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Leseprobe:

Das Portrait

Quatuor Danel

Von: Carsten Dürer

Eigentlich sind die Ursprungsmitglieder des Quatuor Danel Franzosen. Dennoch haben sie ihr Streichquartett 1991 in Brüssel gegründet. Doch da war das Quartett schon mittendrin im Geschehen, hatte schon mit dem Amadeus Quartett, dem Borodin Quartett, mit Schülern von Fyodor Druzhinin aus dem Beethoven Quartett und Walter Levin vom LaSalle Quartet zusammengearbeitet. Doch dann lud Hugh Maguire das Quartett nach Aldeburgh ein, um dort als „Quartet in Residence“ Literatur zu erarbeiten, ein Jahr lang. Das war der eigentliche Durchbruch.
Mittlerweile ist das Quartett, das aus Marc Danel (1. Violine), Gilles Millet (2. Violine), Vlad Bogdanas (Viola) und Guy Danel (Cello) besteht, ein weltweit agierendes und anerkanntes Streichquartett, das seit 2005 an der University of Manchester als Quartet in Residence lehrt und diese Position vom renommierten Lindsay Quartet übernahm. Wir sprachen mit den vier Streichern über ihre Entwicklung, über Repertoire und die Notwendigkeit, Amateurmusiker zu fördern.

