Home
ensemble 3 / 2009 PDF Drucken E-Mail

Image Ausgabe 3 / 2009

  Inhalt

 

bestellen  


ePaper

 

 

Leseprobe:

Ein Ruheort für die Kammermusik

Das Louisiana – Museum of Modern Arts an der Küste Dänemarks

Von: Carsten Dürer

Eigentlich ist es ein Museum für moderne Kunst, das „Louisiana“ an der Küste von Dänemark, zirka 30 Kilometer im Norden von der Hauptstadt Kopenhagen gelegen. Was dieser Platz zu bieten hat? Nun, neben einer wunderbaren Lage mit Blick auf die schwedische Küste, vor allem auch: eine wundervolle Kammermusikserie, die Künstler aus aller Welt präsentiert. Kaum ein Name im Programm, den man nicht kennt. Um die 30 Konzerte im Jahr werden angeboten. Doch man fragt sich, wer in diese „Einöde“ in Humlebæk kommt, um regelmäßig Kammermusik auf höchstem Niveau zu hören. Wir fuhren ins Louisiana, besuchten ein Konzert und sprachen mit dem Leiter der Musikabteilung, Lars Fenger, über das Haus, die Ideen und die Programmatik.

Es ist Ende März, das Wetter ist grandios, als ich in Kopenhagen lande: Strahlend blauer Himmel über dem Meer lässt die einstündige Zugfahrt Richtung Norden trotz der frühen Stunden an diesem Morgen wie eine Fahrt durch ein Urlaubsparadies erscheinen. Dann wird die Station Humlebæk ausgerufen, die ca. einen Kilometer vom Louisiana entfernt ist – diese Distanz kann man leicht zu Fuß bewältigen. Man spürt den Wind vom Meer her und ist als Städter begeistert von der frischen Luft. Doch wo ist dieses weltberühmte Museum? Schilder weisen den Eingang, doch dort ist nur ein kleines altes Gebäude zu sehen. Erst wenn man den modernen Nebeneingang benutzt, erschließt sich dem Besucher das Gebäude – und auch erst dann nach und nach. Denn zuerst einmal landet man in einem Museums-Shop, bevor man durch viele verglaste Gänge in immer neue Gebäudekomplexe geleitet wird. Oder man geht bei diesem Wetter gleich in den Park, der von Skulpturen Henry Moores gesäumt ist. Dann erkennt man erst nach und nach, dass das Louisiana aus unterschiedlichen Flachbauten besteht, mit angeschlossenen Nebengebäude, die unterhalb des höher gelegenen Plateaus angebracht sind, das die Hauptgebäude zeigt. Der Park allerdings ist abschüssig und man kann bis ans Wasser gehen. Von dort aus kann man bei dem klaren Wetter unseres Besuches bis nach Schweden schauen und erkennt sogar die Fähre, die zwischen Schweden und Helsingör in Dänemark pendelt.

Die Atmosphäre

Es ist eine Atmosphäre der Ruhe auf den ersten Blick, aber das Louisiana bietet auch Aufregung der intellektuellen Art neben der Entspannung. Die Ausstellungen im Louisiana sind berühmt, nicht nur in Dänemark, sondern zählen zu dem europäischen Kanon von Präsentationen der besten zeitgenössischen Künstler. Bereits in den 50er Jahren hatte der Gründer des Museums, Knud W. Jensen, die Villa gekauft, die heute immer noch den Eingangsbereich ziert. Sukzessive wurde das Museum um Gebäude erweitert und erarbeitete sich nach und nach einen guten Ruf als Ausstellungsort. Warum dieser mit Louisiana betitelt wurde, was genauso klingt und geschrieben wird wie der Staat im Süden der USA? Nun, Lars Fenger, der Leiter des Bereichs Musik, erklärt uns: „Noch bevor Knud W. Jensen die Villa 1958 erwarb und in ein Museum umfunktionierte, war der Vorbesitzer, Alexander Brun, drei Mal verheiratet und all seine Frauen hießen Louise. So lag es nahe, das Gebäude nach diesem Namen zu benennen.“ Er grinst, als sich Zweifelfalten auf meiner Stirn entdecken lassen, und fügt hinzu: „Eine andere Erklärung habe ich nicht, aber auch wenn es nur ein Mythos wäre, dann ist er schon schön, dass man daran glauben sollte.“ Weniger anekdotisch allerdings geht es im Konzert-Organisations-Leben von Lars Fenger zu. Das ist ernstes Geschäft. Beständig klingelt sein Mobiltelefon, da er momentan dabei ist, seine Konzertsaison 2009/
2010 zu verkaufen, wie er sagt. „Ich lasse alle Interessenten an einem Abonnement bei mir direkt anrufen, da ich wissen will, wer die Interessenten sind.“ Eine ungewöhnliche Einstellung für den Leiter der Musikabteilung dieser Einrichtung. Doch vieles ist ungewöhnlich im Louisiana – und ebenso großartig.

