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Leseprobe:

Zielbewusste Entwicklung

Haydn Trio Eisenstadt


Von: Carsten Dürer

Klaviertrios gibt es immer mehr, auch erfolgreiche. Doch selten findet man ein Klaviertrio wie das Haydn Trio Eisenstadt, das sich seit seinem Bestehen zielstrebig mit CD-Einspielungen und Auftritten so vehement auf das Haydn-Jahr 2009 vorbereitet hat. Kaum eine Kammermusik mit Streichern von Joseph Haydn, die dieses Klaviertrio nicht schon aufgeführt oder eingespielt hat.

So sind die Klaviertrios, die Divertimenti oder soeben alle 429 Schottischen Volksliedbearbeitungen von diesem Trio auf CD gebannt worden. Und im kommenden Jahr nun stehen fast 150 Auftritte vor der Tür. Hat sich der Aufwand gelohnt? Wie bereitet man sich so zielstrebig auf die Werke eines einzelnen Komponisten vor? Wir trafen das Trio, das aus Harald Kosik (Klavier), Verena Stourzh (Violine) und Hannes Gradwohl (Violoncello) besteht, zu einem Gespräch.

Ensemble: Sie haben ja alle drei in Wien studiert und sich dort wohl auch kennen gelernt ...

Hannes Gradwohl: ... nein.

Ensemble: O.k., wie war das dann?

Hannes Gradwohl: Nachdem wir alle drei gebürtig aus Eisenstadt sind, haben wir uns auch alle gekannt. Und wir waren dann alle auf der Hochschule in Wien. Als mein Bruder dann als Geiger aus dem Trio ausgetreten ist, kam Verena dann dazu. Sie war eine Empfehlung unseres damaligen Agenten, denn wir kannten sie gar nicht. Sie hat dann ein Probespiel bei uns gemacht und ist seither bei uns.
Ensemble: Sie sind also auch aus Eisenstadt, Frau Stourzh?

Verena Stourzh: Nein, ich komme aus Wien und hatte bis dahin auch nichts mit Eisenstadt zu tun – und jetzt sehr viel. 1998 kam ich ins Trio. Das heißt, dass das Trio schon sechs Jahre mit Bernd Gradwohl existierte, bevor ich einstieg.

Ensemble: Daher kommt also auch der Name!

Harald Kosik: Ja, richtig. Wenn man in Eisenstadt aufgewachsen ist und dort auch immer wieder auftritt, dann hat man zwangsläufig immer wieder mit Haydn zu tun. Wir haben auch Haydn immer ganz gut gespielt, also ich die Klaviersonaten, Hannes die Cellokonzerte, und auch die Kammermusik. Ich dagegen habe eigentlich sehr wenig Kammermusik von dem Trio gespielt, muss ich zugeben. Damals hat mich das gar nicht interessiert. Ich bin eigentlich erst 1992 durch die zwei anderen zur Kammermusik gekommen. Ich wusste bis dahin gar nicht, dass es Klaviertrio gibt.

Ensemble: Das nehme ich mal als Witz ...

Verena Stourzh: Na ja, damals war er wirklich noch sehr jung. [alle drei lachen]

Harald Kosik: Nein wirklich, ich habe bis zu meinem 24. Lebensjahr keine Kammermusik gespielt.

Ensemble: Im Studium muss man doch zwangsläufig Kammermusik spielen, oder?

Hannes Gradwohl: Genau, das war auch dann der Grund, im Trio zu spielen. Mein Bruder und ich haben ein Konzert mit irgendeinem Pianisten vorbereitet. Der ist dann krank geworden. In diesem Moment sind wir auf Harald zurückgekommen, in der Erinnerung, dass der ja eigentlich ganz gut Klavier spielt. [schmunzelt] Das hat ziemlich viel Spaß gemacht und wir haben uns dann relativ schnell entschieden, das weiterzumachen.

Ensemble: Das heißt also, der Wunsch, Klaviertrio zu spielen, kam von Ihnen, wurde also nicht durch irgendeinen Lehrer initiiert oder vorangetrieben?