Wenn man das Quatuor Danel im Konzert hört, kann man die Intensität spüren, die da auf der Bühne stattfindet. Vor allem die immens großen Dynamikausleuchtungen, vom klangvollen Pianissimo bis zum voluminösen Fortissimo spielen die vier als eng angelegte Einheit. Dabei ist vor allem das klangvolle Pianissimo ein Erlebnis, das man so selten hat, denn auch da kratzt nichts, stört kein Nebengeräusch den reinen Klang. Dieses Quartett hat einen Grad an Perfektion erreicht, der wirklich aufsehenerregend ist.
Doch erst einmal wollen wir genauer wissen, wie vier Franzosen dazu kommen, in Brüssel ein Streichquartett zu gründen? Marc Danel: „Es ist ein wenig kompliziert. Die vier, die das Quartett einmal gründeten, waren alle Franzosen. Damals war Vlad noch nicht bei uns. Allerdings waren die Ausbildungs- und Wohnorte der Quartettmitglieder aufgeteilt. Ich und meine Schwester, die damals die Bratsche spielte, studierten in Köln, und Guy und Gilles waren in Frankreich. Zu dieser Zeit hatten wir in Köln auch Unterricht beim Amadeus Quartett. Allerdings waren sie nicht der ausschlaggebende Grund für uns, ein Streichquartett zu gründen. Wir spielten also erst einmal als Trio, die drei Geschwister, Guy, meine Schwester und ich. Norbert Brainin allerdings erklärte uns, dass wir nicht wiederkommen sollten, wenn wir nicht vier wären. Also begannen wir ein wenig, Streichquartett zu spielen.“ Dann allerdings besuchten die vier einen Kurs in England, einen mit dem Borodin Quartett, das war in Aldeburgh. Valentin Berlinsky sagte, sie könnten ein gutes Quartett werden, aber nur dann, wenn sie alle anderen Tätigkeiten aufgeben würden. „Das war dann der eigentliche Start für unser Quartett, das war 1991, als Gilles zu uns kam. Und dann begannen wir zu überlegen, wo wir leben sollten. Und Brüssel war die Mitte von Köln und Paris. Und es war eine Stadt, in der wir das Gefühl hatten, sehr willkommen zu sein, die uns auch vieles ermöglichte.“ Guy Danel fügt ein: „Wir reisten damals ja auch sehr oft nach England wegen des Kontakts mit dem Borodin Quartett. Und von Brüssel aus war es einfach und schnell, überall hinzukommen.“ Marc Danel versucht zu erklären, wie es genau mit dem Borodin Quartett und England, genauer Aldeburgh, weiterging und welche Rolle dieser Ort in der Geschichte des Quartetts spielte: „Also als Erstes sagte uns Berlinsky, wir müssten alles andere lassen und nur noch Quartett spielen. Der Leiter der Streicherabteilung dort bot uns dann eine Position als ‚Quartet in Residence’ in Aldeburgh an, was hieß, dass wir zwei Jahre lang den gesamten Winter über innerhalb von je drei Monaten nicht nur studierten, sondern auch volle Unterkunft und einen Ort zum Proben erhielten. Die Bedingung, die daran geknüpft war, war, dass wir jede Woche ein Konzert spielen mussten. Das war natürlich eine unglaubliche Hilfe, um das Quartett zu starten.“ England war sehr wichtig als Station für das Danel Quartett – und bis heute ist England wichtig für ihre Entwicklung. Gilles Millet will nochmals die Ausbildungssituation unterstreichen: „Als wir das erste Mal in Aldeburgh waren, war das Borodin Quartett ja auch dort, mit dem wir studieren konnten. Dann war das Amadeus Quartett in London, wo wir ebenfalls schnell waren, da es nicht so weit ist. So war es wie ein Geschenk für uns, mit diesen beiden Quartetten so eng zusammenarbeiten zu können.“ Dennoch reiste das Quartett auch immer noch nach Köln, um beim Amadeus Quartett und dem Alban Berg Quartett zu studieren. Alles fügte sich positiv. Aber war dann der eigene Wunsch, ein Streichquartett zu gründen überhaupt irgendwann einmal gegeben, oder war es wohl wirklich ein wenig unter Druck entstanden, nachdem Berlinsky gesagt hatte, dass man alles andere sein lassen sollte und sich auf das Quartettspiel konzentrieren müsse? „Nun, das war ein ganz positiver Druck, den wir da erfahren haben“, lacht Marc Danel. „Wir haben in unserem Leben zuvor natürlich sehr viele Quartette getroffen“, erklärt Guy Danel, „beispielsweise das Vegh Quartett. Es gab niemals wirklich eine Entscheidung. Es gab eigentlich niemals einen Plan. Als wir dann die Gelegenheit sahen, mit dem Amadeus Quartett zu arbeiten, haben wir zugegriffen. Als Berlinsky dies dann zu uns sagte, dass professionelle Quartette die sind, die nichts anderes machen, dann war das keine harte Entscheidung mehr für uns. Es war eigentlich schon etwas, was bei uns grundlegend vorhanden war, dieser Wunsch, Quartett zu spielen.“ „Ja, Streichquartett war immer schon eine Art unterschwelliger Wunsch, denn wir alle haben während unseres Studiums immer schon alle Möglichkeiten wahrgenommen, um Kammermusik und speziell Streichquartett zu spielen. Wir waren also eigentlich schon fokussiert.“ Auf die Frage, ob keines der drei Ursprungsmitglieder jemals die Idee oder den Wunsch verspürte, sich solistisch stärker in den Vordergrund zu bringen, sagen alle einvernehmlich, dass es nie wirklich der Fall war. Wie aber war es bei dem jüngsten Mitglied, bei Vlad Bogdanas, dem bereits vierten Bratschisten des Quartetts, war auch er schon immer Quartett-Liebhaber? „Bei mir war es so und so anders, da ich in eine Familie mit Streichquartetttradition hineingewachsen bin. Mein Vater ist der 1. Geiger des Enescu Streichquartetts und meine Mutter ist Geigenlehrerin. Und mein Onkel war lange Jahre der Bratscher des Enescu Quartetts. Das heißt nicht, dass ich von Anfang an nach einem Streichquartett Ausschau hielt, aber das war der ursprüngliche Grund, warum ich ein Streichinstrument erlernte, da ich die Konzerte des Quartetts meines Vaters besuchte. Ich begann also mit der Geige und studierte dann Viola bei Vladimir Mendelssohn. Er war es auch, der mich mit diesen dreien zusammenbrachte“, er macht eine Kopfbewegung in die Richtung der anderen drei Quartettmitglieder. „Das meint natürlich nicht, dass wir niemals an Solorepertoire interessiert waren. Und manchmal ist es auch heute für mich erfrischend, als Lehrer ein Violinkonzert zu unterrichten“, erklärt Marc Danel, „aber es ist auch wahr, dass ich schon als Teenager sehr viel Streichquartett hörte, beispielsweise das Amadeus Quartett als Beispiel für absolutes Musizieren, viel mehr als für irgendeinen Solo-Geiger.“

