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Leseprobe:

Edelklang in Edelambiente

Der Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses in Bonn


Von: Carsten Dürer

Der Anfang liegt weit zurück: Im Jahre 1889 gründete sich in Bonn ein Verein mit zwölf namhaften Bürgern (darunter auch der weltberühmte Geiger Joseph Joachim), der es sich zum Ziel machte, das Geburtshaus von Ludwig van Beethoven zu erhalten. Das baufällige, kurz vor dem Abriss stehende kleine Haus in der heutigen Bonngasse konnte glücklicherweise gerettet werden. Heute ist es ein Museum. Von Anbeginn wurden hier Kammerkonzerte veranstaltet. Doch erst im Jahre 1989, als der Verein sein hundertjähriges Bestehen feierte, wurde dann ein Traum realisiert: die Eröffnung des Kammermusiksaals im Beethoven-Haus Bonn. Um uns einen Eindruck über die Aktivitäten in diesem außergewöhnlichen Saal zu machen, besuchten wir den Kammermusiksaal und sprachen mit den beiden Leiterinnen des Saals, Ursula Timmer und Martella Gutiérrez-Denhoff.

Schon 1890 hatte der Verein ein großes Kammermusikfest veranstaltet, dem in den folgenden Jahren weitere folgten. Diese gehörten bis ins Jahr 1956 zu einem festen Bestandteil des Bonner Kulturlebens. Dann aber wurde es ernst. Der langjährige Vorsitzende des Vereins, Hermann J. Abs, hatte schon lange auf ein eigenes Haus im Namen Beethovens in Bonn hingearbeitet. Seiner Willenskraft und der finanziellen Unterstützung eines Teils aus seinem Vermögen war die letztendliche Umsetzung eines eigenen Gebäudes und des neuen Saals zu verdanken. So wundert es nicht, dass der vollständige Name des Kammermusiksaals „Kammermusiksaal Hermann J. Abs im Beethoven-Haus Bonn“ lautet.

Neben dem Kammermusiksaal trägt der Verein auch noch das Geburtshaus als Museum, eine eigene Bibliothek, eine Forschungsstelle, ein Archiv und einen eigenen Verlag.

Am 24. Februar 1989 war es dann so weit: Der neue Saal wurde eingeweiht. Und seither gilt er als eine der ersten Adressen für Kammermusik in Deutschland. Das liegt nicht allein am Programm, das in der Verantwortung der beiden Leiterinnen Ursula Timmer und Martella Gutiérrez-Denhoff steht, sondern auch in der ungewöhnlichen wie edlen Architektur. Der Kölner Architekt Thomas van den Valentyn (er sollte später auch den Saal des Musik-Gymnasiums in Weimar bauen) schuf in der schwierigen räumlichen Vorgabe ein Kleinod, das klanglich wie optisch zum Feinsten gehört, was man sich vorstellen kann. Das Grundstück verjüngt sich nach hinten, so dass man von der Frontseite erkennt, dass zwischen dem Gebäude des Saals und dem Geburtshaus Beethovens ein anderes Gebäude diese beiden voneinander trennt. Doch betritt man den Saal, der in seiner Bauweise einem antiken Amphitheater nachempfunden ist, dann kann man aus dem Fenster in den Garten des Geburtshauses blicken. Und man muss dem Architekten zustimmen, wenn der sagt: „Durch die Drehtür betritt der Besucher abrupt eine andere Welt.“ Edle Materialien wie Marmor und Holz herrschen vor. Nicht mehr als 199 Sitzplätze umfasst der Saal. Eine intime Atmosphäre wird zwischen Künstlern und Publikum heraufbeschworen, die dem Begriff der Kammermusik alle Ehre macht.

