2 / 2005 PDF Drucken E-Mail

Image Ausgabe 2 / 2005

  Inhalt

 

Diese Ausgabe ist leider vergriffen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

Leseprobe:

Privates Musizieren mit anderen

Die Organisation AMATEUR CHAMBER MUSIC PLAYERS in den USA


Von: Carsten Dürer


Stellen Sie sich vor: Sie spielen ein Instrument, nicht professionell, aber voller Liebe und mit viel Spaß. Aber Sie suchen beständig Partner, mit denen Sie gemeinsam musizieren können. Auf einem gemeinsamen Niveau, gleichgültig welches Alter ihre Partner haben mögen. Nun stellen Sie sich zudem vor, Sie sind oft unterwegs, geschäftlich in Ihrem Beruf, sind es aber müde, immer abends allein im Hotelzimmer zu sitzen, sondern hätten viel mehr Spaß daran, sich Ihrer Liebe, Ihrem Instrument und der Musik, zu widmen. Aber wie in einer Stadt, in der Sie niemanden kennen, in der Sie allein sind? Ebenso ging es den Begründern einer interessanten Initiative in den USA. Daraus entstand die „Amateur Chamber Music Player“ Inc. Als wir in New York diese Organisation besuchten, fanden wir die Antwort auf das Wieso und Wie.

Das bescheidene Büro der Amateur Chamber Music Players Inc. (kurz ACMP). liegt mitten in Manhattan. Daniel Nimetz, der Geschäftsführer von ACMP, ist momentan der Einzige, der neben dem heute agierenden Aufsichtsrat die Fäden der zahlreichen Mitglieder von diesem kleinen Büro aus in der Hand hält. Doch schnell wird deutlich, dass dieses Unternehmen ein so genanntes Non-Profit-Unternehmen ist, das nicht aktiv daherkommt, sondern nur die Grundlagen für die Idee des Unternehmens bereitstellt und organisiert. Doch zuerst ein paar Worte zu den angesprochenen Gründern. Bereits 1947 dachte sich der Geschäftsmann Leonard Strauss, der aufgrund seiner Tätigkeit vielfach auf Reisen durch die USA war, dass es besser wäre, nicht allein im Hotelzimmer sein Instrument zu spielen und zu üben, sondern mit anderen Musikern zu spielen, vielleicht in einem Streichquartett. Er setzte sich mit einigen Freunden zusammen, um eine kleine Gruppe zu bilden, sich auszutauschen. Dies wiederum hörte Helen Rice, eine ambitionierte Geigerin, die diese Idee grandios fand und in dieselbe Richtung dachte. Bei einem Zusammentreffen in ihrem New Yorker Appartement wurde eine Organisation geboren, die bald schon eine Liste von Amateur-Musikern aus dem ganzen Land verschickte. „Wir haben allerdings niemals viel getan“, sagt Daniel Nimetz heute, „alles, was wir wirklich tun, ist ein Verzeichnis zu drucken, das alle unsere Mitglieder verzeichnet.“ Das klingt einfach, und die Idee ist ebenso einfach wie wirksam. „Jedes Jahr publizieren wir ein neues Verzeichnis, das an alle Mitglieder von ACMP verschickt wird“, erklärt Nimetz. Dabei gibt es ein Verzeichnis für die Vereinigten Staaten von Amerika sowie eines für alle anderen Staaten. Nimetz: „Ursprünglich ist unsere Organisation zwar eine für Nordamerika, aber über die Jahre haben wir Mitglieder aus nahezu 54 anderen Staaten hinzubekommen.“ Dass die Mitglieder aus den anderen Ländern in die USA reisen, ist eher selten, vielmehr scheint es so, dass die Mitglieder aus den USA eher die Listen aus anderen Ländern nutzen, wenn sie auf Reisen sind. Das Buch für Nordamerika ist ein in der aktuellen Ausgabe 200 Seiten starkes Buch im Letter-Format, das internationale umfasst gerade einmal 45 Seiten. Doch allein ein Verzeichnis von Namen würde nicht ausreichen: „Wir verzeichnen die Mitgliedernamen nach den unterschiedlichen Bundesstaaten alphabetisch. Dabei wird selbstverständlich auch gesagt, welches Instrument der jeweilige spielt, da man ja in der Regel eine bestimmte erwünschte Besetzung zusammenbekommen will. Und dann ist da noch die Angabe über die Fähigkeit des Mitgliedes. Es ist absolut nicht wissenschaftlich, aber es funktioniert.“ Es gibt eine selbst zu benennende Einordnung des eigenen Könnens von A bis D, also vier Kategorien: „Letztendlich will man als ambitionierter Spieler seinen Abend nicht damit verbringen, Anfängern zu erklären, wie Sie ihr Instrument halten sollen, sondern man möchte so schnell als möglich musizieren.“ Doch Nimetz gibt auch zu, dass durch die Selbsteinordnung niemals das tatsächliche Können eingeschätzt werden kann: „Einige sehen ihr eigenes Können in einem anderen Licht, als man es objektiv beurteilen würde.“ Und so kann es schon einmal passieren, dass jemand, der sich als B „gut“ einordnet, aber eher in die Rubrik C „fair“ gehören würde. Zwar gibt ein Informationsblatt der ACMP deutliche Hinweise, was die einzelnen Rubriken für eine Bedeutung haben, welches Können man aufweisen sollte, um sich in eine bestimmte Rubrik einzuordnen, dennoch sieht die Praxis von Zeit zu Zeit anders aus. In der Regel funktioniert diese Angabe recht gut und lässt durch die Bezeichnungen Plus und Minus zusätzliche Feineinordnungen zu. Schließlich gibt es auch noch die Rubrik „Pro“, die die professionellen Musiker bezeichnet, die auf ihren Reisen vielleicht auch einmal Lust verspüren, sich mit hervorragenden Amateur-Musikern zum kammermusikalischen Spiel zu treffen.

