6 / 2004

Image Ausgabe 6 / 2004

  Inhalt

 

Diese Ausgabe ist leider vergriffen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leseprobe:

Quartett als zweites Zuhause

Das Klenke Quartett


Von: Carsten Dürer

Der Begriff „Nachwuchs-Ensemble“ heftet sich immer noch an die Fersen der vier jungen Damen, die sich unter dem Namen der Ersten Geigerin bereits 1991 zu einem Streichquartett zusammengefunden haben. Doch nicht nur allein aufgrund der nun schon mehr als 13-jährigen Zusammenarbeit ist dieses Streichquartett eine Besonderheit in der Landschaft der kammermusikalischen Ensembles, sondern auch dadurch, dass es sich um vier Frauen, um je zweifache Mütter handelt, die es geschafft haben, trotz Schwangerschaften und Kleinkinderbetreuung musikalisch immer Außerordentliches zu leisten und weiterhin zusammen Spaß am Musizieren zu finden. Wie das zustande kommt, erzählten uns die vier gleichaltrigen Streicherinnen, Annegret Klenke, Violine, Beate Hartmann, Violine, Yvonne Uhlemann, Viola und Ruth Kaltenhäuser, Violoncello, am Rande der neuen Mozart-Streichquartett-Aufnahmen beim Südwest-Rundfunk in Baden-Baden in einem extrem lebendigen und offenen Gespräch.

ENSEMBLE: Wie schaffen Sie es eigentlich, als Mütter dem harten Berufsmusikerleben, dem gesamten Stress in dem Musikeralltag standzuhalten?

Annegret Klenke: Nicht alleine jedenfalls. Sondern mit sehr viel Hilfe von den Ehemännern, den Familien, Schwiegermüttern und so weiter.

ENSEMBLE: Gibt es da dann auch Querverbindungen zwischen den Familien, das soll heißen: Leben Sie alle in einer Stadt?

Ruth Kaltenhäuser: Nein, das kompliziert auch alles etwas, dass wir in unterschiedlichen Städten leben, also in Weimar, Sondershausen und Berlin.

Annegret Klenke: Also gibt es 300 Kilometer Entfernung zwischen den Berlinern und den Thüringern. Und wir beiden Geigen leben dann in Thüringen nochmals 80 Kilometer voneinander entfernt.

Yvonne Uhlemann: Wir müssen uns also immer etwas ausdenken, organisieren, um alles unter einen Hut zu bekommen.

ENSEMBLE: Wie proben Sie dann?

Annegret Klenke: Wir treffen uns jede Woche zwei bis drei Tage. Das heißt: Wir sitzen dann mit unseren Terminkalendern zusammen und planen ganz genau, wann wir uns überhaupt treffen können. Und damit es gerecht verteilt ist, geht es die Reihe rum, zweimal wird dann in Berlin, einmal in Weimar und einmal in Sondershausen geprobt.

Yvonne Uhlemann: Und manchmal ist der Dienstplan der Männer dann auch noch mit dabei, um direkt alles abzustimmen ... [lacht]

Annegret Klenke: Genau, es ist dadurch jede Woche anders. Und es kommt auch auf die Konzerte an, wo sie stattfinden. Wenn wir also in Frankfurt am Main spielen, macht es mehr Sinn, in Weimar oder Sondershausen zu proben, als wenn wir dann alle nach Berlin fahren, um von dort dann nach Frankfurt zu fahren.

Ruth Kaltenhäuser: Man muss dabei einfach immer eine Menge logistischer Dinge bedenken. Seit September spielt dann noch eine Rolle, dass die beiden ältesten Kinder nun in die Schule gekommen sind, auch zur Musikschule gehen.

ENSEMBLE: In der Regel würde man diese gesamten Fragen und die Problematik ein männliches Streichquartett nicht fragen, weil Mütter und Kinder ja in den ersten Jahren vielleicht zeitlich problematischer zu koordinieren sind als eine Verbindung von Vater und Kind, oder nicht?

Annegret Klenke: Nun, das ist bei uns nicht ganz so wie es üblich ist. Bei uns sind die Väter genauso starke Bezugspersonen für die Kinder, wie wir es sind. Wir empfinden das als vorteilhaft.

ENSEMBLE: Gab es denn niemals Pausen für Sie?

Ruth Kaltenhäuser: Doch, das schon. Wir haben gemerkt, dass es nach der Geburt bis zu drei Monate braucht, um sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Dann geht es aber auch wieder los.

Annegret Klenke: Und dann ist das Baby auch einfach immer dabei.

Ruth Kaltenhäuser: Also das letzte Baby ist die Johanna von Yvonne. Die ist jetzt 10 Monate alt. Und durch Johanna hatten wir keinerlei Einschränkungen.

Annegret Klenke: Ein Bilderbuchbaby, haben wir immer gesagt ...

Ruth Kaltenhäuser: Die Fragen sind schon berechtigt, wie das alles so klappt. Und auch jetzt werden wir immer noch nach Konzerten gefragt: Sagen Sie mal, das ist ja alles ganz toll, was Sie da machen. Aber was machen Sie, wenn eine von Ihnen mal eine Familie gründen will?

Annegret Klenke: Oftmals sagen wir dann einfach: Ach, das ist kein Problem, wir haben schon acht Kinder. [alle lachen]

Beate Hartmann: Das ist natürlich auch bei jedem Ensemble anders. Wir haben da aber vielleicht auch unser Geheimrezept. Wir haben dadurch, wie wir es gemacht haben, einen Ausgleich im Leben. Es ist etwas anderes, als wenn man sich nur auf die Karriere konzentriert. Hätten wir das gemacht, dann hätten wir uns vielleicht auch verrannt. Und so haben wir unsere Kinder. Das bedeutet eine unglaubliche Balance.