Musik im Konzertsaal

Am Abend gehe ich ins Konzert, das russische Kopelman Quartet ist mit einem ungewöhnlich intensiven russischen Programm angesagt: Borodins Streichquartett Nr. 2, Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 und Tschaikowskys Streichquartett Nr. 2 spielen sie. Doch man sollte etwas früher ins Louisiana gehen, denn schon mehr als eine Stunde vor dem Konzertbeginn ist der weitläufig unter Bäumen gelegene Parkplatz fast voll. Denn hier ticken die Uhren anders. Man weiß, dass die Restaurants normalerweise um 21.30 Uhr in dieser Umgebung ihre Küchen schließen, also kann man schlecht nach dem Konzert irgendwohin gehen. So nehmen die Besucher die Gelegenheit wahr und schlemmen in dem gemütlichen, mit Kaminfeuer erwärmten Café des Museums. Es gibt viele Dinge, die da angeboten werden, und alle Sitzplätze sind belegt. Es herrscht eine gemütliche und gespannte Stimmung. Man kommt gerne hierher, das merkt man sogleich, Freunde treffen sich, die schon lange hierhergehen, aber es werden auch Bekanntschaften geschlossen. Gut gestärkt geht man dann ins Konzert.
Das Kopelman Quartett spielt grandios, feinsinnig, mit einem Gespür für die Kernaussage des jeweiligen Werks und das Klangdenken des Komponisten. Entsprechend dem Saal, der mit seinen steil ansteigenden Sitzreihen im 90-Grad-Winkel und 267 Sitzplätzen wirklich eine intime Kammermusikatmosphäre bietet, wird bis ins leiseste Pianissimo gespielt, nicht auf das starke Volumen ausgerichtet, wie dies in großen Sälen der Fall ist. Es ist eine immens intensive Atmosphäre, die im Saal unter den Zuhörern herrscht, und keiner achtet in der Dunkelheit darauf, dass man durch die großen Fenster auf das Meer schauen kann. Nach dem Konzert finden sich die Besucher wieder im Café-Foyer ein, trinken ein Glas Wein auf Kosten des Hauses und lassen den Abend mit Diskussionen über das Konzert und die Künstler ausklingen …