Und das war es auch schon, was die ACMP für die Mitglieder unternimmt. Aber wie wird man Mitglied in dieser Gemeinschaft? „Ganz einfach: Man füllt ein Blatt aus, und das war es schon“, sagt Nimetz. Es kostet kaum etwas, Mitglied in dieser Kammermusik-Gesellschaft zu sein: „Bis vor einigen Jahren haben wir immer wieder nach einer freiwilligen Gebühr gefragt. Doch letztendlich zahlen einige mehr als gewöhnlich und andere über viele Jahre gar nichts. Da dieses System also unfair war, haben wir nun eine Art Mitgliedsbeitrag eingeführt, der bei ungefähr 25 US-Dollar liegt. Allerdings fragen wir nur nach diesem Betrag und schauen auch, ob von den jeweiligen Mitgliedern Geld auf unserem Konto eingegangen ist, aber erst, wenn ein Mitglied mehr als vier Jahre nicht gezahlt hat, wird es aus dem Verzeichnis gestrichen.“

Das Bemerkenswerte: Diese Organisation wächst beständig: „Wir haben niemals irgendwelche Werbemaßnahmen unternommen, und dennoch haben wir bereinigt immer noch einen Zuwachs von fast 250 neuen Mitgliedern pro Jahr“, sagt Nimetz. Bereinigt meint hier, dass verständlicherweise immer wieder viele Mitglieder umziehen, ohne ihre neue Adresse zu nennen, austreten oder aber sterben. Insgesamt gibt es zwar bis zu 400 Neuanmeldungen pro Jahr, aber nachdem man die Adressen der bereits bestehenden Mitglieder überprüft hat, bleiben 250 übrig. Ein bemerkenswerter Wert, bedenkt man, dass diese Musiker alle Kammermusik spielen, dass die meisten aktiv mit ihrem Instrument sind. Und die Gesamtzahl der Mitglieder in den USA liegt momentan bei ungefähr 4.000, die der Amateurmusiker in anderen Ländern bei ca. 950. Fast 5.000 enthusiastische Musiker, die gerne mit anderen Kammermusik spielen. Nimetz, selbst leidenschaftlicher Amateur-Hornist, spielt seit vielen Jahren in New York mit immer wieder anderen Musikern zusammen, ist überzeugt von der Idee der Organisation, die er leitet. Warum die Mitgliederzahl beständig steigt, erklärt sich Nimetz recht einfach: Wir bilden mittlerweile immer mehr Musiker aus, ohne dass wir ihnen einen Arbeitsplatz bieten können. So üben später viele gut ausgebildete Musiker einen anderen Beruf aus, wollen aber ihre Liebe zur Musik nicht vollkommen aufgeben. So wird es wohl immer mehr gut spielende Amateur-Musiker geben.

Mittlerweile ist die Web-Site der Organisation eines der wichtigen Standbeine. Hier melden sich zahlreiche Mitglieder nicht nur an, sondern nutzen auch das Internet anstatt der gedruckten Version des Verzeichnisses. Denn als Mitglied erhält man einen Zugangs-Code auf die Datenbank, in der man dann nach allen Kriterien suchen kann. So also nach dem Instrument, mit dem man zusammen musizieren will, dem Grad des Könnens, dem Wohnort und so weiter. So ist eine schnelle, eine effektivere Suche möglich als über das Verzeichnis.