Yvonne Uhlemann: Und dies hat uns auch in unseren Persönlichkeiten so vorangebracht, dass wir eine ganz andere Gefühlswelt durchlebt haben und auch ganz andere Erfahrungen, als hätten wir nur Musik gemacht.

Ruth Kaltenhäuser: Und eine andere Sache haben wir gelernt: Dass man absolut effektiv arbeiten muss. Das ist auch sehr hilfreich.

Annegret Klenke: Die Wertigkeit der Dinge verschiebt sich. Wenn man nach Hause kommt, dann bemerkt man, dass es noch andere wichtige Dinge im Leben gibt als nur die Musik.

ENSEMBLE: Wie würden Sie aufgrund dieser Aussagen Musiker beurteilen, die sagen: Für mich existiert nur die Musik?

Annegret Klenke: Jeder hat ja sein eigenes Modell und muss das für sich entscheiden.

Beate Hartmann: Alle Menschen sind ja auch vollkommen unterschiedlich.

Ruth Kaltenhäuser: Wir würden das ja auch niemals verurteilen, sondern haben halt einen anderen Weg gewählt. Und für uns hat es sich einfach so ergeben.

Annegret Klenke: Für uns war es jedenfalls niemals ein Grund, aufzuhören. Ganz im Gegenteil: Wenn wir nach einer Geburt das erste Mal wieder zusammen gespielt haben, war das ein Hochgefühl. Und diese Erfahrung fehlt sicherlich Ensembles, die niemals eine Pause haben einlegen müssen. Das schweißt immens zusammen.

Ruth Kaltenhäuser: Es ist, als käme man wieder nach Hause, halt in das zweite Zuhause, das Ensemble, das ist wunderbar.

ENSEMBLE: Gegründet hat sich Ihr Ensemble ja 1991 ...

Beate Hartmann: Nun, 1991 gegründet und 1994 das erste Konzert. Aber von gegründet kann man gar nicht sprechen, eher von „eingeteilt vom Dekan der Hochschule“ in Weimar.

Ruth Kaltenhäuser: Wir kannten uns gar nicht. Nur die beiden Violinen kannten sich.

Annegret Klenke: Wir, also Beate und ich, wir wohnten zusammen und sagten uns: Jetzt müssen wir Kammermusik belegen, also was machen wir jetzt? Streichquartett, das habe ich an der Musikschule schon mal gespielt, sagte ich also. Dann hatten wir zwei Partner, die uns sozusagen abgeworben wurden. Dann standen wir also wieder ohne Bratsche und Cello da. Dann kam der Dekan an und sagte, er habe da zwei für uns, Uhlemann und Kaltenhäuser. Wir sagten: Na gut, dann spielen wir halt mal zusammen.

Beate Hartmann: Am Anfang haben wir das ziemlich locker gesehen.

Annegret Klenke: Wir haben uns vor dem Unterricht getroffen und dann nach dem Unterricht sind wir wieder alle nach Hause gefahren ...

Ruth Kaltenhäuser: Und dann kam eines Tages der Dekan an und sagte uns: Wisst ihr, wenn ihr euch mal ein bisschen bemühen würdet, dann würdet ihr eigentlich ein ganz ordentliches Quartett abgeben. Das war Günter Lohse. Er ist dann bald verstorben und wir haben – aufgrund unserer Verbundenheit zu ihm – auf der Beerdigung gespielt. Und auf dieser Beerdigung hat es zwischen uns gefunkt. Dann mussten wir sehr um einen neuen Lehrer kämpfen, der uns dann mit einem neuen Programm auf unser Examen vorbereitete.

Annegret Klenke: Die Jury war dann ganz begeistert und fragte uns, ob wir nicht Lust hätten, an einem neuen Lehrstuhl für Kammermusik noch weiter zu studieren. Und da haben wir nach kurzem Überlegen ja gesagt. Und da kam der Ulrich Beetz vom Abegg Trio, der uns dann in die richtigen Bahnen gelenkt hat. Und er schlug dann auch vor, dass wir an einem Wettbewerb teilnehmen sollten. Da dachten wir: Nun gut, da machen wir mal mit.

Beate Hartmann: Also das hört sich vielleicht alles ein wenig vage an. Aber wir haben uns nie ein Ziel gesetzt, mit dem wir etwas Bestimmtes erreichen wollen. Wir haben immer gesagt, dass wir etwas probieren und dann mal weitersehen. Und so hat uns jeder Schritt immer vorangebracht, ohne dass wir uns dabei jemals auf ein bestimmtes Ziel versteifen mussten. Das hat sich alles entwickelt.

Annegret Klenke: So war es schon eine Überraschung für uns, dass wir den Deutschen Musikwettbewerb gewonnen haben. Und wir haben dann ja die Konzerte Junger Künstler mitgemacht.

ENSEMBLE: Und das war der eigentliche Knackpunkt für das Weiterkommen?

Beate Hartmann: Ja, das war der Schritt in die Professionalität, ins Konzertleben.

Annegret Klenke: Und da erkannten wir, dass es klappen kann. Und so haben wir versucht, die Kontakte zu Veranstaltern auszubauen, Kontakte zu halten und es voranzubringen.

ENSEMBLE: Sie spielen also alle vier ausschließlich Streichquartett?

Alle: Ja.

Wenn Sie das vollständige Interview lesen wollen, dann bestellen Sie jetzt das
Heft 6-2004 von ENSEMBLE direkt unter BESTELLUNG.

_________________________________________________________

Kontakt:
Kontakt Kammermusikverein Weimar e.V.
Albrecht-Dürer-Str. 8
99425 Weimar
Tel. & Fax: 03643 / 77 18 79
www.auftakt-weimar.de