2 / 2010

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Leseprobe:

Spielen wie ein Gesang

Doric String Quartet

Von: Carsten Dürer

Als ich das erste Mal das englische Doric String Quartet hörte, war ich bereits beeindruckt. Das war während des Premio Borciani-Wettbewerbs in Reggio Emilia in Italien (vgl. Ensemble Nr. 4-2008). Dort errang das Quartett den zweiten Preis, kurz nachdem es im japanischen Osaka beim Streichquartett-Wettbewerb den ersten Preis gewonnen hatte. Seither ist für die vier englischen Streicher viel geschehen: Neben zahllosen Konzerten, die sie vor allem in ihrer englischen Heimat spielten, haben sie mittlerweile Agenturen in zahlreichen Ländern gefunden, haben ihre erste CD auf dem Label „Wigmore Hall Live“ veröffentlicht und haben nun einen langfristigen Vertrag mit dem englischen Label Chandos erhalten, der diesem noch immer jungen Streichquartett zahlreiche Möglichkeiten offeriert. Wir trafen die vier in London, ihrem momentanen Sitz.
England ist wirklich ein eigenwilliger Markt für Kammermusiker, alles konzentriert sich auf London – und in London ist es die Wigmore Hall, die der wichtigste Ort für Kammermusiker ist. Einmal dort eingeladen und wieder eingeladen, hat man schon einen gewissen Stellenwert in England. Vollkommen anders also als in Deutschland. Um darüber und über die Vorlieben, die Entwicklung und die neuesten Entwicklungen in der Karriere des Doric String Quartets zu reden, treffen wir das Quartett in der Royal Festival Hall, direkt an der Themse gelegen.

Ensemble: Das Doric String Quartet existiert nun seit 12 Jahren, also trafen Sie sich 1998 erstmals?

Alex Redington: Ja, gestern war unser Geburtstag [am 15. Januar].

Ensemble: Sie trafen sich in der „Pro Corda National School for Youth Chamber Players“. Ist dies eine Spezialschule für Kammermusik?

Alex Redington: Diese Einrichtung wurde früher „National School for young Chamber Music Players“ genannt. Es ist ein Kammermusikkurs, der während der Schul-Sommerferien sowie während der Weihnachtsferien stattfindet. Dort waren unterschiedliche Kurse für die Altersgruppen. Dort fanden Schüler zwischen acht und 18 Jahren zusammen. John und ich trafen uns dort, als John acht Jahre alt war und ich neun. Die anderen beiden kamen erst später hinzu. John und ich begannen also  erst Streichquartett zu spielen, als wir 15 Jahre alt waren.

John Myerscough: Es sind also zwei Wochen im Jahr, in denen man zwei Werke erarbeitet.

Alex Redington: Es ist ein Kurs, der nur für Streicher und Pianisten gedacht ist.

Ensemble: Das bedeutet also, dass Sie neben diesen Aktivitäten aber eine normale Schule besuchten.

Alle: Ja.

Ensemble: Waren das für Sie die ersten Erfahrungen mit Kammermusik überhaupt?

John Myerscough: Ja, in dem Alter schon. Als wir dann zu einem Streichquartett formiert wurden, war das plötzlich etwas vollkommen anderes. Pro Corda gab uns dann auch einige Möglichkeiten, aufzutreten. Wir gewannen einen kleinen Wettbewerb, als wir 18 Jahre alt waren, und dadurch hatten wir auch einige Auftritte.

Alex Redington: So spielten wir beispielsweise auf „Radio 3“ der BBC.

Ensemble: Und die anderen beiden? Hatten Sie eine ähnlich frühe Erfahrung mit der Kammermusik?

Jonathan Stone: Ja, bei mir war es sehr ähnlich. Meine Mutter leitete einen ähnlichen Kursus für junge Streicher. So spielte ich auch schon sehr früh in einem Streichquartett und erarbeitete einige Haydn-Quartette. Ich kam dann zum Doric Quartet hinzu, als Alex und ich die Schule beendeten.