Entwicklungen

Als sich die Ursprungsbesetzung entschieden hatte, ein Streichquartett zu sein und daran professionell zu arbeiten, war man sich da im Klaren darüber, was es bedeuten würde, als Streichquartett zu arbeiten und zu leben? „Nun, wir haben nach der Gründung 1991 sehr schnell begonnen, sehr viele Meisterkurse zu besuchen, und dann auch schnell Wettbewerbe gespielt. Unser erster Wettbewerb war in Florenz, ein Kammermusikwettbewerb und wir spielten Schostakowitsch, und das alles, nachdem wir erst sechs Monate zusammen spielten. Das war natürlich verrückt“, so erinnert sich Gilles Millet. „Und es war so, dass wir den Sommer zuvor Streichquartett geradezu in uns hineinfraßen. Es war so intensiv und wir wollten herausfinden, ob es nur ein Experiment ist, oder ob wir fortfahren könnten, ein Streichquartett zu sein.“ Marc Danel erklärt die Entscheidung und die Gedanken an die Zukunft so: „Ich denke, dass wir so viel von unseren Lehrern bekamen, dass wir daran glaubten. Und auch jetzt ist es immer wieder eine Art von Hilfe, die man von alten Quartetten bekommt, es ist normal, dass man den jungen Streichquartetten helfen will. Das heißt, wir bekamen so viel von den Älteren, dass wir gar nicht so genau darüber nachdachten, sondern einfach nur unglaublich intensive Momente erlebten. Wir hatten zwei Mal einen Kurs über drei Wochen allein mit Siegmund Nissel vom Amadeus Quartett in Italien. Er gab uns so viel, dass wir nur diesen Moment auslebten. Wir wollten einfach alles geben, wir waren so verrückt, dass wir acht bis neun Stunden jeden Tag probten. Wir wollten uns entwickeln, wir wollten Repertoire aufbauen, wir dachten nicht darüber nach, wie es vielleicht in zehn Jahren sein würde.“
„Aufgrund unserer Lehrer hatten wir nie das Gefühl, dass ein Streichquartettleben eigenartig wäre, sondern einfach nur sehr speziell, etwas anders vielleicht“, meint Guy Danel.
Acht bis neun Stunden Probenarbeit zu Studienzeiten war eine Menge. Wie viel Zeit verwendet das Quartett heute auf das Proben? „Manches Mal ebenso viel Zeit wie damals“, sagt Guy Danel. Gilles Millet: „Es kommt natürlich auf die Programme an, die wir erarbeiten. Aber wir versuchen natürlich immer noch sehr viel zu arbeiten und ich denke, dass ein Quartett einfach viel arbeiten muss.“ „Wenn wir nicht auf Tour sind, oder keine Konzerte spielen, dann proben wir jeden Vormittag“, sagt Marc Danel konkret, „also vier bis fünf Stunden. Erst seit kurzem haben wir uns ein wenig mehr Zeit genommen, um bei-
spielsweise zu unterrichten.“ Nach 10 Jahren des intensiven Quartettspiels, so meint er noch, benötige man auch neue musikalische Einflüsse von außen, um diese wieder ins Quartett einfließen zu lassen, da ansonsten das Quartett ein zu sehr in sich geschlossener Zyklus wäre. „Aber letztendlich bleibt natürlich unser Hauptfokus, uns als Quartett weiterzuentwickeln, denn wenn man sich nicht weiterentwickelt, dann entwickelt man sich zurück. Wir wollen in zwei Jahren besser spielen als heute.“ Kein Wunder, dass die Perfektion, mit der das Quartett seine Auftritte absolviert, bei diesem Anspruch gegeben ist, nicht nur technisch, sondern auch interpretatorisch und in bezug auf den musikalischen Impetus.
Was aber machen die Quartettmitglieder abseits des Quartetts, wie versuchen sie andere Einflüsse zu erhalten? „Es gibt nicht sehr viel Zeit“, sagt Vlad Bogdanas. Marc Danel: „Wir unterrichten etwas mehr als früher.“ Aber was unterrichten die Mitglieder denn, letztendlich doch auch Streichquartett, oder? Gilles Millet: „Marc unterrichtet Geige und Vlad und ich unterrichten Kammermusik, also nicht nur Streichquartette.“ „Wir haben einfach so viele Konzerte, dass wir kaum Zeit haben, andere Dinge zu tun“, meint Gilles Millet noch. Es sind immerhin 80 bis 100 Konzerte im Jahr, die das Danel Quartett absolviert, eine recht große Anzahl. „In der wenigen freien Zeit, die mir bleibt, versuche ich auch vollkommen andere Dinge zu tun, spiele auch mit Freunden schon einmal Rockmusik, besuche meine Freunde oder meine Familie“, erklärt Bogdanas. Die anderen drei Musiker machen bislang keine andere Art von Musik, allein Gilles Millet beginnt gerade sich mit der Barockgeige zu beschäftigen und meint, dass er 2010 etwas mehr in diesem Bereich tun will.