Organisation und Programme

„1989/1990 begann dann die erste Saison“, erzählt Martella Gutiérrez-Denhoff, „doch zuvor gab es schon einige Eröffnungskonzerte, die mit ihrem Programm bereits eine Art der Zielrichtung festgelegt haben.“ Der Bezug zu Beethoven war keine zwingende Maßgabe für die Auswahl der Programmatik: „Durch Konzerte mit Neuer Musik war die Idee ja eigentlich von sich aus schon geöffnet. Kammermusik an sich – auch so wie sie heute entsteht – hat in diesem Saal einen idealen Ort. Das war eigentlich die Aussage. Und wenn man mit Beethoven die Brücken finden will, dann war Beethoven ja auch schon jemand, der mit seinen Werken die Sicht geöffnet hat, zu Neuem und zu dem, was noch kommen sollte.“ Doch die Moderne im Programm macht nur einen kleinen Teil aus. Alles, was kammermusikalisch an Musik ausgeübt wird, hat in diesem Saal einen Platz, sei es kammermusikalischer Jazz oder auch volksnahe Musik mit exotischen Instrumenten und Künstlern aus außereuropäischen Ländern.

„Angefangen haben wir allerdings mit der klassischen Kammermusik“, erklärt Ursula Timmer, „ein Bezug zu Beethoven sollte in den unterschiedlichen Reihen schon da sein, aber es war kein Zwang.“

Die Außenwirkung des Kammermusiksaals in Bonn, einer nicht allzu großen Stadt, reicht von Koblenz bis nach Leverkusen und Köln, und teilweise auch bis nach Düsseldorf. „Weniger kommen aus dem Ruhrgebiet“, erwähnt Frau Timmer noch. Das mag daran liegen, dass die Konkurrenz an Kammermusiksälen in den genannten Regionen eher mager ist. Doch allein mit dem Saal, seiner einzigartigen Akustik und dem Ambiente wollen die beiden Organisatorinnen das große Einzugsgebiet nicht erklärt wissen. „Es liegt auch an dem ausgefallenen Programm in unserem Saal“, sagt Martella Gutiérrez-Denhoff. „Natürlich haben wir auch zahlreiche Einmietungen. So veranstaltet die Stadt Bonn hier eine Konzertreihe, und auch die Musikschulen und andere Veranstalter kommen zu uns. Das sind also eher die Standardprogramme. Wir haben dagegen eher die ausgefallenen Konzerte, zu denen auch die mit Neuer Musik gehören.“ Und Ursula Timmer sagt: „Es gibt – so glaube ich, wenn es um die Alleinstellungsmerkmale unseres Saales geht – zwei Facetten. Natürlich ist es zum einen die Architektur, die kleine Größe und die Eignung für die Kammermusik, die Intimität. Aber auf der anderen Seite könnte man solch einen Saal nicht füllen, wenn das Programm nicht gut wäre. Wir versuchen, dass die Konzerte der Gegebenheit des Saales entsprechen, auf einem sehr hohen Niveau.“ So sind die Konzerte sehr selten diejenigen, die man auch in den umliegenden Städten hören kann. Die Künstler kommen gerne, da die intensive Kontaktfindung mit dem Publikum in „kammermusikalischer“ Ausprägung hier leicht zu realisieren ist. Eine Nachhallzeit von gemessenen 1,4 bis 1,5 Sekunden schafft dafür die entsprechende direkte Klanglichkeit von der Bühne. „Zudem ist es für viele der Künstler ein besonderes Gefühl hier zu spielen, da sie wissen, dass unterhalb des Saales der große Tresorraum des Archivs ist, in dem die Handschriften und Manuskripte lagern“, gibt Ursula Timmer zu bedenken. Namen der Künstler sollte man gar nicht erst versuchen, aufzuführen: Fast alle Ensembles waren hier schon einmal in den vergangenen 15 Jahren seit Bestehen des Saales zu Gast.