John Myerscough: Das war, als du 25 Jahre alt warst. Wir waren da 23 und 24 Jahre alt.

Ensemble: So sind Sie alle fast gleich alt?

Simon Tandree: Ich bin älter, ich bin schon 31, also zwei Jahre älter als die anderen [alle anderen lachen]. Bei mir war der Weg ein anderer. Ich bin in die Orchesterrichtung gegangen, bis ich 18 Jahre alt war. Aber die Kammermusik war das, was ich mir immer anhörte, es gab immer schon diese Liebe zur Kammermusik. Dann hatte ich Unterricht bei einem Lehrer an der Guildhall School, der selbst Kammermusik spielte. Dann ging ich nach Deutschland und war dort Mitglied von einigen Streichquartetten. Ich kam ja erst vor zwei Jahren zum Doric String Quartet.

Ensemble: Es gab also schon zwei Wechsel. Sie, Herr Stone, kamen vor fünf Jahren zum Quartett, und Sie, Herr Tandree, vor zwei Jahren?

Alex Redington: Wenn man sich in einem so jungen Alter, also mit 15 Jahren, zusammenschließt, dann weiß man noch nicht, was genau man mit dem Rest seines Lebens machen will. So ist es nicht verwunderlich, dass zwei der damaligen Mitglieder sich in eine andere Richtung orientierten. Vor allem, da Streichquartett ein so spezielles Leben erfordert.
Ensemble: Sie haben also vor zwei Jahren einen neuen Bratscher gesucht. Wie viele haben Sie ausprobiert?

Simon Tandree: Ich habe zuletzt im Signum Quartett in Deutschland gespielt und entschied mich am Ende einer Tour, zurück nach England zu gehen. Ich ging in Bristol in ein Konzert, wo ich John traf und hörte, dass das Quartett soeben seinen Bratscher verloren hat. Ich hatte niemals von den Dorics gehört und schrieb eine E-Mail und John lud mich ein, für das Quartett vorzuspielen.

John Myerscough: Wir hatten zwei Wochen lang acht Bratscher eingeladen. Jedem gaben wir sechs Stunden Probe, um drei Stücke mit ihnen zu spielen, ein Haydn-, ein Brahms- und ein Bartók-Quartett. Simon war der zweite. Und wir wussten irgendwie, noch bevor er seine Bratsche auspackte, dass es passen würde.

Alex Redington: Ja, nach mindestens 20 Takten von Haydn wussten wir, dass es passen würde.

John Myerscough: Allerdings mussten wir ja noch mit sechs weiteren Bratschern spielen, die wir eingeladen hatten, was ziemlich eigenwillig war.

Alex Redington: Was für uns auch perfekt war: dass Simon gerade aus Deutschland zurückgekommen war und einen vollkommen freien Terminkalender hatte, so dass es keinerlei Probleme machte, unsere Termine mit zu übernehmen. Das war vor allem auch wichtig, da wir fünf Monate später den Osaka-Wettbewerb zu spielen hatten. Es waren fünf sehr intensive Monate Arbeit, die wir da hatten. Und dann haben wir ja den ersten Preis gewonnen.

Simon Tandree: Es war fast schon krank, ich hatte 15 Werke zu lernen. Dann war es allerdings auch sehr gut, dass wir nach all der Anstrengung mit dem Gewinn des Wettbewerbs eine Bestätigung von außen erhielten.

Ensemble: Dann sind Sie gleich im Anschluss zum Premio Borciani-Wettbewerb gefahren.

Simon Tandree: Zwei Wochen später. Das war wirklich hart.

Nationale Unterschiede und Ausbildungsschritte

Ensemble: Wie sieht es speziell in England als junges Streichquartett aus? Es scheint so, dass alles sich auf London konzentriert, dass hier in dieser Stadt zudem die Wigmore Hall das wichtigste Aushängeschild für Kammermusik ist. Ist dies wirklich so wichtig, um sich als Streichquartett zu behaupten?

