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Leseprobe:

Klaviertrio spielen wie ein Streichquartett

Wiener Klaviertrio

Von: Carsten Dürer

Wie so oft waren es drei Studenten, die sich 1988 in Wien erstmals zum Spiel als Klaviertrio zusammenfanden und feststellten, dass sie diesen Weg professionell weiterbeschreiten wollen. Zu Beginn waren das der Geiger Wolfgang Redik, der Cellist Marcus Trefny und der Pianist Stefan Mendl. Mittlerweile gab es einige Wechsel, allein Stefan Mendl ist als Gründungsmitglied geblieben. Doch mit dem Cellisten Matthias Gredler seit 2011 und mit dem jungen Geiger Bogdan Bozovic seit 2012 besteht das Wiener Klaviertrio nun schon 25 Jahre. Zahllose CD-Einspielungen bei Nimbus und MDG liegen vor. Doch wie ist das mit einem Klaviertrio damals gewesen und wie stellt sich die Situation für ein rein als Klaviertrio agierendes Ensemble heute dar? Wir trafen die drei Musiker zu einem intensiven Gespräch…

Sie kommen gerade von einer Aufnahmesitzung, während der sie drei Tage lang an Beethovens Opus- 70-Trios gefeilt haben. „Das ist schon anders, vor so einem Mikrofon zu sitzen“, erzählt sofort Stefan Mendl, „da bedenkt man viele Sachen nicht, die man im Konzertsaal macht. Zum Beispiel das starke Atmen, oder das Knacken der Stühle. Und dann ist etwas besonders gut gelungen und schon knackt es.“ Bozovic ergänzt: „Das hat Stefan gestört, mich überhaupt nicht. Ich finde das normal, wenn man die Musiker atmen hört …“ „Überhaupt nicht“, meint auch Matthias Gredler, „bei Sängern ist das auch komisch, wenn man das Gefühl hat, die atmen nicht.“ Wird eine Aufnahme nicht überhaupt ein wenig klinisch, wenn man das Atmen nicht hört, kein Knacken? „Bislang war das jedenfalls bei uns nicht der Fall“, sagt Mendl. „Man kann es auch nicht komplett unterdrücken. Ich kann doch nicht einen Fortissimo-Einsatz spielen ohne ein deutliches Einatmen.“
Wie ist das überhaupt mit den Aufnahmen? Immerhin ist die Kammermusik doch eigentlich für einen sehr kleinen Raum gedacht. Und genau in solch einem kleinen Raum erlebt man ja all die natürlichen Geräusche der Spieler hautnah. Ist dann nicht die Idee von Kammermusik auf den Aufnahmen etwas komisch, wenn all dies herausgefiltert wird? „Natürlich“, sagt Matthias Gredler, „das schätzen ja auch die Leute, wenn man mal ein Hauskonzert spielt, dass sie einem fast auf dem Schoß sitzen.“ „Die Künstler haben das aber weniger gern, die extreme Nähe. Dass einer schon fast auf dem Fuß von einem steht“, erwidert Bogdan Bozovic. Aber es gibt doch auch Künstler, die gerade diese Nähe schätzen. „Na ja, wenn es zu nah wird, dann irritiert es schon“, sagt Mendl. Und Bozovic meint, dass die Konzentration darunter leiden kann, da die Freiheit der Bewegung eingeschränkt werden kann. „Wir reden jetzt natürlich von ganz kleinen Räumen“, sagt Mendl. Kommt es überhaupt vor, dass das Wiener Klaviertrio in solch kleinen Räumen auftritt? Bozovic: „Ja, wenn wir irgendwo etwas vorspielen, also ein neues Programm einmal vor Freunden vorspielen wollen, dann machen wir ein Hauskonzert bei Stefan, oder ähnliche Gelegenheiten.“ Matthias Gredler: „Oder in Thornton in England, wo wir jedes Jahr ein ganzes Wochenende ‚Vienna Piano Trio Weekend‘ spielen. Das ist ein wirklich kleiner Raum, der immer vollgepackt ist. Das ist auch sehr gesund, da man sehr fokussiert spielt, vor allem, wenn man ein vollkommen neues Programm spielt. Das hilft dann für die darauffolgenden Konzerte schon.“