Organisation

Doch wie organisiert man in Humlebæk solch eine Konzertserie, wie schafft man es, solche Künstler wie das Emerson String Quartet, Carolin Widman, Nicholas Angelich, die Gebrüder Capucon, Heinrich Schiff und Martin Helmchen, Emmanuel Pahud mit Trevor Pinnock nach Dänemark zu bekommen (um nur einige der Namen aus der vergangenen Saison zu nennen), um in einem Saal mit weniger als 300 Leuten zu spielen? Wir setzen uns am folgenden Tag mit dem Leiter der Musikabteilung vom Louisiana zusammen, um mehr zu erfahren.
Ursprünglich hat sich das Louisiana ja als Museum für Moderne Kunst etabliert und installiert. Wann begann man eigentlich überhaupt Konzerte an diesem Ort zu veranstalten? „Lange vor meiner Zeit gab es natürlich schon kleine Konzerte hier, meistens dann im Café veranstaltet. Der Konzertsaal wurde ja erst im Jahre 1973 gebaut. Seit dieser Zeit gab es dann auch regelmäßig Konzerte.“ Auch ganze Konzertserien wie heute? „Nein, ich bin nun seit 11 Jahren hier und zuvor war es etwas unstrukturierter. Meist spielten hier lokale Musiker. Vor 11 Jahren beschloss man dann, dass es eine Person geben sollte, die sich nur um die Musik kümmert.“ Seither sind die Konzerte in der Hand von Lars Fenger, der viele Jahre im Ausland lebte, in den USA, in Paris und Spanien, der als Konzertgitarrist ausgebildet ist und sich hervorragend in der internationalen Kammermusikszene auskennt. Die Konzertserien allerdings, die sogenannten Freitagskonzerte, gibt es erst seit zirka sechs Jahren. „Es gab schon zuvor einmal eine Konzertserie. Die war so erfolgreich, dass man die Konzerte zweimal hätte verkaufen können, es gab eine lange Warteliste an Besuchern.“ So entschied man sich, diese Serie zu einer festen Einrichtung werden zu lassen, manches Mal auch mit Doppelkonzerten am Donnerstag und am Freitag. Doch Lars Fenger kann vor allem erklären, warum die Künstler so gerne ins Louisiana kommen: „Es ist ja heute bei Künstlern, die viel reisen, etwas Besonderes, wenn sie drei Nächte in Folge im gleichen Bett schlafen können. Hier sind sie auch noch komplett versorgt, haben im sogenannten ‚Bootshaus’ eine komplette Wohnung mit mehreren Räumen zur Verfügung, können zum Essen in die Mitarbeiter-Kantine gehen. Es tritt also eine Art von Ruhe auch für die Künstler ein. Wie Sie sehen, kommen viele der Künstler, die einmal hier waren, auch gerne wieder, da es wie ein kleiner Urlaub für sie ist.“ Und das stimmt wirklich. Vom Konzertsaal kann man über eine kleine Treppe runter in das hölzerne Bootshaus gehen, das direkt am Wasser liegt. Und wenn Lars Fenger die Mitarbeiter-Kantine erwähnt, dann muss man dort gewesen sein, um zu erfahren, wie gemütlich diese ist und wie gut das dort angebotene Essen schmeckt.
Wie aber wird das Ganze eigentlich finanziert? In der abgelaufenen Saison hatte man einen Sponsor, der die Konzerte trägt. Aber ist das immer so? „Manchmal haben wir einen Sponsor und manchmal nicht“, sagt Lars Fenger nachdenklich, aber lächelt. „Für dieses Jahr haben wir einen Sponsor für die Konzertserie, die Knud und Dagny Gad Andresen Stiftung. Aber das wechselt natürlich immer einmal, da die meisten Stiftungen in ihren Statuten stehen haben, dass sie nicht beständig eine einzige Einrichtung unterstützen können. Und so geht es bei vielen Stiftungen nur, dass sie höchstens drei Mal in Folge das Sponsoring für die Konzertserie übernehmen.“ Momentan beispielsweise ist man noch auf der Suche nach einem Sponsor für die Saison 2009/10. „Diesen haben wir nun in sechs Wochen zu finden“, sagt Fenger, scheint dabei aber sehr entspannt zu sein. Kein Wunder, denn bislang hat es ziemlich gut funktioniert. Dann aber scheint Fenger genervt und sagt: „Ach wissen Sie, Geldfragen sind ja so langweilig.“ Er lächelt und natürlich hat er Recht, dass es spannender ist, über Programmatik und Künstler zu sprechen, aber ich denke, dass es in den aktuellen Zeiten sicherlich auch gerechtfertigt ist, über die finanzielle Situation solch einer hervorragenden Einrichtung zu sprechen. Dann antwortet er: „Wenn wir keinen Sponsor haben, dann verändert sich die Situation. Dann hat das Museum ein Defizit in diesem Bereich. Dann zahlen wir das halt selbst. Denn wir glauben, dass die Konzerte ein wichtiger Teil des gesamten Images von Louisiana sind. Die Musiker, die hierher eingeladen werden, sind auf demselben Bekanntheitsgrad und Leistungsniveau wie die hier ausgestellten Künstler im Museum.“ Die Konzerte sind kein Anhängsel, das darf man nicht falsch verstehen, sie sind eher eine Addition zu einer weltweit anerkannten Museumseinrichtung. „Ich verstehe es ein bisschen wie einen Teil des Marketings für Louisiana als Gesamtkonzept“, erklärt Fenger. „Wir haben großartige Ausstellungen, großartige Musiker, die hier konzertieren, wir haben Schriftsteller, die hier Vorträge und Diskussionen führen. Es ist also eine Art Treffpunkt für Künstler.“