John Myerscough: Ich denke, ja. Gerade für uns ist es extrem wichtig, in der Wigmore Hall zu spielen. Wir spielen dort vielleicht vier Mal in der Saison. Sie haben vielleicht nur drei junge Streichquartette, die sie so exponiert unterstützen. Natürlich ist es für uns sehr wichtig, gerade in England, da es ein solch prestigeträchtiger Saal ist. Aber auch international wird das anerkannt. Allein die Unterstützung eines solch renommierten Konzertsaals zu haben, bringt uns gegenüber mehr Vertrauen bei anderen Veranstaltern.
Wenn jemand sieht, dass wir von der Wigmore Hall unterstützt werden, hat kein anderer Veranstalter in England mehr ein Problem, uns zu buchen.

Ensemble: Sie haben ja einige Erfahrungen auch mit anderen Ländern. Wie würden Sie das einschätzen: In England ist alles sehr zentral, alles in London. Denken Sie, dass es in anderen Ländern wie Deutschland nicht weitaus mehr Möglichkeiten für junge Streichquartette gibt?

John Myerscough: Ja, das stimmt in jedem Fall und das ist ein Problem dieses Landes. Und dann muss man auch noch schauen, dass man nicht eines der Konzerte spielt, die zwar in Wigmore Hall stattfinden, die aber externe Veranstalter haben. Man muss schon von Wigmore Hall selbst und direkt gebucht werden, ansonsten hat es auch keine Bedeutung für das Renommee. Es ist also vielleicht etwas härter, sich in England durchzusetzen, das mag sein.

Simon Tandree: Auf der anderen Seite ist es natürlich viel schwieriger als junges Quartett, sich bis in einen der renommierten Säle in Deutschland vorzuspielen, da es in diesen Sälen weitaus weniger Konzerte gibt als in Wigmore Hall.

Ensemble: Das Eigenwillige aber ist, dass alle Quartette in bestimmte Länder wie Deutschland oder die Schweiz gehen, um mit denselben renommierten Lehrern zu arbeiten. Bei Ihnen tauchen auch in der Biografie die wichtigen Namen auf: das Alban Berg Quartett, Walter Levin vom LaSalle Quartet, György Kurtág und Rainer Schmidt vom Hagen Quartett. Es scheint sehr schnell gegangen zu sein, dass Sie diese Lehrer besuchten. Waren diese Lehrer Ihre eigene Wahl oder waren es Empfehlungen?

John Myerscough: Nun, wir hatten einen Kursus in Großbritannien mit dem Ysaye Quartett. Und sie sagten uns, dass wir unbedingt einen Kurs mit Walter Levin machen müssten. Da waren wir gerade einmal 19 Jahre alt. Wir fanden also heraus, dass er in der französischen Serie von ProQuartet unterrichtet und gingen dorthin. Danach entschieden wir, jedes Jahr ProQuartet zu besuchen und immer wieder Kurse bei unterschiedlichen Lehrern zu haben. Dann hatten wir einen Meisterkurs mit dem Alban Berg Quartett hier in London, als das Quartett „In Residence“ hier beim Westbank Festival war.

Simon Tandree: War das gut? Denn Jonathan und ich waren ja noch nicht im Quartett.

John Myerscough: Es war großartig, immens intensiv. Bei ProQuartet haben wir dann auch Rainer Schmidt getroffen. Er war derjenige, bei dem wir das Gefühl hatten, dass seine Art des Unterrichts am besten zu uns passt. Daher wollten wir weiter mit ihm arbeiten. So gingen wir immer wieder privat zu ihm nach Madrid und nach Salzburg. Und die letzten drei Jahre fuhren wir dann auch nach Basel, um weiter mit ihm zu arbeiten.

Ensemble: Das machen Sie auch heute noch?

