Klaviertrio allein einen Lebensunterhalt bestreiten. So bringen viele der Musiker in den Klaviertrios Anregungen aus Orchestern, Unterrichtstätigkeiten und anderen Ensembles mit in die Besetzung. Das hilft sicherlich, neue Aspekte ins Spiel zu integrieren, aber die Intensität, mit der man dann im Trio spielen muss, steht auf einem anderen Blatt. 2013 hatten sich zahlreiche bereits erfolgreiche und mit einem großen Erfahrungshintergrund versehene Trios zum Wettbewerb angemeldet, der vom 5. bis zum 14. September ausgetragen wurde. 26 hatte man nach München eingeladen, 24 waren angetreten …

Die Jury war interessant besetzt, nicht nur mit unterrichtenden Professoren, sondern vielmehr mit Musikern, die aus der Praxis kommen: Menahem Pressler (Vorsitz, ehemals Beaux Arts Trio), Esther Hoppe (ehemals Tecchler Trio), Boris Kuschnir (ehemals Wiener Schubert Trio, Wiener Brahms Trio, Kopelman Quartett), Martin Löhr (Trio Jean Paul), Antonio Meneses (ehemals Beaux Arts Trio), Jean-Marc Phillips-Varjabédian (Trio Wanderer) und Susan Tomes (ehemals Florestan Trio).
In der ersten Runde spielten alle Trios für zirka 45 Minuten. Auf dem Wettbewerbsprogramm standen vier Haydn-Trios zur Auswahl: C-Dur Hob. XV:27, E-Dur Hob. XV:28, Es-Dur Hob. XV:29, Es-Dur Hob. XV:30 und zusätzlich die beiden Trios Nr. 2 und Nr. 3 von Brahms. Je ein Haydn-Trio und ein Brahms-Trio standen also zu interpretieren an. Und da eine solch große Anzahl an Trios angereist war, bedeuteten schon die ersten drei Tage eine Anstrengung für die Juroren. Und der dritte Tag musste bis nach 21 Uhr verlängert werden, damit man mit den Pausen alle Trios hören konnte. Dann die Entscheidung, die Ensembles für die 2. Runde zu nominieren, in der ein Mozart-Trio (G-Dur KV 496, B-Dur KV 502, E-Dur KV 542, C-Dur KV 548, G-Dur KV 564), ein romantisches Trio (Schumann, Mendelssohn, Saint-Saëns, Chausson, Dvorák, Fauré und Laló) sowie eines aus der Moderne (Ives, Durosoir, Rihm, Roslawets, Schostakowitsch und Weinberg standen zur Wahl) gespielt werden sollten.
Wenn man generalisierend das Teilnehmerfeld betrachtete, waren die meisten Trios in Deutschland ausgebildet, einige in Frankreich und Russland.
Noch acht Trios aus der ersten Runde hatte ich glücklicherweise gehört, interessante Darbietungen beispielsweise des Adorno Trios oder des Leibniz Trios … Doch die erste Überraschung in diesem Wettbewerb war das Teilnehmerfeld für die 2. Runde. Von den 24 Ensembles aus der 1. Runde hatte man nur 10 in die 2. geschickt. Doch weder das hervorragende Trio Gaspard noch andere konnten die zweite Runde erreichen. Das würde nicht wirklich verwundern, sind doch alle Musiker von ihrer Tagesform abhängig, können auch einmal bei Haydn und Brahms danebenliegen. Das Erstaunliche und das Verwunderliche ergab sich erst, als man einige Trios in der zweiten Runde hörte.
Die zweite Runde war denn zweigeteilt mit einem Tag Pause dazwischen. Ungewöhnlich auch im ARD-Wettbewerb … aber es war der Tatsache geschuldet, dass der Jury-Vorsitzende Menahem Pressler am Tag nach Beginn der zweiten Runde in der Londoner Wigmore Hall ein Recital spielte. Kaum zu glauben, welche Energie dieser im Dezember dieses Jahres 90 Jahre alt werdende Pianist hat …
Das Publikum war auch an dieser Kammermusikbesetzung ähnlich interessiert wie ein Jahr zuvor an der Kategorie Streichquartett. Schon in der ersten Runde war der Konzertsaal in der Hochschule für Musik in München gut besucht, ab der zweiten Runde wurde es dann schwierig, einen der 600 Plätze im unteren Bereich (die Empore war wegen der Jury gesperrt für Zuhörer) zu ergattern … Eine unvergleichliche Atmosphäre für die jungen Ensembles!

2. Runde

Wie gesagt, diese Runde verlangte ein dreiteiliges Programm mit Mozart, einem großen romantischen Werk und einem modernen. Da dafür aber die Zeit nicht reichte, um alle drei Werke in eine Stunde zu pressen, hatte die Jury – je nach gewählter Programmlänge – einzelne Sätze aus den Mozart-Trios und den modernen Werken ausgewählt. Allein das romantische Werk konnte jeweils komplett gespielt werden. Manches Mal war das schade, da man bei guten Darstellungen bestimmter Werke gerne alle Sätze gehört hätte … aber ein Wettbewerb ist ein Wettbewerb und unterliegt Richtlinien und Plänen.
Das koreanische Yoon Trio mit einer finnischen Geigerin machte den Anfang. Es spielte Mozarts Trio C-Dur KV 548 komplett. Aber nicht immer war es überzeugend, was da erklang, denn gerade die solistischen Themeneinwürfe waren nicht sonderlich sicher, wirkten stark einstudiert und nicht kreativ und frei. Allein im 2. Satz gab es einige wunderbare Momente. In Mendelssohns 2. Klaviertrio c-Moll wusste das Trio dann dramatisch gute Gestaltungen vorzunehmen, nur in der Dynamik war es leider oft zu früh auf einem Höhepunkt angelangt, wo eine weitere Steigerung hätte folgen müssen. Dadurch kam es in weiten Passagen zu einer immer gleichen Dynamik auf hohem Niveau, was wirklich den Fluss störte. Am besten gelangen den drei Damen allerdings die beiden Sätze 2 und 3 aus Lucien Durosoirs (1878–1955) Klaviertrio. Hier entwickelten sie ein wunderbares Gespür für die post-expressionistischen Klangdeutungen, die eine Klangwelt zwischen den Tonsprachen von Debussy, Messiaen und der sich anbahnenden Moderne eröffnen. Anscheinend war es diese Musik, die dem Yoon Trio in seiner emotionalen Aussage am meisten entsprach.
Das zweite Ensemble war das Trio Rafale aus der Schweiz. Und welch ein wunderbares Trio dies ist. Der 2. und 3. Satz von Mozarts C-Dur-Trio KV 548 wurde hier so wunderbar transparent und frisch gespielt und phrasiert, dass es eine Freude war. Und auch in den ersten beiden Sätzen aus Nikolai Roslawets Klaviertrio Nr. 1 konnte das Trio punkten. Mit einer vollkommen auf die Stilistik ausgerichteten Tongebung erkannten die Musiker in den changierenden Klängen die innere Dramatik, gerade in dynamischer Hinsicht. Die Kollegen Schostakowitsch und Weinberg sicherlich im Hinterkopf, spielte das Trio Rafale auf, instrumental brillant, aufeinander hörend und einen gemeinsamen Klang kreierend. Das war großartiges Triospiel!

Den vollständigen Artikel lesen Sie in Ausgabe 6-2013 von ENSEMBLE.


 
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