Programmatik und Künstler

Im Bereich der Museumsausstellungen wird schnell klar: Hier werden Künstler ausgestellt, die auf der internationalen Kunstszene etabliert sind oder sich auf dem Weg nach oben befinden. „Ich denke, dass wir genau dies auch mit den Konzerten machen. Wir müssen schauen, was international passiert“, beginnt Lars Fenger die Erklärung für die Künstlerauswahl. Was aber ist mit den dänischen Künstlern, deren Namen man hier nur selten entdeckt? „Ach wissen Sie, ich schaue nicht auf die Hautfarbe, den Pass für die Nationalität oder etwas dergleichen, wenn ich Künstler einlade. Ich will einfach nur die besten.“ Das ist klar und deutlich. Wie reagiert die dänische Musikszene darauf? „Nun, ich bin in der glücklichen Situation, dass ich lange Zeit im Ausland gelebt habe und nicht wirklich ein Teil der lokalen Musikszene bin. Als ich hier anfing, hatte ich keine Freunde hier. So schuldete ich auch niemandem einen Gefallen, was gut ist. Ich weiß also nicht genau, wie die Dänen es empfinden, dass wir hier so wenige lokale Künstler einladen. Aber ich glaube, dass das Publikum es hört, wenn es die Konzerte besucht, dass es ausschließlich um das künstlerisch-musikalische Niveau geht.“ Eine klare und gerade Sicht- und Denkweise, denke ich. Zudem sagt er, dass es ja auch wichtig ist, dass man im Louisiana Konzerte erleben kann, die man nirgendwo anders in Dänemark erleben könnte. „Denn was für einen Sinn würde es machen, wenn ich ein dänisches gutes Streichquartett engagieren würde, das man auch zwei Wochen später in Kopenhagen hören kann?“ Eine berechtigte Frage. Die meisten Konzerte, die im Louisiana stattfinden, sind keine „Prêt-à-porter“-Konzerte, wie Fenger sich ausdrückt. „Wir wollen Musiker einladen, die gerne zusammen spielen, keine, die uns von den Agenturen angeboten werden, und die hierherkommen, um einen weiteren Konzerttermin abzuhaken. Sie sollen hier Konzertprogramme spielen, zu denen sie ansonsten vielleicht keine Zeit haben, oder keinen Veranstalter finden, der dieses Programm spielen lassen will.“
Wer also entscheidet über die Programme? „Ich bevorzuge immer, dass die Musiker ein Programm spielen, was sie spielen wollen. Natürlich gibt es zu verrückte Einfälle, die ich dann im Kontakt mit dem Künstler verändern muss. Es gibt einfach Programme, die besser in eine Festival-Situation passen, wo man einfach alles spielen kann.“ Die Traumvorstellung von Fenger wäre, den Musikern zu sagen: Gib mir erst gar keine Programme, sondern komm her und spiele, was du spielen willst. „Ich brauche nur zwei Wochen vorher das Programm, um den Zuhörern einige Informationen zuzusenden. Zwei Jahre im Voraus ein Programm zu entscheiden, wirkt ja auch ein wenig verrückt. Es ist ein wenig so, als wenn man in ein Restaurant gehen würde und dem Küchenchef sagt: Präsentiere mir einfach das, was am besten ist. Natürlich gibt es Orte, wo es wichtig ist, mit dem Programm zu werben, aus kommerziellen Gründen. Aber es ist schlecht für die Musik selbst, denke ich.“ Eine gute Einstellung, eine spannende. Dies verlangt aber viel Vertrauen zu den Musikern. Und die hat Fenger, auch wenn er mir erklärt, dass er in Zukunft nicht mehr die ganz großen Namen einladen wird, da sie – so hätte er in den vergangenen Jahren festgestellt – ihr Geld nicht immer wert sind. Ähnlich beginnt er auch die Abonnenten zu selektieren, denn er will nicht, dass die Leute wegen eines Namens kommen, oder wegen eines speziellen Programms. Fenger will, dass sie ins Louisiana kommen, da sie Vertrauen zu den Programmen und der Auswahl der Künstler haben. „Wenn mich also jemand anruft und fragt, welches Programm gegeben wird, dann sage ich oftmals, dass ich es nicht weiß, obwohl das gelogen ist. Ich will einfach, dass sie Vertrauen haben und hierherkommen, weil sie wissen, dass es gute Musik zu hören gibt.“
Die Auswahl der Künstler findet meist aufgrund persönlicher Kontakte statt. „So wie ich es sehe, ist es folgendermaßen: Man hat auf der einen Seite die internationale Marketing-Welt der klassischen Künstler. Und dann hat man die Musiker-Musiker-Welt, in der ein Musiker weiß, wie gut ein anderer Musiker ist, auch wenn er nicht so berühmt ist. Heutzutage könnte ein Gewinner eines Wettbewerbs, der durch die Marketing-Strategie eines Schallplatten-Labels nach oben gepuscht wird, innerhalb kürzester Zeit berühmt und bekannt sein. Aber er oder sie spielt wie einer von Tausend.“ Fenger hält zu zahllosen Musikern in aller Welt persönliche Kontakte und achtet bei Empfehlungen darauf, dass es keine solchen sind, die gemacht werden, um dem anderen einen Gefallen zu tun, oder etwa familiäre oder zu enge freundschaftliche Kontakte bestehen. Fenger will die Musik auf hohem Niveau halten, nicht die berühmtesten Namen einladen. Und dennoch ist die Namensliste beachtlich, auch wenn zahlreiche der Künstler bereits im Louisiana auftraten, als sie noch nicht international anerkannt waren, sich also Fengers Entscheidung als richtig herausstellte.