John Myerscough: Ja, nicht zu oft, aber alle zwei Monate sind wir bei ihm für einen Tag. Er hat eine immense Erfahrung. Und wir kommen immer zurück und haben sehr viel gelernt. Das Wunderbare für uns in Bezug auf Rainer Schmidt ist, dass er niemals sagt, wie man etwas spielen sollte. Er öffnet die Musik für uns, er erlaubt uns, selbst herauszufinden, wie man die Musik sehen und verstehen sollte. Und genau das ist der Weg, den wir auch in unserer Arbeit verfolgen.

Alex Redington: Es ist grundsätzlich wichtig, immer wieder zu den großen Lehrern zu gehen, da man sehr schnell seinen Weg verlieren kann, wenn man so viel an so unterschiedlichen Werken arbeitet wie wir. Dann gehen wir beispielsweise zu Walter Levin und er bringt uns wieder zurück zu den Wurzeln, worum es in der Musik geht.
Vielleicht wird es einen Tag geben, wo wir ihn nicht mehr brauchen, aber momentan erhalten wir noch so viel von ihm, dass es sich immer lohnt.

Simon Tandree: Ich finde es auch nicht unverständlich, dass man immer noch Rat von Lehrern einholt. Golfer beispielsweise gehen immer wieder zu Lehrern und haben Unterricht, oder Tennisspieler haben immer ihren Trainer. In der Musik hört sich das immer so negativ an: Du studierst bei jemandem. Das klingt immer nach Lehrer-Schüler-Verhältnis. Aber es ist so gut, eine Reflexion über unser Spiel zu erhalten.

John Myerscough: Zudem kennt Rainer Schmitt uns so gut, dass es großartig ist, mit ihm zu arbeiten.

Ensemble: Sie haben ja auch nebenbei Ihre Musikstudien unabhängig voneinander abgeschlossen. War das jemals ein Problem, diese Studien mit der Quartettarbeit zu koordinieren?

Jonathan Stone: Nein, niemals.

Alex Redington: Es gab auch niemals einen Konflikt darüber, ob jemand mehr Solo-Dinge machen will, als Quartett spielen.

Jonathan Stone: Das heißt, dass das Quartett das Wichtigste für alle vier von uns ist.

Repertoire

Ensemble: Sie kooperieren in dieser Saison mit mehreren Sängern. Das ist recht ungewöhnlich für ein Streichquartett, das normalerweise für bestimmte Werke vielleicht mit einem weiteren Cellisten oder aber mit einem Klarinettisten arbeitet.

John Myerscough: Das liegt wohl auch daran, dass wir ein englisches Streichquartett sind, denn es gibt einige sehr tolle Werke für Streichquartett und Gesang von englischen Komponisten. Eines von Ralph Vaughan Williams und von Peter Warlock.

Alex Redington: Und dann gibt es noch Ottorino Respighi ...

John Myerscough: Oh ja. Zudem gibt es ein Werk für Tenor und Streichquartett, das von Peter Maxwell Davies für uns geschrieben wurde. Ich denke, es gibt eine Art von englischer Tradition im Gesang, die diese Kollaborationen bedingt.

Simon Tandree: Und es ist eine große Ehre, mit so namhaften Sängern wie Ian Bostridge und anderen. Es sind hervorragende Sänger, von denen wir auch wieder lernen.

Alex Redington: Und es funktioniert einfach so toll, eine Stimme und Streichquartett.

Ensemble: Es klingt so, als wäre es recht schwierig, diese Werke außerhalb von England anzubieten, oder?

Simon Tandree: Ja, vielleicht, wobei das eine Schande ist, denn es ist wirklich hervorragende Musik. Wer weiß, vielleicht gibt es in ein paar Jahren die Möglichkeit, dass wir diese Werke mit uns nehmen können, um sie auch außerhalb Englands zu spielen.