Hannes Gradwohl: Eigentlich das Gegenteil. Nachdem wir sehr viel Zeit in die Kammermusik investiert haben, haben wir uns im Konzerthauptfach ziemlich stark arrangieren müssen. Das wurde aber gar nicht gerne gesehen, dass man sich so früh schon spezialisiert, vor allem, nachdem für die Streicher auf der Wiener Hochschule das Ziel ist, in einem der Wiener Orchester unterzukommen.

Ensemble: Sie haben also auch die ganze Zeit in Wien studiert, Frau Stourzh?

Verena Stourzh: Ja, aber ich habe auf dem Konservatorium in Wien studiert – und habe aber auch erst später zur Kammermusik gefunden. Ich hatte sogar schon eine Orchesterstelle im Tonkünstler-Orchester gehabt, als Stimmführerin der ersten Geigen. Eigentlich ein schöner Job, aber ich habe nach ein, zwei Jahren gemerkt, dass ich ganz schnell abzubauen beginne. Daher wollte ich nicht im Orchester bleiben und habe gekündigt.

Ensemble: „Abbauen“ meinen Sie in welcher Hinsicht?

Verena Stourzh: Tonlich, intonationsmäßig, persönlichkeitsmäßig, rundherum baut man ab, man wird bequem.

Ensemble: Und dann begannen Sie also auch schon vor dem Haydn Trio Eisenstadt, Kammermusik zu spielen?

Verena Stourzh: Ja, ich hatte auch schon ein Klaviertrio, aber nur anderthalb Jahre.
Ensemble: Wenn man Ihren Werdegang aber genauer nachverfolgt, dann scheint es so, dass es mit dem Wechsel zur neuen Besetzung 1998 auf einmal etwas besser voranging, oder täuscht das? Oder war das doch eher ein fließender Prozess? Anders gefragt: Gab es da plötzlich irgendwann einen Punkt, wo man sich auf das Trio konzentrieren konnte und nichts nebenbei?

Harald Kosik: Wir haben ja eh ein Problem durch den Wechsel gehabt. Wir hatten plötzlich alles, was wir gelernt hatten, neu zu lernen. Also haben wir für fast zweieinhalb Jahre gar nicht groß nach außen posaunt, dass es uns überhaupt gibt. Wir haben uns eingeigelt und an unserem Sound und Repertoire gebastelt. Dann allerdings ist es tatsächlich plötzlich schneller nach oben gegangen. In dem Moment, als wir begonnen haben, die Haydn-CD-Serie weiter zu verfolgen, ging es los. Zuvor hatten wir ja schon CDs der Trios eingespielt, mit Bernd Gradwohl.

Ensemble: Sie sprechen also von dem Zeitraum von 1998 bis ca. 2001?

Harald Kosik: So ungefähr. Und dann ist parallel dazu auch die Idee und die Kenntnis der schottischen Volkslieder zum Tragen gekommen. Und so ging es gut vorwärts.

Ensemble: Sie haben niemals irgendetwas neben dem Klaviertrio gemacht?

Harald Kosik: Nun, unterrichten tun wir schon.

Hannes Gradwohl: In ganz geringem Ausmaß allerdings.

Harald Kosik: Das ist halt wichtig, um sich abzusichern, falls irgendetwas passiert und man die Kammermusik nicht mehr ausüben kann. Ich glaube auch, dass es nur ganz wenige Kammermusiker gibt, die nicht unterrichten.

Ensemble:Wie ist organisatorisch möglich, wenn Sie ständig unterwegs sind?

Verena Stourzh: Nun, wir haben schon einige Freiheiten, da man uns gerne als Unterrichtende hat. Und so können wir auch konzentriert den Unterricht verlegen. Und im kommenden Jahr wollen wir eh ein Jahr lang mit dem Unterrichten aussetzen.

Ensemble: Wann haben Sie denn eigentlich offiziell Ihren Abschluss in Wien gemacht?