Akzeptanz

Die Konzerte im Louisiana sind gut besucht, werden hervorragend verkauft. Die Zuhörer kommen nicht nur direkt aus der Umgebung, also nicht nur aus den Orten um Humlebæk, sondern auch aus Kopenhagen. „Wir hatten auch schon Abonnenten aus Schweden, oder sogar aus Deutschland, die jedes Mal hierher reisten, um sich unsere Konzerte anzuhören“, erklärt Fenger stolz. Sieht er keine Diskrepanz darin, dass im Museum ausschließlich Kunst der Gegenwart gezeigt wird, aber in den Konzerten die Programme in der Regel aus jahrhundertealten Kompositionen zusammengestellt sind? „Nein, das ist etwas vollkommen anderes“, erklärt er. „Wenn man ein Bild sieht, und es einem nicht gefällt, dann kann man sich nach ein paar Sekunden abwenden. Wenn man sich für ein Konzert mit moderner Musik entscheidet, dann ist man zwei stunden gefangen, ob es einem gefällt oder nicht.“ Das ist wahr. Und dennoch: Im Sommer kommt dann doch die Neue Musik im Louisiana zum Tragen. „Dann veranstalten wir Konzerte auf dem großen Rasen im Park. Dann nämlich ist es so, dass der Park voll ist mit Museumsbesuchern. Wenn die dann im Park sind, dann hören sie auch einer Musik zu, die sie niemals gehört haben, die sie sich auch niemals in einer Konzertsituation anhören würden. Und viele sind dann plötzlich begeistert“, so das Konzept von Fenger, um ein breites Publikum an die Neue Musik heranzuführen. Und für diese Konzerte im Sommer im Park werden dann auch oftmals die zahlreichen guten dänischen Ensembles für Neue Musik eingeladen.

Wenn man zwei Tage in Humlebæk verbracht hat, kann man nach und nach die Besonderheit und die Atmosphäre des Louisiana nachempfinden, versteht plötzlich, warum die Künstler, die einmal dort waren, gerne wieder kommen. Wie das Kopelman Quartet, das weiß, welche Ruhe man im Louisiana entfalten kann. So sind sie gleich eine Woche dort geblieben, um neue Werke einzustudieren. Eine selten gegebene Gelegenheit, wenn man auch noch am Ende zwei Konzerte spielen kann.
Auch auf den Besucher überträgt sich die Ruhe und die Gelassenheit, gepaart mit einer intellektuellen Inspiration aus allen Richtungen der Kunst. Und plötzlich kann man besser als anderswo die Musik am Abend aufnehmen, sich einlassen, auf ungewöhnlichere Programme. Das Louisiana in Humlebæk ist einer der seltenen Orte in der Welt für Kammermusik, wo einfach alles stimmt – und dies zum Guten der Musik.
Fast mit Wehmut verlässt man diesen Ort der Ruhe und Entspannung, aber in jedem Fall mit dem Wunsch und dem Willen, wieder zu kommen.
 
< zurück   weiter >

Kundenlogin






Passwort vergessen?
violination.jpg
 
logo-emcta.jpg

Newsletter abonnieren

Newsletter Ensemble


Empfange HTML?

Ausgaben 2003