Repertoire

quatuor-danel.jpgZu Beginn fokussierte das Quatuor Danel sich selbstredend stark auf das sogenannte große Standardrepertoire aus der Klassik und Romantik, oder? „Natürlich war und bleibt dieses Standardrepertoire sehr wichtig, auch wenn es nicht sehr originell ist, immer wieder diese Werke aufzuführen“, lacht Marc Danel, „aber es war natürlich erst einmal zwingend wichtig, das Quartett in Bezug auf den Klang, die Intonation und so weiter aufzubauen. Aber aufgrund des engen Kontakts mit dem Borodin Quartett und besonders mit Berlinsky haben wir schon im ersten Winter in Aldeburgh innerhalb von drei Monaten alle Schostakowitsch-Quartette gespielt. Das war verrückt. Wir begannen als Quartett im Juni 1991 und bis zum April 1992 hatten wir alle Schostakowitsch-Quartette erarbeitet und aufgeführt.“ Natürlich lagen diese Streichquartette bei dem Borodin Quartett wie auf einem Präsentierteller bereit, denn dieses Quartett hat die meisten dieser Streichquartette uraufgeführt und vor allem mit dem Komponisten erarbeitet. Informationen aus erster Hand lagen also vor, die man gerne aufgriff. „Das war eine sehr gute Schule, denke ich“, sagt Marc Danel. „Wir spielten aber auch frühen Haydn, so dass wir jedes Mal ein Mischprogramm mit Haydn und Schostakowitsch spielten. Aber wir spielten auch damals schon viel zeitgenössische Musik. Schon damals gab es viele Komponisten, die uns ansprachen, ob wir ihre Musik spielen wollten. Und bis heute versuchen wir Repertoire aus allen Epochen zu erarbeiten“, so erklärt es uns Guy Danel.
Marc Danel: „Wir sind absolut überzeugt, dass der Blick auf das Standardrepertoire durch die zeitgenössische Musik verändert und geschärft wird, so wie es auch beim LaSalle Quartett der Fall war. Für uns ist dieser Austausch extrem wichtig. Allerdings würden wir uns niemals – bei allem Respekt für dieses Ensemble – solch eine Karriere wie das Arditti Quartet? Zum anderen ist es uns wichtig, wenig bekanntes Repertoire zu spielen. Denn wenn man Werke spielt, die nur wenig aufgeführt werden, dann muss man diese Musik stark verteidigen. Wenn man nicht den Eindruck hat, dass man schon 100 gute Ensembles hatte, die diese Werke aufgeführt haben, dann hat man nicht das Gefühl, dass man verglichen werden kann. Aber wenn man Musik spielt, die man noch nicht gehört hat, dann muss man überzeugend spielen, viel stärker als bei anderen Werken, dann hat man eine große Verantwortung. Und dann muss man sehr, sehr gut spielen, ansonsten kann man nicht überzeugen.“
Und das ist der Grund, warum das Quatuor Danel sich seit langem mit den Quartetten von Mieczyslaw Weinberg beschäftigt, einem Zeitgenossen und Freund von Dmitri Schostakowitsch. Auch hier waren die Mitglieder des Borodin Quartetts wieder maßgeblich beeinflussend, denn sie haben diese Werke schon früh aufgeführt. Aber seither ist dieser polnische Komponist, der als Jude nach Moskau ging, wenig beachtet worden. Seit einigen Jahren nun spielt das Quatuor Danel die 17 Streichquartette dieses Komponisten aus Überzeugung und ist momentan auch dabei, alle diese Quartette bei cpo einzuspielen. Es ist großartige, tiefgründige und vor allem auch eine originäre Musik. Und hier kann man den Gedanken der intensiven Fürsprache für einen Komponisten bestens erkennen. „Wir müssen von Musik, die wir noch nicht kennen, die wir erstmals aufführen, vollkommen überzeugt sein“, sagt Marc Danel, „ansonsten können wir nicht überzeugend sein. Bei Weinberg oder dem türkischen Komponisten Saygun sind wir überzeugt. Das Problem ist Folgendes: Wenn wir Beethoven schlecht spielen, wird man sagen, das Quartett hat schlecht gespielt. Wenn wir Weinberg oder Saygun schlecht spielen, wird man sagen, es sei schlechte Musik. Wir haben die Chance, dass diese Werke in das Standardrepertoire Einzug finden, dafür müssen wir hart arbeiten und diesen Werken gegenüber fair sein.