Harald Kosik: Also ich habe noch keinen Abschluss gemacht, ich wurde beendet, würde ich eher sagen.

Ensemble: Was bedeutet das?

Harald Kosik: Nun, der Konzertfachlehrer hat es nicht gerne gesehen, dass ich nun so viel Kammermusik mache. Für mich persönlich war der Abschluss auch nicht mehr wichtig, denn wir haben uns so früh entschieden, Kammermusik zu spielen, dass es keine Rolle mehr spielte. Und bei Hannes war es genauso, der Lehrer wollte halt sehen, dass er ins Orchester kommt.

Hannes Gradwohl: Man muss auch erklärend sagen, dass wir mit dem Trio auch bis zu sechs, sieben Stunden jeden Tag geprobt haben. Und wenn man dann auf der Hochschule noch Nebenfächer besuchen muss, die einem eh nichts bringen, dann stellt sich schon die Frage, ob man da weitermacht.

Verena Stourzh: Und wir haben irgendwann dann einfach jeder für sich Prioritäten gesetzt, das muss einfach auch sein. Ich allerdings hatte ja auch schon ein Künstler- und ein Lehramtsdiplom gemacht.

Ensemble: Wie viele Geiger haben Sie damals ausprobiert?

Harald Kosik: Zwei. Aber es drängte auch, wir hatten ja Konzerte anstehen, denn die Reihe in Eisenstadt lief ja noch. Zudem war ich zeitgleich bei der Armee.

Ensemble: Und Sie haben direkt 1996 mit den CD-Ein-
spielungen begonnen?
Harald Kosik: Die erste ist wohl tatsächlich schon 1996 erschienen.

Ensemble: Das war schon bei Ihrem späteren Label Capriccio?

Harald Kosik: Nein, gar nicht. Das war bei dem kleinen österreichischen Label Pepperland-Records, das es mittlerweile nicht mehr gibt. Da sind dann die ersten zwei CDs der Klaviertrios von Haydn erschienen. Dann ist halt Bernd Gradwohl ausgestiegen und wir hatten damit auch einen Stopp in Bezug auf die CD-Einspielungen.

Verena Stourzh: Ich denke, dass wir 1998 eine CD eingespielt haben und dann kam erst das Loch ...

Harald Kosik: ... ich weiß es nicht mehr genau aus dem Kopf. Wie auch immer, dann kamen die CDs 3 bis 8 und dann haben wir halt die beiden ersten, die ja noch mit Bernd Gradwohl entstanden waren, noch einmal aufgenommen. Das war erst im vergangenen Jahr und so kommt jetzt erst die Gesamteinspielung der Haydn-Klaviertrios als Box mit der heutigen Besetzung des Haydn Trio Eisenstadt bei Phoenix Records auf den Markt.

Ensemble: Aber Sie haben doch auch zwischen den einzelnen Einspielungen dieser Box immer wieder CDs eingespielt, oder?

Hannes Gradwohl: Ja, Schubert, Mozart. Also insgesamt haben wir 41 CDs eingespielt.

Harald Kosik: Es ist wirklich viel. Vor allem die gesamten „Schottischen Volksliederbearbeitungen“ von Haydn, die bei Brilliant Classics nun auch abgeschlossen vorliegen. Und die Divertimenti und Concertini, die auch in diesen Monaten auf den Markt kommen sollen.

Ensemble: Wie sind Sie auf Brilliant Classics gekommen?

Harald Kosik: Da hat der Direktor der Haydn Festspiele Eisenstadt, Dr. Walter Reicher, geholfen. Wir sind zu ihm gegangen und haben ihm erzählt, dass wir dieses Projekt der erstmaligen Gesamteinspielung aller „Schottischen Volksliederbearbeitungen“ von Haydn bereits durch Sponsoren finanziert hätten, nur dass wir ein Label bräuchten, das dieses Projekt auch wirklich mitmacht. Dr. Reicher wusste von dem Label-Chef, dass dieser solch eine Gesamteinspielung schon lange plant. Und so sind wir zusammengekommen.
Uns war auch wichtig, dass die CDs preiswert auf den Markt kommen, bei dieser Masse – da müssen die Preise stimmen, sonst kauft keiner 18 CDs mit 429 Schottischen Volksliedbearbeitungen von Haydn.