Ensemble: Lernen Sie auch in Bezug auf Ihren persönlichen Klang von den Sängern? Immerhin sagt man ja, dass die Streichinstrumente, besonders natürlich das Cello, der menschlichen Stimme am nächsten kommen.

Jonathan Stone: Ja natürlich. Und ich denke, die Art, wie wir spielen, ist in jedem Fall ähnlich der Art, wie eine Vokalgruppe singt, wie ein Kammerchor. Es geht um die Harmonien und die Puristik des Klangs.

Ensemble: Ich hatte das Gefühl, als ich Sie im Borciani-Wettbewerb hörte, dass Ihr Klang immens dicht und sehr warm ist, verschmelzend. Und ich fragte mich, ob dies vielleicht auch an Ihren Instrumenten liegt. Achten Sie darauf, dass Ihre Instrumente bestens zusammenpassen?

John Myerscough: Ich denke, es liegt eher daran, wie wir spielen und wie wir hören, denn unsere Instrumente sind sehr unterschiedlich.

Jonathan Stone: Es gibt zwei alte italienische Instrumente und zwei moderne Instrumente, es hat also wohl wenig mit der Wahl der Instrumente zu tun.

Alex Redington: Wahrscheinlich haben wir uns alle Ins-trumente ausgewählt, die zu uns passen. Und da wir ähnlich hören, passen sie dadurch gut zusammen. Dadurch klingt es sehr warm und niemals schrill.

John Myerscough: Ich hoffe, dass wir genauso klingen würden, wenn wir andere Instrumente spielen würden. Wir haben diese Vorstellung von Klang, wie wir klingen wollen, so dass andere Instrumente unseren Basisklang nicht verändern würden. Wir glauben sehr stark daran, dass der Klang aus dem Innern kommt. Ich kann also mehrere unterschiedliche Celli ausprobieren und es wäre immer noch mein Klang.

Ensemble: Wie sieht es im Allgemeinen mit Ihrem Repertoire aus? Verbinden Sie – wie viele junge Streichquartette dies mittlerweile tun – das zentrale klassisch-romantische Repertoire mit modernen Werken?

Alex Redington: Wirklich zeitgenössische Musik haben wir nicht besonders viel gespielt.

John Myerscough: Es klingt vielleicht wie ein Klischee, aber unser Fokus liegt auf Haydn, Beethoven und Schubert. Viele andere Quartette versuchen anderes Repertoire zu spielen, versuchen auch eine Nische für sich zu finden. Wir wollen gar keine Nische finden. Wir wollen die großen und besten Werke spielen und haben auch keine Angst davor.

Simon Tandree: Es kommt immer auf die Qualität an. Wenn nun jemand käme und für uns ein wunderbares Streichquartett schreiben würde, dann würden wir es definitiv spielen.

John Myerscough: Die Werke der Zweiten Wiener Schule spielen wir natürlich sehr viel.

Ensemble: Hat diese Auswahl an Repertoire nicht auch etwas mit Ihren Lehrern zu tun, die für dieses Repertoire einstehen, vor allem Walter Levin?

John Myerscough: Ja sicher.

Simon Tandree: Und es scheint, dass dieses Repertoire hervorragend mit unserer Klangvorstellung zusammenpasst.

John Myerscough: Natürlich auch Werke von Bartók. Noch einmal: Wir haben keine Angst vor dem großen, dem zentralen Repertoire.
Unabhängig von allen anderen Werken, fühlen wir uns immer und immer wieder zu Haydn hingezogen.

Ensemble: Eigenwilligerweise sind bisher nicht die Namen von Mozart und Beethoven gefallen ...

John Myerscough: [lacht] Ja, eigenartig. Wir spielen beide, aber wenn man uns die Wahl lassen würde, ob wir Haydn oder Mozart spielen wollen, dann würden wir immer Haydn spielen.

Aufnahmen

Ensemble: Sie haben Anfang dieses Jahres eine Debüt-CD mit Haydn-Quartetten als Ergebnis Ihrer intensiven Arbeit in Wigmore Hall auf dem Label „Wigmore Hall Live“ veröffentlicht. Aber schon da war klar, dass Sie für Chandos aufnehmen werden. Wie kam es dazu?

