5 / 2014

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Leseprobe:

Verwurzelt in der tschechischen Tradition

Zemlinsky Quartett

Von: Carsten Dürer

Sie trafen sich schon in jungen Jahren, die Streicher des Zemlinsky Quartetts. Petr Holman, der Bratscher des Quartetts, und der Cellist Vladimír Fortin kennen sich schon aus Jugendtagen und spielten gemeinsam im Schüler-Orchester. Am Prager Konservatorium, noch als Teenager, formten sie dann gemeinsam mit Frantisek Soucek, dem heutigen ersten Violinisten, ein Streichquartett – zum Spaß. Heute gilt das mit dem Violinisten Petr Strízek vervollständigte Zemlinsky Quartett als eines der Streichquartette der jüngeren Generation, das die große Tradition der tschechischen Streichquartette fortführt. Und obwohl die Spieler des Zemlinsky Quartetts noch jung sind, können sie in diesem Jahre bereits auf eine 20-jährige Geschichte zurückblicken.

Ensemble: Als Sie sich vorstellten, sagten Sie, Herr Soucek „1. Violine“ und Sie, Herr Strízek „2. Violine“. Wechseln Sie sich nie ab?

Frantisek Soucek: Wenn wir Quartett spielen, tun wir das nicht. Aber wenn wir in größerer Besetzung spielen, dann machen wir das schon einmal. Vor allem, wenn es eine Besetzung mit zwei Violas gibt, da ich auch Viola spiele. Dann spielt Petr Strízek 1. Violine.

Ensemble: Sie haben das Quartett 1994 gegründet, also haben Sie 2014 einen runden Geburtstag zu feiern. Haben Sie sich erstmals am Prager Konservatorium getroffen oder schon zuvor?

Vladimír Fortin: Wir haben uns schon im Schüler-Orchester kennengelernt. Zu dieser Zeit habe ich noch in der Schule Wirtschaft studiert und Petr Holman Mathematik. Denn wir haben uns damals noch nicht nur auf Musik konzentriert.

Petr Holman: Erst als wir dann auf dem Konservatorium in Prag waren, kam Frantisek hinzu.

Frantisek Soucek: Ja, als ich ans Konservatorium kam, war ich 14 Jahre alt, und zu dieser Zeit begannen wir Quartett zu spielen.

Ensemble: Gab es denn zu diesem doch recht frühen Zeitpunkt Ihrer Ausbildung jemanden, der Sie dazu brachte, Streichquartett zu spielen?

Petr Holman: In diesem Schüler-Orchester gab es einen sehr guten Leiter, der der Bruder des Bratschers des Smetana Quartetts war. Er war ein sehr guter Lehrer und hat allen viel beigebracht. Und er hat uns auch dazu gebracht, Streichquartett zu spielen. Das bedeutet, dass wir auch schon vier Jahre vor den letzten 20 Jahren Streichquartett unter seiner Anleitung gespielt haben. Und wir fanden das wunderbar. Wir haben also wirklich Streichquartett gespielt, da wir es wollten.

Ensemble: Sie, Herr Strízek, kamen also als letztes momentanes Mitglied ins Quartett?

Petr Strízek: Ja, ich bin das jüngste Mitglied, ich bin seit 1999 dabei.

Petr Holman: Es gab also einen Wechsel 1999 bei uns.

Ensemble: Es gibt ja eine wirklich große Tradition in der Geschichte des Streichquartettspiels in Tschechien. Hatten Sie direkt von Anfang an das Gefühl, dass Sie in dieser großen Tradition stehen?

Petr Holman: Natürlich wussten wir darum. Die Anzahl der großen Streichquartette in unserer Heimat auf höchstem Niveau war wirklich immens. Ich meine, heute gibt es überall gute Streichquartette, aber in der Tschechischen Republik gab es immer viele gute Streichquartette. Wir haben daher auch viele dieser Quartette kennengelernt …

Frantisek Soucek: Auch die Lehrer für Solo-Violine auf dem Konservatorium – neben all den Mentoren und Lehrern, die wir als Streichquartett hatten – spielten in bekannten Quartetten. Mein Lehrer spielte im Dvorák Quartett, Petrs Lehrer war Quartett-Spieler und so weiter. All unsere Lehrer waren Quartett-Spieler und so war diese Tradition immer gegenwärtig. Wir bewunderten das Smetana und das Vlach Quartett, all diese alten berühmten Quartette – und haben natürlich immer ihre Aufnahmen gehört.