Ensemble: Aber es scheint schon so, dass Sie eine unglaubliche Lust an „Gesamteinspielungen“ haben, denn Einzelproduktionen haben Sie eigentlich noch nicht eingespielt, oder?

Harald Kosik: Das hat uns Capriccio immer so angeboten. Man hat uns gesagt, mit einer einzelnen Beethoven-Aufnahme braucht ihr gar nicht erst anzutreten, die gibt es zu Hunderttausenden. Aber als Gesamteinspielungen in einer Box gibt es die Beethoven Klaviertrios nur wenige Male . Zudem geht es bei uns auch immer um Sponsoring.

Ensemble: Was reizt ein Ensemble wie das Ihre überhaupt daran, diese Schottischen Volksliedbearbeitungen aufzunehmen? Denn auch wenn Kleinode darunter sein mögen, so sind bei der Masse doch die Qualitätsunterschiede deutlich.

Harald Kosik: Ach, diese ganze Entstehung war ganz witzig. Ich war bei einem Kongress, der hieß: Haydn und das Klavier. In der Pause sprach ich mit Dr. Majorie Rycroft von der Universität Glasgow, die sich um die Herausgabe dieser Werke kümmerte. Und ich sagte ihr, dass wir gerne alle Schottischen Volksliederbearbeitungen einspielen wollen. Sie schaute mich erstaunt an und fragte: Wirklich alle? Und ich sagte: Ja! Allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt immer davon ausgegangen, dass es nur sieben dieser Bearbeitungen gibt. Warum? Nun, bei Doblinger in Wien konnte man solch eine Ausgabe kaufen, da waren halt sieben der Lieder drin. Und ich dachte immer, es gäbe nicht mehr. Als Majorie Rycroft dann erwähnte, dass es doch aber 429 wären, war ich schockiert, sagte aber tapfer: Ja, alle! Dass es dann auch Probleme damit gab, dass die Noten nicht einmal ediert waren, steht noch auf einem anderen Blatt.

Ensemble: Aber noch einmal: Ich verstehe, dass man daran Interesse hat, eine Lücke im Repertoire zu schließen, aber warum dann solch eine Lücke, die doch qualitativ zumindest manches Mal fragwürdig ist?

Harald Kosik: Es sind sicherlich nicht alle Lieder konzerttauglich. Es sind sicherlich auch andere Lieder so gesetzt, dass sie schwer zu singen sind, wenn man drei oder vier Strophen davon singt.

Hannes Gradwohl: Dann gibt es natürlich auch die Schwierigkeit, dass der Charakter des Stücks nicht unbedingt zur Musik passt. Das macht es aber auch auf der anderen Seite interessant, eine Lösung zu finden, damit die Sänger und das Ensemble damit leben können.

Harald Kosik: Würden wir nicht Haydn Trio Eisenstadt heißen, dann hätten wir es auch sicherlich nicht gemacht, denn wenn man Rachmaninow Trio Moskau heißt, dann kümmert man sich nicht um die Schottischen Lieder von Haydn. Und wenn Frau Dr. Rycroft von der Universität in Glasgow so vehement sagt, sie will, dass wir das machen – und das erst nachdem sie unsere Haydn-Klaviertrios gehört hatte, dann sagt man nicht nein.
Als wir dann aber eine Auswahl gesehen haben, eine Auswahl der Thomson-Lieder, haben wir erst bemerkt, was wir da beginnen. [er grinst]

Hannes Gradwohl: Es war auch spannend. Wenn man die Noten, die bislang nicht gedruckt erschienen sind, als Erster in der Hand hat, dann ist es etwas ganz Besonderes. Auch das war ein gewisser Reiz dieser Sache.