John Myerscough: Ja, wir spielten Anfang 2009 im Rundfunk – ein Haydn-Quartett und den langsamen Satz aus Korngolds Streichquartett Nr. 3. Zwei Wochen später schickte uns Chandos eine E-Mail, in der man uns mitteilte, dass sie uns treffen wollten. Nun gut, dachten wir, vielleicht wollen sie, dass wir Korngold für sie einspielen. Und bei dem Treffen wurde schnell klar, dass sie uns einen exklusiven CD-Vertrag über eine unbestimmte Zeit anboten, also bisher sind sechs bis sieben CDs geplant. Das bedeutet, dass wir jedes halbe Jahr eine neue CD veröffentlichen werden.

Ensemble: Das ist immens viel – und immens ungewöhnlich für ein junges Streichquartett und heutzutage noch ungewöhnlicher. Was sollen Sie aufnehmen?

John Myerscough: Das Besondere ist, dass dieses Label nur wenig Kammermusik im Katalog hat. Und nichts von dem Streichquartett-Standard-Repertoire ist aufgenommen.
Alex Redington: Das eröffnet uns natürlich unglaubliche Möglichkeiten.

John Myerscough: Und man gab uns sozusagen freie Wahl. Das ist wirklich unglaublich. Die erste CD wird mit den Quartetten von Erich Wolfgang Korngold sein, die zweite dann mit William Walton. Die dritte wird mit den drei Schumann-Quartetten sein, dann eine weitere Korngold-CD. Danach dann eine mit Bartók-Quartetten, die erste mit Bartók, dann eine mit Schubert, dann eine mit französischen Werken und eine weitere mit Bartók.

Simon Tandree: Das sind dann tatsächlich schon acht CDs, die in Planung sind ...

Ensemble: Das wird Ihnen sicherlich helfen und ist eine wunderbare Möglichkeit, sich einem breiteren Publikum vorzustellen.
Wie viele Konzerte spielen Sie momentan?

Simon Tandree: Um die 90 Konzerte. Aber wir wünschen uns, dass es in Zukunft nicht mehr so viele sind.

Alex Redington: Das soll heißen, wir versuchen, die Konzerte stärker zeitlich zu konzentrieren, nicht zwingend die Anzahl zu reduzieren.

Simon Tandree: Und zudem wollen wir die Qualität der Spielstätten erhöhen. Denn bislang spielen wir überall, auch an ganz kleinen Orten.
John Myerscough: Und zudem sind fast 90 Prozent in England. Mit unseren neuen Agenturen, beispielsweise der in Deutschland und der in den USA, hoffen wir, dass unsere Konzertauftritte auch internationaler werden.

Simon Tandree: Ja, wir lieben es, zu reisen!

Alex Redington: Bei all diesen Wünschen darf man nicht vergessen, wie privilegiert wir sind, diese Musik, diese großartigen Werke spielen zu können und zu dürfen. Das ist das wohl wichtigste Element in unserem Leben überhaupt. Und manchmal vergisst man dies über all den Proben und der Arbeit.

Das Doric String Quartet ist auf dem besten Weg, sich in die gehobene Liga vorzuspielen, nicht allein mit den zahlreichen CDs, die in den kommenden Jahren auf den Markt kommen werden, sondern auch, da sie einen ganz besonderen, einen delikaten, einen warmen und runden Klang haben. Zudem wirken die vier so, dass sie einen immensen Spaß an der Arbeit zu viert haben, dass sie gerne jedes Jahr bis zu 15 neue Werke lernen. Und diese positive Offenheit, die Lust am Spiel spürt man deutlich. Dass dabei die Qualität ebenfalls stimmt, macht dieses Quartett zu einem besonderen unter den jungen.

www.doricstringquartet.com