Die Anfänge

Jetzt ist das Wiener Klaviertrio 25 Jahre alt. Wie war eigentlich die Situation für ein festes Klaviertrio in der Zeit um 1988 in Wien? Stefan Mendl muss antworten, da er das einzige übriggebliebene Gründungsmitglied ist: „Mit den 25 Jahren kommt es darauf an, wann man den Beginn sieht. Zu proben haben wir begonnen im Oktober 1988, im Studentenheim der Hochschule in Wien. Das war recht praktisch. Wenn man das erste Konzert nimmt, dann war das im Juni 1989.“ Bogdan Bozovic ist begeistert: „So lange habt ihr vor dem ersten Konzert geprobt?“ Mendl: „Das ist das Besondere: Wenn man ein Ensemble vollkommen neu anfängt, dann hat man natürlich ein bestimmtes Konzert als Ziel, was vielleicht ein Jahr später stattfindet. Und darauf arbeitet man ganz fieberhaft hin. Wir haben uns dann auf einen Meisterkurs mit dem Trio di Trieste in Siena 1989 gefreut. Und auf solche Dinge bereitet man sich dann immer wahnsinnig intensiv vor. Dabei ist natürlich auch wichtig, dass es Leute gibt, die einen immer wieder ermuntern, weiterzumachen. Das war bei uns vor allem das Haydn Trio Wien, das mit uns sehr eng verbunden war. Die haben uns am Anfang sehr viel geholfen, haben uns dann auch an Veranstalter empfohlen.“ Den „Kick“, wie Mendl sich ausdrückt, erhielt das neu gegründete Klaviertrio allerdings dann bei dem Meisterkurs mit dem Trio di Trieste. „Das war ganz toll. Es war wie ein Kulturschock, als sie uns hörten. Die Italiener hatten diesen feingeschliffenen Spielstil, auf Klangschönheit und Genauigkeit hin ausgerichtet. Und wir waren damals die jungen, ruppigen und ungeschliffenen Spieler. Letztendlich sagte aber de Rosa, dass es vielleicht nicht ihren eigenen Stil widerspiegelt, aber dass wir ganz toll spielen würden. Das war so die Initialzündung. Wir haben also nach den drei Wochen ein Zeugnis ‚mit Auszeichnung‘ bekommen, erhielten unser Geld für den Kurs zurück und wurden für die darauffolgende Saison eingeladen, ein Konzert zu spielen.“ Das war der Zeitpunkt, als sich die drei Studenten überlegten, dieses Klaviertrio zu ihrem Lebensinhalt zu machen.
Wenn Mendl von dem italienischen Stil der Klaviertrios spricht, dann gab es damals doch nur das Trio di Trieste. „Das war ja das Gute an der damaligen Situation. In Europa gab es vor allem das Trio di Trieste und in Amerika das Beaux Arts Trio – ganz grob gesagt. Später gab es dann uns, das Trio Fontenay und einige andere. Aber das war halt etwas später.“ In den 80er Jahren fanden viele Gründungen statt, oder? „Und jetzt kommen wahnsinnig viele junge Ensembles“, sagt Mendl, „früher gab es viel mehr die Besetzung von drei Solisten, die sich zum Trio zusammenschlossen, wie das ‚One Million Dollar Trio‘ in den USA, das aus Artur Rubinstein, Jascha Heifeitz und Gregor Piatigorsky bestand. Die festen Trios waren sehr monopolistisch. Wir wollten das aber unbedingt auch schaffen. Wir hatten den Anspruch, dass wir die Literatur für Klaviertrio so angehen wie ein Streichquartett, also zu einem großen Ganzen verschmelzen.“ Wie war denn die Situation in Wien selbst? „Nun, da gab es ein Haydn Trio, ein Schubert Trio, ein Beethoven Trio. Als wir dann überlegten, welchen Namen wir nehmen sollten, wollten wir nicht auch einen Komponistennamen wählen. Komischerweise gab es das ‚Wiener Klaviertrio‘ nicht. Es gab mal in den 60er Jahren kurze Zeit ein Trio, das sich ‚Junges Wiener Trio‘ nannte, mit Rudolf Buchbinder, Heidi Litschauer und Peter Gut. Aber der Name ‚Wiener Klaviertrio‘ ist nicht schlecht.“ Er lacht. Hat der Name zu Beginn nicht auch einschränkend gewirkt, da alle nur die Wiener Literatur von einem erwarten? Mendl: „Nein, das war eigentlich nicht der Fall. Das Schubert Trio Wien hatte es da schon schwieriger, da man von denen immer auch Schubert erwartete.“

Kammermusik-Entwicklungen


Wie war denn die Ausbildungssituation während des Studiums?


Den vollständigen Artikel lesen Sie in Ausgabe 1-2014 von ENSEMBLE.


 
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