Wie es in der Praxis funktioniert

Das Erste, was man tun muss, ist sich zu überwinden, um einen wildfremden Menschen anzurufen und zu fragen, ob er mit einem musizieren möchte. Doch dieser Fremde hätte sich nicht in dem Verzeichnis als Mitglied eintragen lassen, wenn er kein Interesse daran hätte. Nun muss es allerdings weiter gehen. Denn hat dieser gerade keine Zeit, muss man weitere Alternativen aus dem Verzeichnis anrufen. Da selbstverständlich auch Pianisten verzeichnet sind, ist der Griff als Streicher oder Bläser zu diesen Personen am sichersten, kann man doch als Duo immer schon kammermusikalisch spielen. Will man ein Trio oder ein Streichquartett zusammenbekommen, dann sollte man bereits den Ersten, den man anruft, auch immer gleich fragen, ob er in seiner Stadt Empfehlungen aus dem Verzeichnis hat oder eventuell eh mit festen Freunden musiziert. „Leider ist es oftmals so, wie wir erfahren haben, dass sich einige unserer Mitglieder zu solch festen Ensembles zusammengefunden haben, dass sie nur noch ungern mit Fremden spielen“, erklärt Nimetz eine eher negative Entwicklung einer guten Idee. „Das ist natürlich entgegen der eigentlichen Grundidee unserer Organisation.“ Insgesamt aber funktioniert das Netz, das sich über die vielen Jahre gespannt hat, hervorragend. Dies liegt letztendlich auch an der immer ausgefeilteren Information, die man aus dem Verzeichnis erhält. Denn letztendlich ist dort auch angegeben, falls das Mitglied eine andere Sprache spricht, oder an welchen Wochentagen es gerne musizieren möchte, da es an den anderen wohl beruflich stark eingebunden ist.

Weitere Aktivitäten

Neben dem Versand der Verzeichnisse allerdings gibt es noch weitere Aktivitäten, die den Mitgliedern das Zusammenspiel wie die Weiterbildung erleichtern und ermöglichen sollen. So hat ein Mitglied, Ted Rust, mit seinem Verzeichnis „Music for the Love of it“ einen weiteren wichtigen Servicegedanken in die Tat umgesetzt: In diesem Verzeichnis für die Mitglieder von ACMP sind alle Musik-Workshops für Erwachsene in Nordamerika innerhalb des Sommers verzeichnet. Dort können auch Amateure sich einschreiben und an Workshops und Meisterklassen mit professionellen Musikern teilnehmen. Da viele der Mitglieder längst pensioniert sind, weiß Nimetz von vielen, die ihren ganzen Sommer nach diesen Festivals verplanen. Eine Version für die entsprechenden Workshops in Europa ist ebenso zu erhalten. Für diese Broschüre wird allerdings eine Gebühr verlangt, da Ted Rust diese auf eigene Anstrengung anfertigt.

Drei Mal pro Jahr wird zudem ein vier- bis sechsseitiger Newsletter erstellt und an alle Mitglieder versand. Auf diese Weise hält man Kontakt seitens der Organisation zu den Mitgliedern, während man sie ansonsten sich selbst und ihrem eigenen Organisationstalent überlässt.

Alle paar Jahre organisiert die ACMP zudem mit der „Chamber Music Society of Lincoln Center“ eine Reihe von Kammermusikkursen für ihre Mitglieder. Hier werden dann die Amateure von Profis unterrichtet. Allerdings sind diese Kurse recht teuer, da die Profis natürlich diese Arbeit nicht kostenfrei unternehmen.
Ausblicke

Wie es sich mit ACMP weiterentwickelt: Nun, in zahlreichen Ländern gibt es mittlerweile eigene Organisationen nach dem amerikanischen Vorbild. Und selbstverständlich hilft die ACMP bei Fragen und liebt es, mit anderen Organisationen, die dieselbe Idee verfolgen, zu kooperieren. Allerdings will man keine Schwester- oder Tochterunternehmen aktiv gründen. „Aber wir haben in Belgien oder beispielsweise in Südafrika mittlerweile Kontakt zu ähnlichen Einrichtungen, die sich zum Teil sogar als Ableger von ACMP bezeichnen, was allerdings nicht wirklich der Wahrheit entspricht“, sagt Nimetz.

Bemerkenswert ist, das es ausgerechnet in Deutschland, einem Land mit vielen interessierten Laien- und Amateurmusikern, noch keine eigene Organisation gibt. Blickt man in das internationale Verzeichnis der Mitglieder der ACMP, fällt schnell auf, dass in Europa gerade Deutschland die meisten Einträge ausmacht.

_________________________________________________________

Kontakt:
Amateur Chamber Music Players Inc.
1123 Broadway / Room 304
New York, NY 10010-2007
Tel.: 001 / 212 / 645-7424
Fax: 001 / 212 / 741-2678

www.acmp.net

Informationen zum Verzeichnis der Workshops für Erwachsene unter:
Tel.: 001 / 866-300-3859
www.musicfortheloveofit.com

 
< zurück   weiter >
JSN ImageShow - Joomla 1.5 extension (component, module) by JoomlaShine.com
JSN ImageShow - Joomla 1.5 extension (component, module) by JoomlaShine.com
JSN ImageShow - Joomla 1.5 extension (component, module) by JoomlaShine.com
JSN ImageShow - Joomla 1.5 extension (component, module) by JoomlaShine.com
JSN ImageShow - Joomla 1.5 extension (component, module) by JoomlaShine.com
JSN ImageShow - Joomla 1.5 extension (component, module) by JoomlaShine.com