Harald Kosik: Auch ohne die beiden Sänger, Lorna Anderson und Jamie MacDougall, hätten wir das nicht gemacht. Wir haben das zu Beginn auch mit österreichischen Sängern ausprobiert, was nicht funktioniert. Es müssen einfach auch schottische Sänger sein, die die Texte so verstehen wie diese beiden.
Wir haben dann auch eine Zeitlang überlegt, ob wir es in Schottland einspielen sollen, aber es wurde dann schon schnell klar, dass wir diese Lieder auch im Haydn-Saal in Eisenstadt aufnehmen werden, wie auch die anderen CDs.

Ensemble: Ich muss doch noch einmal insistieren: Oftmals ist es doch so, dass die Violinstimme der Obersterstimme des Klaviers folgt, das Cello der Bassstimme des Klaviers. Und auch sonst tut sich da nicht viel Brillantes. Was macht diese Schottischen Volksliedbearbeitungen so spannend, wo liegt der musikalische Reiz für ein Klaviertrio?

Hannes Gradwohl: Also für mich liegt der Reiz darin, dass man den Charakter der Stimme irgendwie unterstützen muss. Dadurch ergeben sich neue Spielweisen, die man vorher nicht gekannt hat. Als Klaviertrio ist man in einem festen Gebilde, hat eine bestimmte Klangvorstellung, eine gewisse Balance und eine gewisse Phrasierung. Bei den Liedern ist es nun so gewesen, dass man oftmals in die falsche Richtung ging, bevor die Stimmen hinzukamen. Dann erfährt man plötzlich, worum es in den Texten überhaupt geht, und wie die Stimmen überhaupt phrasieren, und dann muss man alles umändern. Das war schon spannend.

Harald Kosik: Das Bizarre ist ja, dass selbst wenn wir den Text sehen und lesen, dann verstehen wir ihn ja nicht, dieses Altschottische. Haydn kannte ja auch die Texte gar nicht, sondern hat nur die Melodien bekommen und manches Mal eine Angabe, welchen Charakter das Lied hat.

Verena Stourzh: Es ist wie ein Spagat, aber es gibt auch wirkliche musikalische Kostbarkeiten unter den Liedern. Und die Einleitungen, die wir dazu gestaltet haben, sind schon anspruchsvoll. Das spielt sich nicht vom Blatt, das ist schon schwierig.

Ensemble: Der Gesamtheitsanspruch war für Ihr Trio aber vor allem mit den großen Wiener Klassikern erledigt?

Harald Kosik: Ja, genau, von uns werden Sie niemals eine Dvorák-Gesamteinspielung hören, und wenn es nach mir geht, dann auch gar kein Klaviertrio von ihm.

Verena Stourzh: Er übertriebt jetzt ...

Ensemble: Auf der anderen Seite spielen Sie ja auch sehr viel zeitgenössische Musik. Sie versuchen also eine interessante Mischung für sich selbst zu finden? Und das vor allem in Ihrer eigenen Reihe, die in Eisenstadt „Das Klaviertrio“ heißt?

Verena Stourzh: Ja, so heißt die Reihe. Aber dort ist die zeitgenössische Schiene nicht vertreten.

Harald Kosik: Da ist alles etwas konservativer, da hört es bereits bei Debussy auf.

Verena Stourzh: In Wien haben eine wir die zeitgenössischen Komponisten im Kulturhaus Wien gemacht, das das ton.art.project mit einer eigenen Serie unterstützt.

Ensemble: Das bedeutet: Dieses ton.art.project bezieht sich auf die zeitgenössische Musik bei Ihnen. Und was heißt da „Project“?