Ensemble: Aber es war ja eine recht tiefgreifende Entscheidung, Streichquartett zu spielen. Sie hätten ja auch – was in Ihrer Heimat ja auch eine große Tradition hat – in ein Orchester gehen können.

Petr Holman: Wir waren ja als Schüler in einem Orches-ter …

Vladimír Fortin: Als wir in das Alter von professionellen Spielern kamen, spielten wir ja schon acht Jahre Streichquartett und so war es ein ganz natürlicher Weg.

Petr Holman: Am Anfang haben wir ja gar nicht professionell gedacht.

Frantisek Soucek: Am Anfang haben wir wirklich nur aus Spaß Streichquartett gespielt.

Vladimír Fortin: Ja, wir waren halt anders als andere Quartette, die sich manches Mal ein paar Monate vor einem Wettbewerb zusammenfinden, sich vorbereiten, den Wettbewerb spielen und sich dann wieder auflösen.

Frantisek Soucek: Am Beginn war es wirklich so, dass wir vielleicht ein oder zwei Konzerte im Jahr spielten … Aber wir arbeiteten das gesamte Jahr über als Quartett. Wenn wir freie Zeit hatten, probten wir beständig. Und es war noch nicht Teil des Unterrichts, als wir jünger waren, das kam erst später. Dann haben wir auch solche Dinge gemacht wie selbst einen Saal zu mieten, damit wir ein Konzert spielen konnten. Wir luden all unsere Freunde ein … und es hat so viel Spaß gemacht. Wir dachten aber nicht daran, dass dies einmal unser Beruf sein würde. Wir dachten immer noch, dass es ein nettes Hobby sei.

Ensemble: Es kam also alles sehr natürlich, auch der Übergang vom Schüler-Quartett zum Profi-Quartett.

Alle: Absolut.

Ensemble: Aber die Entscheidung, zu Walter Levin zu gehen, war doch eine ganz bewusste, oder?

Petr Holman: Das war ja viel später.

Frantisek Soucek: Wenn Sie nach Levin fragen, muss ich Josef Kluson, den Bratscher vom vom Prazak Quartett, nennen. Er war ein Freund von Petrs Vater, der ebenfalls Quartett-Spieler ist. Er wollte uns einmal in einer Probe besuchen. Wir waren natürlich extrem nervös, da dieser berühmte Spieler uns hören wollte. Er mochte unser Spiel und half uns viel über die Jahre. Er und die anderen Mitglieder des Prazak Quartetts – und auch viele andere Leute – gaben uns Unterricht. Aber dann sagte Kluson irgendwann: Jetzt seit ihr so weit, dass ihr zu Walter Levin gehen könnt. Er arrangierte das Treffen mit Levin. Und so gingen wir erst einmal nach Lübeck, um Levin vorzuspielen, und studierten dann bei ihm in Basel, etliche Jahre.

Petr Strízek: Das erste Stück, das wir Levin vorspielten, war das erste Streichquartett von Zemlinsky. Und wir begannen und er stoppte uns und sagte: ‚Das ist sehr schön, aber das ist nicht Alexander Zemlinsky.‘ Aber er mochte es und so begannen wir zu arbeiten.

Ensemble: Sie gingen auch zu Wettbewerben, richtig?

Alle: Oh mein Gott, Wettbewerbe …

Frantisek Soucek: Ich hasse Wettbewerbe, ich wollte niemals dorthin gehen …

Ensemble: Aber Sie haben auch Preise gewonnen, richtig?

Petr Holman: Ja, in Bordeaux, 2010. Wir gingen auch zum Paolo Borciani, der unserer erster internationaler Wettbewerb war, ein paar Monate vor dem Banff-Wettbewerb in Kanada. Wir waren noch wirklich jung, und für uns war es schon ein Gewinn, aus der Anzahl von Quartetten, die sich bewarben, ausgewählt zu werden, am Wettbewerb teilzunehmen. Wir flogen aber damals noch aus der ersten Runde raus.

Petr Strízek: Ich denke, das Wichtigste für uns war, dass wir dort erstmals die besten jungen Streichquartette hörten, die wir niemals zuvor gehört hatten. Das war gut und wichtig für uns.

Petr Holman: Wir sind dann niemals wieder zum Paolo- Borciani-Wettbewerb gegangen. Unser liebster Wettbewerb war der in Banff, dort sind wir drei Mal angetreten.

Ensemble: Können Sie ein bisschen die Situation der Kammermusik in der Tschechischen Republik beschreiben, als Sie begannen Streichquartett zu spielen?

Das komplette Interview lesen Sie in Ausgabe 5-2014.