“ Guy Danel führt noch einen anderen Grund ins Feld: „Wir sind ein professionelles Quartett, aber wir müssen auch darauf hören, was unser Umfeld uns sagt. Damit meine ich Musikwissenschaftler oder andere Leute, denen wir vertrauen können. Wir sind nicht diejenigen, die in Bibliotheken gehen, um zu suchen und zu forschen. Aber wir denken, dass die Kooperation mit Musikwissenschaftlern sehr wichtig ist. Oftmals sagen die Leute, du hast deinen Beruf und wir haben unseren. Nein, das ist falsch, es ist ein gemeinsamer Job. So war das bei Saygun oder auch Gounod: Wir wurden gefragt, ob wir diese Werke einspielen wollen. Wir wissen, was wir können, wir kennen unseren Job, also haben wir es gemacht, da wir den Leuten, die uns gefragt haben, vertrauen. Dies ist unsere Profession, wir sind ein Streichquartett, das Werke aufführt, nicht mehr.“
Nur selten lehnen sie etwas ab, auch dann, wenn ein Veranstalter nach speziellem Repertoire fragt. Sie sind der Meinung, dass sie ein ausführendes Organ für Komponisten sind, nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger. Und dabei geben die vier Streicher immer ihr Bestes. Allerdings kommt es darauf an, wer sie fragt. „Oftmals ist es ja auch so, dass man ein modernes Werk, das man selbst erstmals erarbeitet, gar nicht so gut findet. Dann kommt der Komponist und arbeitet mit einem dieses Werk durch, und plötzlich sieht man es in einem vollkommen anderen Licht und wir mögen es auf einmal, weil es ein extrem gutes Werk ist.“
Gibt es dabei niemals Ablehnungen oder unterschiedliche Meinungen über moderne Werke? „Eigentlich nur selten, unser Geschmack ist sehr ähnlich. Zudem müssen wir sehr viel offener sein, da wir ja vier Personen sind, so müssen wir immer darauf achten, dass wir auch Werke spielen, wenn einem dieses Werk vielleicht nicht gefällt“, meint Guy Danel, „ansonsten würden wir vielleicht irgendwann nur noch ein Werk überhaupt spielen“, lacht er.
Sie haben viel gespielt in den vergangenen Jahren: Boris Tschaikowsky, Taneyev-Quintett, Popov, vieles Unbekannte. „In den kommenden Jahren wollen wir auch Nikolaj Roslavec und German Galinin spielen. Es sind tatsächlich vor allem russische Komponisten. Aber das erscheint uns recht konsequent und logisch, wo wir alle Quartette von Schostakowitsch und Weinberg eingespielt haben. Es gibt zwischen diesen Komponisten viele Gemeinsamkeiten oder zumindest eine Entwicklung, die man erkennen kann.“ Daneben würden sie natürlich auch gerne andere Projekte verwirklichen, wenn die Zeit reichen würde: Alexander Zemlinsky fällt als Name. „Das ist etwas, zu dem wir vielleicht später einmal kommen werden“, meint Gilles Millet.
Daneben versuchen sie natürlich die schon im Repertoire bestehenden Werken immer wieder neu zu erarbeiten, immer wieder einen neuen Blick auf die Werke zu haben, mit denen sie sich länger nicht beschäftigt haben, oder die sie zumindest längere Zeit nicht aufgeführt haben. Mit den Veranstaltern diskutiert man, welche Werke das Quartett gerne spielen will, und welche Werke für den Veranstalter in das Programm passen. „Seit einigen Jahren ist man da offener geworden“, mein Marc Danel, auch wenn die anderen die Schwierigkeiten mit den Veranstaltern bei der Programmauswahl offen zum Ausdruck bringen. „Manches Mal sagen wir auch ab, wenn wir an diesen Werken gerade einfach nicht arbeiten und uns auf etwas anderes konzentrieren, aber das ist nicht so oft der Fall.“ So Marc Danel. „Wir versuchen den Ideen der Veranstalter gegenüber offen zu sein, aber wir müssen dabei aufpassen, dass wir unsere Qualität aufrechterhalten.“ Ein wichtiges Statement, denn dies, die Qualität, geht diesem Quartett über alles.