Harald Kosik: Die Idee ist entstanden, weil wir uns immer mit Neuer Musik auch im Übergang mit anderen Kunstformen befasst haben. Und da haben wir nach einem Namen suchen müssen, da sich diese Art der Musik unter dem Namen Haydn Trio Eisenstadt schlecht verkaufen lassen würde. So haben wir zu vier ausgestellten Bildern von Max Weiler vier Stücke eines österreichischen Komponisten aufgeführt, während Texte von Max Weiler gelesen wurden. Das ist eine typische Idee für ein ton.art.project. Dann gab es noch ein Bachmann-Projekt, einige CDs und nun das Projekt „Dedicated2Haydn“.
Ensemble: Dedicated2Haydn. Erzählen Sie mir noch einmal genau von diesem Projekt.

Harald Kosik: Das wollte ich schon lange machen. Ich habe schon gewusst, dass es diese Art von Projekt schon einmal 1909 in Frankreich gegeben hat, also zum 100. Todestag von Haydn, da ich die Werke von Debussy und Ravel gekannt habe. Und ich habe mich gefragt, warum die beiden zu fast der gleichen Zeit zu demselben Thema etwas komponiert haben. Und das war ein Fehler, den man damals gemacht hat. Man hat allen das gleiche Thema von Haydn gegeben. Das ist wirklich sehr langweilig. Wir haben dieselbe Idee nun zum 200. Todestag von Haydn etwas anders angelegt und die Themen an 18 Komponisten viel freier vergeben. Wir werden diese 18 neuen Stücke von den Komponisten, die aus Europa und aller Welt stammen, dann auch aufführen und für CD einspielen. Die ersten sind schon fertig und vollkommen unterschiedlich. Und wir sind auch gespannt, was dabei herauskommt. Uraufgeführt wird das Ganze in Eisenstadt, bei Haydn 2009. Dann wird es noch im King’s Place in London im September aufgeführt, und momentan suchen wir noch nach einem Veranstaltungsort in Ungarn und in Deutschland.
Eine besondere Dynamik hat das Ganze auch erst bekommen, nachdem sich das österreichische Außenministerium eingeschaltet hat.

Hannes Gradwohl: Das ist natürlich das Besondere. Harald hat so viele Kontakte durch die interne Managementarbeit aufgebaut, das ist ein einfach unglaublich. Das war wirklich perfekt geplant von ihm.

Harald Kosik: Nun ist es so, dass uns schon 12 Arbeiten der Komponisten vorliegen, der Abgabetermin ist ja auch eigentlich schon vorbei. Aber im September und Oktober haben wir nur wenige Konzerte geplant, da wir im Dezember diese Werke schon in Berlin einspielen wollen. Und zum Erarbeiten benötigen wir halt sehr viel Zeit, auch wenn die Vorgabe bei ca. zehn Minuten Spielzeit liegt.

Ensemble: Es klingt so, dass alles, was Sie anfassen und angefasst haben, auf das Haydn-Jahr 2009 ausgerichtet ist. Wirkt sich das auch auf die Buchungslage Ihres Trios aus, vor allem mit dem Namen?

Verena Stourzh: Die Buchungslage ist sensationell, finde ich.

Harald Kosik: Wir sind für kommendes Jahr absolut voll.

Ensemble: Die Frage ist: Liegt das wirklich an dem Haydn-Jahr, oder daran, dass Sie jetzt einfach so weit sind, dass Sie bekannter sind und dadurch auch besser gebucht werden?

Harald Kosik: Das ist eine Summe aus beidem. Seit Triogründung war die Zielausrichtung immer das Jahr 2009. Wir wussten, dass wir aus Eisenstadt sonst gegen die Wiener Konkurrenz keine Chance haben. Alles andere zwischendrin haben wir weggelassen.
Hannes Gradwohl: Wir haben uns auch wahnsinnig auf die Aufnahmen konzentriert und haben immer gesagt: 2009 soll alles eingespielt sein und dann gehen wir auf die Bühne.

Harald Kosik: Wir hatten mal kurz überlegt, ob wir uns wegen der Möglichkeit des schnelleren Erfolges nicht „Wiener Meister-Trio“ nennen sollen. [alle drei lachen schallend über diesen Witz auf]

Hannes Gradwohl: Es ist tatsächlich so, dass in Österreich alles auf Wien ausgerichtet ist und alles andere aus Österreich sich schwer verkaufen lässt. Und so muss man sich mit Eisenstadt etwas einfallen lassen.

