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Leseprobe:

„Wir möchten die Kernidentität des Werks zum Ausdruck bringen.“

Armida Quartett

Von: Burkhard Schäfer

Joseph Haydn gilt als Vater des Streichquartetts. Sich auf ihn zu berufen, zumal als junges Streichquartett, liegt also nahe. Das dachten sich auch vier junge Musiker aus „gestandenen“ Musiker-Familien, die sich 2006 in Berlin zusammenfanden und seitdem eng mit Mitgliedern des Artemis Quartetts zusammenarbeiten. Für ihren Ensemble-Namen wählten sie aber keinen Begriff aus Haydns Quartett-Kosmos, sondern aus der Welt des Musiktheaters: „Armida“ heißt eine der bekanntesten Opern des Meisters, und dieser Name gefiel Martin Funda und Johanna Staemmler (Violinen) sowie Teresa Schwamm (Viola) und Peter-Philipp Staemmler (Violoncello) so gut, dass sie ihn auf ihre „Fahnen“ schrieben. Ihren Durchbruch erlebten die Musiker 2012. Sie gewannen nicht nur den ersten Preis beim ARD-Musikwettbewerb, sondern zugleich auch den Preis für die beste Interpretation eines Auftragswerks. Und wer das Glück hatte, das Armida Quartett live auf der Bühne zu hören, spürt: Hier sind nicht nur technisch hoch versierte Streicher am Werk, sondern vor allem vier begeisterungsfähige Musiker, die in der Lage sind, zum Kern der Werke vorzudringen. Im Oktober vergangenen Jahres erschien ihre Debüt-CD mit ausschließlich Werken des 20. Jahrhunderts von Bartók, Kurtág und Ligeti…

Ensemble: Auf Ihrer Debüt-CD spielen Sie Bartók, Kurtág und Ligeti. Ist das 20. Jahrhundert Ihr Schwerpunkt?

Teresa Schwamm: Die Musik des 20. Jahrhunderts ist tatsächlich wichtig für uns und etwas, das wir gerne machen. Aber wir möchten dem Publikum einen Ausschnitt aus der ganzen Bandbreite der Literatur präsentieren, weil uns das ebenso liegt. Wir wollen in unserem Repertoire von Haydn und Beethoven über die Romantik nichts missen. Außerdem sind wir in unseren Konzerten bisher immer für zeitgenössische Komponisten wie Kurtág gelobt worden. Egal, vor welchem Publikum wir spielten, oder ob die Veranstalter Angst vor diesem Programm hatten – das Publikum war immer restlos begeistert von dem modernsten Teil des Programms.

Ensemble: Ein junges Quartett wie Sie tritt immer in die Fußstapfen der großen Vorgänger. Wie nähern Sie sich wieder neu den klassischen Werken an?

Johanna Staemmler: Man kann als Musiker die Zuhörer immer nur so stark berühren, wie man sich selbst berühren lässt. In dem Moment, wo man dazu fähig ist, ergibt sich eine fruchtbare Symbiose. Dabei die anderen Interpretationen zu kennen, ist kein Hindernis. Musik ist eine Sprache. Dort verhält es sich wie beim Sprechen: Jeder, der den Mund aufmacht, klingt anders. Dadurch, dass es im Streichquartett vier Leute sind, die zusammenkommen, ist es nochmals komplexer und kann sogar noch einzigartiger werden.

Peter-Philipp Staemmler: Das ist ja das Schöne beim Streichquartett, dass es nie gleich klingt. Selbst wenn man sich darum bemühen würde, das Gleiche zu machen, würde man es nicht hinbekommen. Die Werke der klassischen Musik sind so reich, dass es für Millionen Jahre reicht und jeder Künstler noch etwas Neues dazu sagen kann. Ein Gemälde kann man nicht so interpretatorisch frei nachzeichnen. In der Musik hat aber jeder die Möglichkeit, seinen eigenen Gedankenweg und seine eigene Tonsprache mit einzubringen.

Ensemble: Sie haben Ihr Quartett 2006 gegründet und können auf prominente Unterstützung im Hintergrund zählen …

Johanna Staemmler: Neben der Geigerin Tabea Zimmermann ist Natalia Prishepenko noch als wichtige Förderin aus dem ehemaligen Artemis Quartett zu nennen. Das gesamte Artemis Quartett hat uns geprägt. Auch Günter Pichler vom legendären Alban-Berg-Quartett ist jemand, an dem man heute fast nicht vorbeikommt, wenn man ein Streichquartett professionell aufzieht. Mit ihm stehen wir noch in einer freundschaftlichen Verbindung. Wir schätzen seine Meinung sehr. Beim Arditti Quartett durften wir in Paris ebenfalls einen fantastischen Meisterkurs besuchen. Eine tolle Erfahrung!

Ensemble: Durch den Gewinn des ARD-Musikwettbewerbs 2012 in der Kategorie Streichquartett haben Sie ja einen großen Popularitätsschub erfahren. Wo steht das Armida Quartett heute?

Teresa Schwamm: Wir erleben gerade die Übergangsphase vom Studentenleben in den sozusagen offiziellen Quartett-Alltag. Es ist unser Wunsch, Streichquartett auf höchstem Niveau zu spielen und davon leben zu können. Das ist zugegebenermaßen ein sehr hoher Anspruch, wenn man sieht, wer das alles macht. Es wäre hart für uns, wenn wir uns diesen Herzenswunsch versagen müssten. Deshalb können wir uns nur in das Abenteuer hineinstürzen und sagen: Wir werden das schon schaffen und dem Publikum wird es hoffentlich gefallen, wie wir das machen. Das ist unsere Inspiration.

Ensemble: Was bedeutet dieser Wechsel für Sie in der Praxis?

Johanna Staemmler: Man muss lernen, von der studentischen Sicht wegzugehen und zu sagen: Das, was wir können, ist gut. Der Gewinn des ARD-Musikwettbewerbs ist tatsächlich nun bereits mehr als ein Jahr her und auch wenn wir noch etwas auf dieser Wolke schweben, konnten wir durch unsere Konzertauftritte unser Profil als Quartett gemeinsam schärfen. 

Peter-Philipp Staemmler: Wir haben jetzt nicht den Anspruch, andere Quartette zu übertrumpfen, sondern möchten einfach das Publikum und die Veranstalter so ansprechen, dass sie begeistert sind und uns noch einmal einladen.

Ensemble: Welche Aufgabe, welches Ziel haben Sie sich als Ensemble gesetzt?

Martin Funda: Es ist unsere vornehmste Aufgabe, das Werk eines Komponisten so verständlich rüberzubringen, dass wir es nicht nur selbst fühlen, sondern das Stück interpretatorisch dergestalt in Töne übersetzen, dass seine Kernidentität für alle hörbar zum Vorschein kommt.

Ensemble: Wo finden Sie die Inspiration, um Ihre ureigenen Interpretationen zu stemmen?


Das gesamte Interview lesen sie in der Ausgabe 2-2014 von ENSEMBLE.
 
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