Die Auslastung spricht für sich: 88 Prozent Auslastung, auch wenn man bedenken muss, dass der Saal nur 199 Sitzplätze bietet. „Am Anfang musste sich der Saal erst einmal etablieren“, erinnert sich Ursula Timmer, „dann gab es eine Zeit, in der etliche Konkurrenz-Veranstalter Kammermusik in Bonn betrieben, so dass die Zahlen rückläufig waren.“ Mittlerweile hat der Besucherstrom wieder zugenommen. „Als der Zustrom vor vielen Jahren besonders hoch war, stellten sich Gerüchte ein, dass viele der Konzerte immer ausverkauft seien, und dadurch kamen viele Interessierte erst gar nicht zu den Konzerten“, erklärt Martella Gutiérrez-Denhoff. Circa 80 Konzerte sind es momentan in der Saison, „Tendenz steigend“, sagt Timmer, „da auch immer mehr im Sommer Veranstaltungen gebucht werden.“ Dabei sind die Fremdveranstalter mit einbezogen. Der Träger des Saales, der Verein des Beethoven-Hauses, der gemeinsam mit der Stadt, dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Bund die finanzielle Seite des Saales trägt, veranstaltet immerhin zwischen 35 bis 40 Konzerte selbst. Dabei sind die Konzerte wirklich kammermusikalisch, das bedeutet vom Duo bis zum Nonett. Auch Klavier-Solo-Konzerte finden hier natürlich statt. Doch die Kammermusik steht im Vordergrund. „Es macht einfach nicht so viel Sinn, größere Ensembles einzuladen. Die Bühne ist einfach nicht so groß und auch akustisch ist der Saal für größere Gruppierungen nicht geeignet“, sagt Ursula Timmer.

Man spürt, dass die beiden Leiterinnen sich beständig Gedanken um die programmatische Konzeption machen. „Es ist eigentlich so, dass wir die Programme selbst gestalten. Es ist eher selten, dass wir vorgegebene Programme einkaufen. Wir sprechen da sehr intensiv mit den Agenturen und Künstlern, da wir etwas Besonderes bieten wollen. Hier wird alles geboten: Neue Musik, klassische Konzerte, soll heißen solche mit Werken, die eher allgemein bekannt in der Kammermusik sind, Jazz, Weltmusik, historische Aufführungspraxis sowie Programme speziell für ein junges und kindliches Publikum. Insgesamt gibt es sechs feste Reihen: Kammerkonzerte (arrivierte Künstler), Beethoven International, Young Stars (junge aufstrebende Künstler), „Aus Beethovens Zeit“ ist eine weitere Reihe mit historischen Instrumenten, „Aspekte“ heißt die für Neue Musik, Kinderkonzerte sowie den Tauf- und Todestag Beethovens, der jeweils mit einem Konzert pro Jahr gewürdigt wird. Daneben macht hier auch die Klavierkonzert-Reihe „Best of NRW“ mit jungen Pianisten Station und es gibt einen Klavier-Sommer. Zwischendurch gibt es davon ausgenommen kleine thematische Zyklen und Festivals.“

Aufgrund der gewachsenen Programme vertraut die Besucherschaft den Leiterinnen, den Programmen. Viele Zuhörer kommen, obwohl sie die Künstler oder die Werke auf den Programmen nicht kennen: „Man vertraut uns, dass wir Konzerte auf hohem Niveau veranstalten. Und so kommt der Konzertgänger, der eigentlich weniger mit Jazz zu tun hat, auch einmal in ein Jazz-Konzert in unserem Haus – und anders herum.“ Fast ist hier das Ideal erreicht: dass nicht die Namen gelten, sondern die Qualität der Musik, gleichgültig aus welchem bereich sie nun stammen mag.

Die Kartenpreise sind akzeptabel: Einige Konzerte kosten 19,- EUR (erm. 11,- EUR), die anderen dagegen 14,- EUR (erm. 9,- EUR).

Eines ist sicher: Wer einmal den Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses besucht hat, dort einem intensiven kammermusikalischen Erlebnis beiwohnen konnte, der will auch wiederkommen, will die Atmosphäre, die klangliche wie die architektonische, will Künstler hautnah erleben. Dieser Saal ist ein Kleinod, das man kennen muss.

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Kontakt:
Kammermusiksaal Hermann J. Abs
Bonngasse 24-26
53111 Bonn
Telefon: 49-(0)228-98175-15
Telefax: 49-(0)228-98175-24
www.beethoven-haus-bonn.de

 
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