Harald Kosik: Es war uns schon klar, dass jeder sich auch finanziell absichert, damit er bis 2009 durchhält, es war also schon ein Risiko. [allgemeines Lächeln] Und wir haben immer weiter am Sound von unserem Trio gearbeitet, dass jeder einzelne Satz einen eigenen Bogen hat. Und auch am Detailreichtum haben wir mit den Professoren gearbeitet, bei denen wir Unterricht hatten. Für die verschiedensten Dinge hatten wir wirklich die besten Professoren, wir sind teilweise richtig gequält worden. [er grinst]

Ensemble: Welche Professoren waren das? Ich weiß, dass Sie beim Trio di Trieste gelernt haben. Und darüber hinaus?

Harald Kosik: Professor Georg Ebert, der in Wien lange Klavier-Kammermusik unterrichtet hat. Es gab ja auch lange Zeit das Ebert Trio. Mein Klavierprofessor war sicherlich nicht schlecht. Dann war der Avedis Kouyoumdjian sicherlich nicht schlecht, bei ihm habe ich sehr viel Klaviertechnik gelernt. Und dann haben wir uns mehr oder weniger selbst unterrichtet, beim Proben, beim Streiten um irgendwelche blöden Töne, die einem nicht gefallen. Das ist nicht immer lustig.

Ensemble: Aber Sie haben ja noch immer Spaß dran, oder?

Verena Stourzh: Proben ist nicht immer Spaß.

Harald Kosik: Aber es muss halt sein.

Verena Stourzh: Konzerte sind der Spaß.

Harald Kosik: Aber damit der Bogen im Konzert klappt, muss es halt in der Probe genau gearbeitet sein.

Ensemble: Wie sieht eine typische Probe aus?

Verena Stourzh: Sie beginnt mit dem Aufbauen des Mikrofons von meiner Seite. Ich nehme die Proben auf, und ich bin dann auch die Einzige, die sich diese Aufnahmen anhört. Das ist anstrengend, aber auch sehr aufschlussreich für mich. [sie lacht herzlich] Für mich ist es der effektivste Weg, aus der Distanz – also wenn ich nicht spiele – zu beurteilen, wie es klingt. So kann ich tiefer in die Partitur eintauchen. Als Geiger ist man ja so schrecklich horizontal unterrichtet, so dass ich durch dieses Anhören viel lernen kann.

Harald Kosik: Dann wird großflächig geprobt, also ein ganzer Satz, oder aber wir proben fast Note für Note; das ist vollkommen unterschiedlich.

Verena Stourzh: Manchmal schafft man also nur einen Satz in einer Probe, oder man spielt drei Trios durch in drei Stunden.

Ensemble: Wie lang sind Ihre Proben in der Regel?

Harald Kosik: Unsere Proben dauern immer vier Stunden. Es gibt nur kurze Pausen, es wird also sehr konzentriert geprobt, so dass die ganze Energie für den Tag weg ist, nach solch einer Probe.

Ensemble: Und wie oft proben Sie?

Harald Kosik: Drei bis vier Mal in der Woche.

Ensemble: Und was glauben Sie wie lange das durchführbar ist, wenn Sie im kommenden Jahr so viel auftreten werden?

Harald Kosik: Wir fragen die Veranstalter immer nach sehr viel Probenzeit vor Ort. Auf Reisen proben wir also auch, so viel wir können. Wir sind ja nicht als Touristen unterwegs, schauen uns nichts an.

Ensemble: Vielen Dank für dieses Gespräch.


www.haydntrioeisenstadt.at
www.d2h.at

Aktuelle Konzertdaten

10. Dezember 2008    Berlin
6. Januar 2009          Basel (CH)
9. Januar 2009          Wien (A)
11. Januar 2009        Raiding (A)
31. Januar 2009        Raesfeld
1. Februar 2009       Duisburg
 
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