Arbeit mit Amateuren

Das Quatuor Danel hat eine weitere Spezialität, das Engagement für die Amateure, die gerne Streichquartett spielen. „Es begann in Frankreich“, beginnt Guy Danel zu erklären, „im selben Jahr, als wir das Quartett begannen, hatten wir immer noch viele Freunde, die sich entschieden hatten, keine professionellen Musiker zu werden. Wir organisierten also Treffen, aus denen dann ein Kurs wurde, den wir seither regelmäßig durchführen.“ „Wenn man nach England, Deutschland oder die skandinavischen Länder schaut, dann gibt es dort sehr viele gute Amateur-Musiker. In Frankreich gab es nur ganz wenige. Dort war es so, wenn man nicht gut genug war, um professioneller Musiker zu werden, wurde man nicht dazu animiert, weiterhin Musik zu machen. Es gab eine wirkliche Trennung zwischen den Profis und denen, die gar keine Musik spielten.“ Gilles Millet sagt: „Man kann das auch nach Konzerten in unterschiedlichen Ländern erleben: In England kommt beispielsweise ein Zuhörer nach dem Konzert und fragt nach einem Fingersatz – es sind Musiker. Und das fühlt man auch im Saal, wenn man spielt.“ In den vergangenen 20 Jahren hat sich da viel entwickelt, meinen die vier. Sie waren in vielen Projekten mit Amateur-Musikern involviert, aber haben dann nur den eigenen Kurs beibehalten. Guy Danel: „Oftmals hilft es schon, diese Aktivitäten am Beginn zu unterstützen, und dann aber zu sehen, dass sie sich weiterentwickeln können.“ Il Cambristi in Brüssel ist solch ein Projekt, oder auch ein Kurs in Lille in Frankreich. „Oftmals kamen auch Musiker zu unseren Kursen und dann nie wieder. Und wir dachten zu Beginn, die mochten den Kurs nicht. Aber Tatsache ist, sie brauchten nur den Anschub, um dann selbstständig weiterzumachen“, erklärt Guy Danel.
Was reizt das Quatuor Danel daran, mit Amateur-Musikern zu arbeiten? „Wir sind sehr glücklich, mit den Amateuren zu arbeiten. Es geht darum, ihnen die richtigen Anreize und allgemeinen Dinge zu vermitteln. Und gerade in der Kammermusik gibt es vieles, was praktische Hinweise betrifft, objektive Hinweise für das Üben. Die Arbeit selbst ist interessant für sie. Es ist nicht perfekt, aber es ist großartig. Wir unterrichten sie so, als seien sie unsere Studenten.“ Marc Danel: „Man muss sehen, dass die Amateure dieselben Ambitionen haben wie Profis. Und entsprechend ambitioniert muss man sie unterrichten, denn sie sind absolut ernst zu nehmende Musiker.“ Sie sind begeistert über diese Zusammenarbeit mit den Amateur-Musikern, sie sehen die Notwendigkeit, dadurch ein Publikum aufzubauen, aber auch, die Liebe zur Kammermusik voranzutreiben.

Mit jeder Faser, das spürt man, sind die vier Streicher des Quatuor Danel Streichquartettmusiker, widmen ihre gesamte Zeit dieser Arbeit, mit Engagement und Liebe für diese Art der Musikausübung. Es ist ein faszinierendes Quartett, das sicherlich noch lange immer wieder für Überraschungen sorgt, nicht nur wenn es um unbekannteres Repertoire geht, sondern auch, wenn man auf diese vier Persönlichkeiten trifft.

Amateur-Kurse:

Association Rencontre Arts & Musique
Abbaye du Pin
Le Pin
F – 86190 Béruges
Tel.: 0033 / 5 / 49 53 32 23
www.aram-poitou.com
 
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